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Die Skulptur Body of Knowledge: Symbol für transparente und weltoffene Universität

17.12.2010 - (idw) Goethe-Universität Frankfurt am Main

FRANKFURT. Die Skulptur Body of Knowledge des international renommierten spanischen Künstlers Jaume Plensa ist jetzt auf dem Campus Westend der Goethe-Universität der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Die markante, acht Meter hohe Figur schmückt die Freifläche zwischen Hörsaalzentrum und Casino-Anbau. Aus einzelnen Buchstaben acht verschiedener Alphabete zusammengesetzt, symbolisiert die transparente Figur in Form eines sitzenden menschlichen Körpers das, was die Universität ausmacht. Jaume Plensa, der bei der Übergabe anwesend war, formuliert dies so: Unser Körper ist der Sitz des Geistes. Die Universität ist eine Ausweitung unseres Körpers. Ein Versammlungsort, an dem sich Menschen und Ideen, Tradition und Zukunft zu Zwiegesprächen treffen und das Netz menschlichen Wissens weben.

Gestiftet wurde die Skulptur von der Unternehmerin Johanna Quandt (Bad Homburg). Sie freut sich, dass die erste Großskulptur von Jaume Plensa in Deutschland nun auf dem Campus Westend der Goethe-Universität steht: Die Skulptur setzt ein kraftvolles Zeichen für die Universalität, Vielfalt und Unabhängigkeit der Wissenschaft, die sich in Frankfurt wieder mit besonderer Dynamik entwickelt. Seit 2005 ist Quandt Ehrensenatorin der Goethe-Universität, als Mäzenin und Stifterin fördert sie die Hochschule seit Jahren in großzügiger und vielfältiger Weise, wie Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl in seinen Dankesworten betonte.

Müller-Esterl zeigt sich begeistert von dem Kunstwerk: Die Skulptur kann zu einem Sinnbild und Markenzeichen für unsere Universität werden. Der Titel Body of Knowledge umschreibt sehr schön den Gedanken der wissenschaftlichen Gemeinschaft, die unterschiedlichen Schriftzeichen visualisieren die Internationalität der Goethe-Universität, die Transparenz des Kunstwerks symbolisiert die Offenheit des wissenschaftlichen Diskurses und die Öffnung der Universität als Wissensspeicher für die Bürger der Region.

Als Laudator sprach bei der Präsentation Dr. Achim Sommer, Direktor des Max Ernst Museums Brühl des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) und hervorragender Kenner von Jaume Plensas Werk. Er betonte, dass Plensa seit Beginn der 1990er Jahre eine verstärkte künstlerische Herausforderung in internationalen Außenraumprojekten fände, die seine souveräne und gereifte inspirative Kraft immer deutlicher hervortreten ließen. Das zeigt sich deutlich auch in seiner neuen Großplastik Body of Knowledge, so Sommer. Für Plensa bedeutet Skulptur Spiritualisierung der Materie, eine Interaktion zwischen Geist und Material. Wo könnte also eine derartige Arbeit einen besseren Platz finden, als an eben jenem Ort stetigen geistigen Austausches.

Body of Knowledge zählt zu einer Reihe von Arbeiten, die der 1955 in Barcelona geborene Plensa als Gefäße für die Seele beschreibt. In Analogie zum geistigen Wachstum, das Menschen individuell und kollektiv durch die Künste erfahren, wächst hier ein Lebewesen als Objekt mit deutlichen inhaltlichen Bezügen zur Literatur und zur Wissenschaft. Der durchlässige weiße Korpus aus weiß lackiertem Edelstahl ist aus Hunderten von Buchstaben, Schriftzeichen und Hieroglyphen der verschiedensten Sprachen zusammengesetzt. Dabei sind
nirgends ganze Worte erkennbar oder intendiert, doch die Gemeinsamkeit der Menschheitserfahrung jenseits von Unterschieden des Geschlechts, der Rasse oder des Glaubens wird unmittelbar deutlich. Das Verflechten der verschiedenen Alphabete zum Gitterwerk sorgt dafür, dass Licht und Stimmung den Charakter der Arbeit entscheidend bestimmen; beides verändert die Skulptur und ihre unmittelbare Umgebung maßgeblich, erläutert Christian Scheffel, Galerist aus Bad Homburg und verantwortlich für die alle zwei Jahre stattfindende zeitgenössische Skulpturen-Ausstellung Blickachsen. In ihrem Rahmen war 2009 im Kurpark Bad Homburg eine ähnliche, aber kleinere Skulptur Plensas zu sehen.

Dass der Campus Westend für ein solches Kunstwerk ein idealer Ort sei, davon waren die Stifterin, der Galerist und das Präsidium der Universität, aber auch der Architekt des Hörsaalgebäudes und des Casino-Anbaus, Ferdinand Heide, schnell überzeugt ergänzt diese Skulptur doch ausdrucksstark die Transparenz und Offenheit der Campus-Architektur. Bei der feierlichen Präsentation des Kunstwerks sahen sie sich in ihrer Einschätzung bestätigt: Besonders beeindruckend ist die Skulptur auch bei Dunkelheit, wenn sie durch 14 in den Boden eingelassene Strahler von innen beleuchtet wird. Dann erscheint sie wie aus Licht gestaltet und belebt den großzügigen Platz, schwärmt Scheffel, der in den vergangenen Wochen den komplizierten Aufbau des großen Kunstwerks in enger Kooperation mit dem Hessischen Baumanagement (hbm) und der Universität begleitet hat.

Der abwechselnd in Barcelona und Paris lebende Jaume Plensa ist einer der bedeutendsten und inspirativsten Künstler der Gegenwart. Seit Beginn der 1980er Jahre hat er sich durch seine Skulpturen und großformatigen Installationen in Museums- und Galerieausstellungen einen Namen gemacht, außerdem durch über 40 dauerhaft installierte Außenraumobjekte in aller Welt. Dazu zählen der publikumswirksame Crown Fountain im Millenium Park von Chicago ebenso wie die poetische Lichtinstallation Breathing auf dem BBC-Gebäude in London und die jüngst in Salzburg installierte Skulptur Awilda. Plensa hat zudem ein umfangreiches uvre an Zeichnungen, Collagen und Grafiken geschaffen, außerdem entwirft er Bühnenbilder unter anderem für die Salzburger Festspiele, die Ruhr-Triennale Bochum und die Opéra de Paris (in Kooperation mit dem Gran Teatre del Liceu, Barcelona). Plensa hatte Gastprofessuren an der Pariser École Nationale des Beaux Arts und an der School of the Art Institute of Chicago inne, die ihm auch eine Ehrendoktorwürde verlieh. Für seine Arbeiten hat er zahlreiche Auszeichnungen bekommen, so den Kunstpreis der Heitland Foundation (2007) oder den Marsh Award for Excellence in Public Sculpture (2009).

Die Ehrensenatorin der Goethe-Universität Johanna Quandt engagiert sich seit Jahren insbesondere für Frankfurter Aktivitäten in der Medizin und den Lebenswissenschaften: So konnte mit ihrer Hilfe zum Beispiel das Stammzelltransplantationszentrum am Universitätsklinikum eingerichtet werden. In ihm können seit 2004 jährlich 40 krebskranke Kinder behandelt werden, die an Leukämie oder Lymphomen leiden und bei denen eine Chemotherapie versagt. Darüber hinaus finanziert Quandt eine Stiftungsprofessur im Bereich Lebenswissenschaften, die dem Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) zugeordnet ist.


Informationen: Ulrike Jaspers, Abteilung Marketing und Kommunikation,
Campus Bockenheim, Tel: (069) 798 23266, jaspers@pvw.uni-frankfurt.de
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