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Stifterverband: Hochschulen bieten zu wenig Teilzeitstudiengänge an

29.12.2010 - (idw) Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Studienangebot in Deutschland ignoriert die Lebenswirklichkeit der Studierenden

Mehr als ein Viertel der zwei Millionen deutschen Studierenden absolviert sein Studium faktisch in Teilzeit. Das Studienangebot der Hochschulen trägt dem allerdings kaum Rechnung. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft fordert Politik und Hochschulen nun auf, die heterogene Lebenswirklichkeit der Studierenden ernst zu nehmen und endlich entsprechende Angebote zu formulieren, sagt Volker Meyer-Guckel, Mitglied der Geschäftsleitung im Stifterverband. So arbeiten 27 Prozent aller Studierenden im Erststudium nebenher mehr als 17 Stunden pro Woche (Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks für 2009). Doch die Zahl der Teilzeitstudiengänge liegt bei unter fünf Prozent. Nur 355 der insgesamt 8517 grundständigen Studiengänge sind laut HRK-Hochschulkompass für ein Teilzeitstudium geeignet. Bei den weiterführenden Studiengängen, die in der Regel für Berufstätige angeboten werden, liegt die Anzahl mit knapp sieben Prozent nur unwesentlich höher (398 von insgesamt 6019 Studiengängen). Der Mangel führt zu bekannten Problemen: Weil das Studium mit Kindern oder die Verbindung von Studium und Beruf schwierig ist, verlängern sich die Studienzeiten und es erhöhen sich die Abbrecherquoten. Auch die Finanzierung ist schwierig, denn ein Teilzeitstudium ist nicht förderfähig nach dem BAföG-Gesetz.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft fordert Politik und Hochschulen nun auf, die heterogene Lebenswirklichkeit der Studierenden ernst zu nehmen und endlich entsprechende Angebote zu formulieren, sagt Volker Meyer-Guckel, Mitglied der Geschäftsleitung im Stifterverband. So sollten Studienmodule in Zukunft einzeln buchbar und die dort erworbenen ECTS-Punkte flexibel akkumuliert werden können. Studiengebühren sollten künftig nach den tatsächlich in Anspruch genommenen Studienleistungen berechnet werden, schlägt Meyer-Guckel vor. Auch die Politik müsse umdenken: Das BAföG ist mit seiner Ausrichtung auf Vollzeitstudien viel zu unflexibel. Stattdessen sollte jeder BAföG-berechtigte Studierende generell Anspruch auf die Unterstützung beim Erwerb von 300 ECTS-Punkten haben, unabhängig vom Zeitpunkt des Erwerbs, fordert Meyer-Guckel.

Besonders drastisch stellt sich die Situation in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt dar, wo laut HRK-Hochschulkompass kein einziger grundständiger Studiengang als Teilzeitstudiengang angeboten wird. Aber auch an den starken Hochschulstandorten in Baden-Württemberg und Bayern sieht es nicht besser aus: In beiden Ländern ist nur einer von hundert Studiengängen für Teilzeitstudierende organisiert. Absoluter Spitzenreiter bei der Vielfalt von Teilzeitstudienangeboten ist das Land Berlin, mit einer Quote von immerhin 22,7 Prozent aller grundständigen Studiengänge.

Hintergrund: ECTS-Punkte
ECTS-Punkte sind ein Maß für den in einem Studienmodul, z.B. einer Vorlesung oder einem Seminar von den Studierenden zu leistenden Arbeitsaufwand. Ein Leistungspunkt entspricht 30 Arbeitsstunden. Das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) macht Leistungen von Studierenden bei einem Hochschulwechsel anrechenbar und wurde mit der europaweiten Umstellung der Abschlüsse auf Bachelor und Master eingeführt. Für ein Vollstudium bis zum Masterabschluss werden 300 Leistungspunkte veranschlagt.

Pressekontakt:
Frank Stäudner
Leiter Kommunikation und Presse
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
Tel.: (0201) 8401-158
E-Mail: frank.staeudner@stifterverband.de Weitere Informationen: http://www.stifterverband.de
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