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medac-Forschungspreise für Wissenschaftler am Hans-Knöll-Institut

22.12.2010 - (idw) Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)

Jena. Acht Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie Hans-Knöll-Institut wurden soeben für ihre Leistungen mit dem medac-Forschungspreis 2010 ausgezeichnet. Gewürdigt wurden international beachtete Forschungsarbeiten, die in herausragenden wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert wurden. Das mittelständische Pharmaunternehmen medac aus Wedel nahe Hamburg unterhält seit Jahren enge Kooperationsbeziehungen zum Jenaer Hans-Knöll-Institut (HKI). Über die gemeinsame Entwicklung neuer Arzneistoffe hinaus ist es der Firma traditionell ein besonderes Anliegen, junge Wissenschaftler zu fördern und für eine naturwissenschaftliche Laufbahn zu motivieren. Wilfried Mohr, medac-Geschäftsführer und Mitglied des Kuratoriums des HKI lobte zum wiederholten Mal einen mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Forschungspreis aus. Mit ihm sollen Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet werden, die sich um die beiden Haupt-Arbeitsgebiete des HKI neue Wirkstoffe aus Mikroorganismen und Infektionsforschung besonders verdient gemacht haben und dabei intensiv mit Kollegen angrenzender Fachrichtungen zusammenarbeiten.

Wichtigstes Kriterium für die Qualität und Innovationskraft einer Forschungsarbeit ist ihre Veröffentlichung in einem angesehenen Fachjournal mit internationaler Verbreitung. Das HKI verzeichnet seit Jahren stetig steigende Zahlen an wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die von der Fachwelt häufig zitiert werden. Somit gewinnen die am Jenaer Leibniz-Institut erzielten Forschungsergebnisse stärkeren Einfluss auf die Entwicklung des Fachgebietes. Entsprechend schwer fiel der Jury die Auswahl der Preisträger.

Ausgezeichnet wurden drei Arbeiten, die beispielhaft für neue Wege in der modernen Naturstoff- und Infektionsforschung stehen und für Aufsehen in der Fachwelt sorgten. Swantje Behnken, Thorger Lincke, Martin Roth und Keishi Ishida gelang es in einem von Christian Hertweck geleiteten Team erstmals, einen Wirkstoff aus Bakterien zu isolieren, die nur unter Sauerstoffabschluss gedeihen können. Bisher nahm man an, dass solche anaeroben Bakterien gar nicht genügend Energie für derartige Synthesen zur Verfügung haben. Der neue Naturstoff besitzt zudem eine einzigartige, bisher völlig unbekannte Struktur und ist als Antibiotikum gegen multiresistente Staphylococcen aktiv, die gefürchtete Krankenhausinfektionen auslösen.

Gerald Lackner entschlüsselte gemeinsam mit italienischen Kollegen die Oberflächenstruktur von Bakterien, die innerhalb von Pilzen leben. Verantwortlich für die Stabilität dieser Symbiose und dafür, dass die Bakterien nicht vom Pilz abgestoßen werden, sind Lipopolysaccharide der Zelloberfläche. Sie dienen den Bakterien als eine Art Tarnkappe.

Ein vom Institutsdirektor Axel Brakhage geleitetes Team mit den Preisträgern Sandra Bruns, Andreas Thywißen und Olaf Kniemeyer zusammen mit der Arbeitsgruppe von Matthias Gunzer an der Universität Magdeburg widmete sich der Abwehrreaktion von Immunszellen gegen Pilzinfektionen. Erstmals konnten sie im Film festhalten, wie bestimmte Immunzellen in Gegenwart von Pilzsporen geradezu explodieren und netzartige Strukturen freisetzen, die die Erreger fixieren und an der Krankheitsauslösung hindern.

Wilfried Mohr freute sich, viele junge Leute unter den Preisträgern zu sehen: Bei unseren Besuchen am HKI spüren wir das ausgezeichnete Arbeitsklima und den offenen Umgang der Kolleginnen und Kollegen miteinander. Das ermutigt junge Berufseinsteiger, sich der hochkomplexen Themen anzunehmen und den Kontakt zu erfahrenen Wissenschaftlern zu suchen. Die Kooperation unterschiedlich spezialisierter Experten führt dann zu innovativen Ergebnissen. Wir freuen uns, das HKI auf diesem Weg begleiten zu können.

Die ausgezeichneten Originalarbeiten sind:

Lincke T, Behnken S, Ishida K, Roth M, Hertweck C (2010) Closthioamide: an unprecedented polythioamide antibiotic from the strictly anaerobic bacterium Clostridium cellulolyticum. Angewandte Chemie International Edition 49(11), 2011-2013.

Leone MR*, Lackner G*, Silipo A, Lanzetta R, Molinaro A, Hertweck C (2010) An unusual galactofuranose lipopolysaccharide that ensures the intracellular survival of toxin-producing bacteria in their fungal host. Angewandte Chemie International Edition 49(41), 7476-7480. *equal contribution

Bruns S, Kniemeyer O, Hasenberg M, Aimanianda V, Nietzsche S, Thywißen A, Jeron A, Latgé JP, Brakhage AA*, Gunzer M* (2010) Production of extracellular traps against Aspergillus fumigatus in vitro and in infected lung tissue is dependent on invading neutrophils and influenced by fungal hydrophobin. PLoS Pathogens 6: e1000873. *corresponding authors

Informationen zum HKI http://www.hki-jena.de
Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie Hans-Knöll-Institut wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie human-pathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden auf ihre Wirksamkeit gegen Pilzerkrankungen untersucht und zielgerichtet modifiziert.
Das HKI verfügt derzeit über fünf wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) sind. Hinzu kommen jeweils vier Nachwuchsgruppen und Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion für das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Zur Zeit arbeiten etwa 310 Menschen am HKI, darunter 120 Doktoranden.

Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft http://www.leibniz-gemeinschaft.de
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 16.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 7.100 Wissenschaftler, davon wiederum 2.800 Nachwuchswissenschaftler.


Ansprechpartner
Dr. Michael Ramm
Wissenschaftliche Organisation
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e. V.
Hans-Knöll-Institut
Beutenbergstrasse 11a
07745 Jena
03641 5321011 (T)
03641 5320801 (F)
michael.ramm@hki-jena.de
Presseservice: pr@hki-jena.de
http://www.presse.hki-jena.de Anhang
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