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Experten-Workshop Phytomedizin der Universität Rostock

08.12.2010 - (idw) Deutsche Krebshilfe e. V.

Krebshemmende Wirkung von Pflanzen-Hormonen Rostock (gb) Mit der Wirkung so genannter Phyto-Östrogene auf Tumorzellen befassen sich Experten aus ganz Deutschland am 10. Dezember 2010 im Rahmen des Workshops Phytomedizin der Universität Rostock. Phyto-Östrogene sind Pflanzenstoffe, die ähnlich wie das menschliche Hormon Östrogen wirken. Sie haben viele gesundheitsfördernde Eigenschaften: Phyto-Hormone aus Soja können beispielsweise Wechseljahresbeschwerden lindern. Im Rahmen der Krebsforschung hat sich gezeigt, dass Phyto-Östrogene möglicherweise das Wachstum von Brustkrebszellen hemmen. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt ein Projekt an der Universität Rostock, in dem Forscher die Wirkungsweise der pflanzlichen Östrogene auf Brustkrebszellen näher untersuchen, mit 470.000 Euro.

In asiatischen Ländern wie China, Japan oder Indien erkranken weitaus weniger Frauen an Brustkrebs als in westlichen Ländern. Grund dafür ist möglicherweise der hohe Gehalt an Phyto-Östrogenen in der traditionellen asiatischen Küche. Doch nicht nur exotische Lebensmittel wie Sojabohnen und die daraus hergestellten Produkte, sondern auch eine Vielzahl heimischer Gewächse enthalten die Pflanzenhormone. Im Fokus der Wissenschaftler um Professor Dr. Volker Briese von der Universitätsfrauenklinik und Poliklinik am Klinikum Südstadt Rostock steht dabei eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt: der Lein, auch Flachs genannt.

Lein ist ein weltweit verbreitetes Strauchgewächs. Seit Jahrtausenden wird er zur Herstellung von Textilien, als Heilpflanze und als Lebensmittel verwendet. Besonders die Leinsamen enthalten große Mengen an Phyto-Östrogenen, die so genannten Lignane. Diese zu den Ballaststoffen gehörenden Substanzen wirken beim Menschen abführend. Lignane haben jedoch eine weitere wichtige Eigenschaft: ihre strukturelle Ähnlichkeit mit dem Sexualhormon Östrogen. Daher werden Lignane als mögliches Therapeutikum gegen Brustkrebs getestet.

Bei etwa zwei Drittel der betroffenen Frauen wächst der Brustkrebs östrogenabhängig. Ihre Krebszellen besitzen bestimmte Bindungsstellen, so genannte Rezeptoren, an welche die Östrogene binden. Die Zellen werden hierdurch zum Wachstum angeregt. Lignane besetzen jedoch diese Bindungsstellen und blockieren damit das weitere Wachstum des Tumors.

Die Rostocker Forscher stellen Lignan-haltige Extrakte aus der Wurzel des Leins her und untersuchen ihre Wirkungsweise auf Brustkrebszellen. Phyto-Östrogene könnten verhindern, dass Krebszellen überhaupt erst entstehen. Aus den bisher gewonnenen Erkenntnissen möchten wir innerhalb der nächsten zwei Jahre daher auch eine Anwendungsmöglichkeit zur Vorbeugung von hormonabhängigen Tumoren entwickeln, erläutert Briese. Im Rahmen des Workshops Phyto-Östrogene Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe mit tumorpräventivem Potenzial stellen die Wissenschaftler nun die bisherigen Ergebnisse ihrer Studien vor. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: Ziel der von uns geförderten Forschungsprojekte ist es, innovative Strategien in der Prävention und Therapie von Tumor-Erkrankungen zu entwickeln.

Journalisten, die an dem Workshop in Rostock teilnehmen wollen, können sich per E-Mail unter dagmar.richter@kliniksued-rostock.de oder telefonisch unter 0381/ 4401 6550 anmelden.

Interviewpartner auf Anfrage!

Hintergrund-Info: Brustkrebs
Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Über 57.000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an dem so genannten Mamma-Karzinom, etwa 17.000 Frauen versterben an den Folgen dieser Erkrankung. Grundsätzlich gilt: Bei frühzeitiger Entdeckung kleinerer Tumoren kann zumeist weniger ausgedehnt operiert werden und die medikamentöse Behandlung schonender erfolgen. Als Therapiemöglichkeiten stehen Operation, Strahlenbehandlung, Hormontherapien, Chemotherapie und die Immuntherapie zur Verfügung. Die Wahl der Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise Art, Lokalisation und Größe des Tumors.


Projektnr.: 107820

Bonn, 8. Dezember 2010

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