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Auf der Suche nach Ursachen von Schilddrüsenerkrankungen

14.08.2003 - (idw) Universität Leipzig

Mit einem Schilddrüsenscreening am Universitätsklinikum Leipzig wollen Wissenschaftler der Medizinischen Klinik III den Zusammenhang zwischen einer bestimmten genetischen Disposition und einer Schilddrüsenerkrankung klären. Angehörige und Studenten der Universität und des
Universitätsklinikums Leipzig können an dieser Studie teilnehmen und zugleich Aufklärung über ihre Schilddrüsenfunktion erhalten.


Szintigraphie einer Schilddrüse Mehr als 10% der Bundesbürger haben eine vergrößerte Schilddrüse, von den Medizinern Struma genannt. In den neuen Bundesländern weist fast jeder dritte Bürger einen oder mehrere Schilddrüsenknoten auf. Jodmangel ist der bedeutendste Umweltfaktor für die Entwicklung einer vergrößerten und knotigen Schilddrüse. Familien- und Zwillingsstudien haben jedoch auch eine starke genetische Prädisposition nachgewiesen. Um dazu genauere Aussagen treffen zu können, möchten die Wissenschaftler molekulare Analysen durchführen. Anmeldungen sind täglich von 8.00 bis 16.00 Uhr unter Tel. 0341 - 97 13 116 oder per Email: romy_gehrisch@web.de möglich.
Das Screening beginnt mit einer Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse. Dann füllen die Probanden Fragebögen hinsichtlich ihrer Ernährungsgewohnheiten aus und geben eine Urinprobe zur Jodbestimmung ab. Jedem Teilnehmer wird sein Ultraschallbefund erläutert. Wenn ein Knoten, eine Zyste oder eine Struma vorliegt, wird den Betroffenen angeraten, den Hausarzt aufzusuchen und das Problem weiter abklären zu lassen sowie ggf. therapeutische Maßnahmen einzuleiten.
Wie wichtig solche Untersuchungen sind, zeigt das Ergebnis einer von Dr. Brauer, Arzt an der Medizinischen Klinik III, durchgeführten Untersuchung aus dem Jahre 2002: Von den 840 Leipziger Teilnehmern fielen 12% mit Schilddrüsenvergrößerungen und 30% mit Schilddrüsenknoten auf.
Nicht alle Personen unter Jodmangel entwickeln eine Struma und trotz zunehmender Jodprophylaxe lassen sich Strumen nicht immer beseitigen. Außerdem haben Zwillingsstudien eine deutliche genetische Prädisposition für die Strumaentwicklung gezeigt. Genetische Ursachen für die Entstehung von Knotenstrumen werden deshalb jetzt näher untersucht. Molekulare Analysen lieferten bisher drei verschiedene Gen-Orte, wobei aber in allen Studien jeweils nur eine Familie untersucht wurde.
Anfang der 90er Jahre wurden erstmals in einzelnen Schilddrüsenknoten aktivierende Mutationen im TSH-Rezeptor-Gen als eine Ursache für eine TSH unabhängige Aktivierung der Schilddrüse mit nachfolgendem Schilddrüsenwachstum und vermehrter Hormonproduktion im Sinne einer Überfunktion entdeckt. Auch bei Schilddrüsengesunden wurden eine Reihe von Veränderungen im TSHR-Gen gefunden. Eine Assoziation zwischen diesen Veränderungen und Schilddrüsen-Erkrankungen konnte bisher nicht bewiesen werden.
Hier setzt die Screening-Aktion an, die derzeit am Universitätsklinikum Leipzig läuft und von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III in der Philipp-Rosenthalstraße 27, 1. Etage, durchgeführt wird. Prof. Dr. Ralf Paschke, Komm. Direktor der Medizinischen Klinik III, hält es für wichtig, dass möglichst viele Menschen über Ursachen, Folgen, prophylaktische und therapeutische Möglichkeiten einer Schilddrüsenerkrankung aufgeklärt werden. Wenn sich bereits klinische Symptome einer Schilddrüsenerkrankung bemerkbar machen, wird die Behandlung teuer. 1,15 Milliarden Euro müssen die
Krankenkassen jährlich für Strumaoperationen, Radio-Jod-Therapie und Medikamente ausgeben. Die prophylaktische Gabe von Jodtabletten würde lediglich 1/10 an Kosten verursachen. Es ist also im Sinne jedes Einzelnen, sich an der Aktion Schilddrüsenscreening zu beteiligen.

Zeit: bis 22. 8. 2003

Ort: Medizinische Klinik III, Rotes Haus, 1.Etage, Raum 116, Philipp-Rosenthal-Str. 27
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