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"Auf dem Weg zum Europäischen Zentrum für Pankreaschirurgie"

29.05.2002 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Operationen an der Bauchspeicheldrüse sind heute sicher und erfolgreich / Antrittsvorlesung von Prof. Markus W. Büchler

Die Heidelberger Chirurgische Universitätsklinik ist auf dem Wege, eines der führenden Zentren für die Chirurgie der Bauchspeicheldrüse in Deutschland und Europa zu werden. In den vergangenen acht Monaten sind in Heidelberg bereits 122 Operationen an diesem Organ erfolgreich vorgenommen worden, sagte Prof. Markus W. Büchler in seiner öffentlichen Antrittsvorlesung am heutigen Mittwoch. Der Ärztliche Direktor der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg hat am 1. Oktober die Nachfolge von Prof. Christian Herfarth angetreten. Büchler war von 1996 bis 2001 Leiter der Chirurgie am Berner Inselspital und hat dort ein umfangreiches Programm der Pankreaschirurgie mit neuen Operationstechniken aufgebaut.

Noch vor wenigen Jahrzehnten galten Tumoren und Entzündungen der Bauchspeicheldrüse als nicht operabel; das Risiko des Eingriffs war hoch, so dass die meisten Ärzte von einer Operation abrieten. Heute kann diese Zurückhaltung aufgegeben werden: Mittlerweile sterben nur noch etwa zwei Prozent der Patienten nach der Operation, auch die Komplikationen sind auf wenige Prozent der Fälle zurückgegangen.

Maßgeblich ist die große Erfahrung des chirurgischen Teams an, sagte Büchler. Denn das weiche Gewebe produziert große Mengen an Verdauungssaft, das die Drüse selbst sowie das umgebende Gewebe zu zerstören droht. Damit dieser Saft abfließen kann, wird das verbleibende Pankreasgewebe mit dem Dünndarm verbunden. Entscheidend für das Gelingen der Operation ist die Stabilität der Naht zwischen beiden Organen - und damit das manuelle Geschick des Chirurgen. Büchler und andere internationale Experten konnten in klinischen Vergleichstudien zeigen: Neue Operationsverfahren, bei denen möglichst viel Pankreasgewebe sowie der gesamte Magen erhalten bleibt, sind umfangreicheren Gewebeentfernungen überlegen, die lange Zeit anerkannter Standard der Pankreaschirurgie waren.

"Pankreaserkrankungen haben in den zivilisierten Ländern zugenommen; sie sind Folgen unseres Lebensstils", sagte Büchler. Denn übermäßiger Alkoholgenuss sowie fettreiche Ernährung begünstigen die Erkrankung der Drüse, die für die Verdauung der Nahrung und die Versorgung des Körpers mit Insulin sorgt. "Heute wollen wir erreichen, dass unsere Patienten eine hohe Lebensqualität haben und schmerzfrei sind", erklärte Büchler. Durch die Entfernung des "Pankreaskopfes" konnte am Berner Inselspital etwa 80 Prozent von über 600 Patienten, die an der sehr schmerzhaften chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse litten, ein schmerzfreies Leben ermöglicht werden.

Die Vision von Prof. Büchler ist ein Europäisches Pankreaszentrum im Verbund der Universitätsklinika Heidelberg/Mannheim. Gemeinsam mit den anderen deutschen Zentren in Hamburg und Dresden sowie weiteren in Europa, zum Beispiel in Birmingham und Athen, soll es wissenschaftlich gesicherte, chirurgische Standardtherapien für die Behandlung der Pankreaserkrankungen erarbeiten.
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