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Freelancer: Überzeugungstäter, flexible Individualisten und unaufgeregte Rationale

10.03.2011 - (idw) FernUniversität in Hagen

Immer mehr Berufstätige arbeiten als Freelancer eine Situation, die sehr hohe Anforderungen stellt und in der das Berufs- und das Privatleben deutlich an Stabilität verlieren. Psychologen der FernUniversität haben festgestellt, dass diese freien Mitarbeitenden dennoch durchaus zufrieden sind. Es gibt aber auch branchenspezifisch markante Unterschiede. Geschätzte zwei Millionen Berufstätige arbeiten in Deutschland ohne Festanstellung als Freelancer für wechselnde Auftraggeber, Tendenz steigend. Wie kommen sie mit dieser unsicheren beruflichen und persönlichen Situation zurecht? Wie gehen sie mit den Belastungen um? Was motiviert sie? Was wollen sie noch erreichen? Danach forschte das Lehrgebiet Psychologie des Erwachsenenalters an der FernUniversität in Hagen mit zwei Studien zu freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Journalismus, in anderen Medienbereichen und in der IT-Branche: Solo-Selbstständige im Spannungsfeld von Flexibilisierung und Stabilisierung.

Prof. Dr. Ingrid Josephs und Dr. Andrea Kettenbach haben festgestellt, dass die Freien durchweg überraschend zufrieden sind. Bestätigt wurde das Einzelgänger-Klischee der Öffentlichkeit jedoch nur für den journalistischen Bereich. Dies ist nicht der einzige branchenspezifisch markante Unterschied. Die Forscherinnen interessierten berufliche Motivationen, Ziele, Ressourcen und Persönlichkeitsmerkmale, ebenso die Rahmenbedingungen der Arbeit und nicht zuletzt die individuellen Strategien, um eigene Wünsche und Möglichkeiten mit den Anforderungen des Umfeldes in Einklang zu bringen.

Journalisten: intrinsisch motivierte Überzeugungstäter

Prof. Ingrid Josephs und Dr. Andrea Kettenbach stellten bei der Auswertung der ersten (Interview-)Studie fest, dass Journalistinnen und Journalisten typischerweise intrinsisch motivierte Überzeugungstäterinnen und -täter sind: Sie geben nicht auf, auch wenn ihre Kosten hoch und die psychische Belastung enorm sind! erläutert Ingrid Josephs. Journalistinnen und Journalisten haben häufig die klassische Ausbildung Volontariat ohne das klare Ziel durchlaufen, später freiberuflich zu arbeiten.

Sie schätzen vor allem, wenn sie für Printmedien arbeiten die gute Erkennbarkeit" ihres Berufes und verfolgen eher fachlich orientierte Ziele (z.B. die Erhöhung ihrer fachlichen Expertise). Motiviert werden sie weder durch die (nach eigener Meinung viel zu geringe) Entlohnung noch durch Anerkennung oder durch die hohen Anforderungen an ihre Flexibilität, die sie eher als belastend empfinden, kaum jedoch als positive Herausforderung. Berufs- und Privatleben sind selten wirklich zu trennen.

Sie akquirieren ihre Aufträge mehrheitlich selbst, wobei ihnen die Akquise selbst häufig unangenehm ist. Die Relevanz der Selbstvermarktung schätzen sie als hoch ein.

Das Klischee des einsamen, alleine arbeitenden Freelancers fanden die FernUni-Forscherinnen oft bestätigt. Jedoch identifizieren die Freien sich häufig mit der Organisation, für die sie arbeiten, und sehen deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Teil als Kolleginnen und Kollegen an.

Als einzige der drei Zielgruppen haben diese traditionellen Freelancer ein klar erkennbares Berufsbild. Berufliche Kreativität ist vorhanden, jedoch geringer ausgeprägt.

Medien-Freelancer: flexible Individualisten

Freelancer, die in den verschiedensten Medienbereichen tätig sind, aber nicht als Journalistinnen und Journalisten, sind typischerweise flexible Individualistinnen und Individualisten: Berufs- und Privatleben gehen ineinander über, Flexibilität gehört zu ihrem Kerngeschäft und wird als ich-affin erlebt, erläutert Ingrid Josephs. Das Klischee, immer alleine zu arbeiten, trifft auf sie nur teilweise zu.

Diese Medien-Freelancer haben mehrheitlich ganz bewusst die Entscheidung für eine kreative und unabhängige Arbeit getroffen. Sie identifizieren sich häufig mit der Organisation, für die sie arbeiten, sehen jedoch deren Mitarbeiter kaum als ihre Kollegen an.

Dass ihr Beruf meist erklärungsbedürftig ist, stört sie selten. Anerkennung motiviert sie sehr, ebenso wie das unabhängige Arbeiten. Ein Spannungsfeld zwischen Flexibilitätsanforderungen und Stabilitätsbedürfnissen empfinden sie deutlich weniger als die beiden anderen Gruppen. Die geforderte Flexibilität erleben sie eher als positive Herausforderung. So haben sie auch die höchste Überlappung zwischen Berufs- und Privatleben.

Aufträge erhalten sie mehrheitlich durch Empfehlungen. Die Akquise selbst ist ihnen häufig unangenehm. Die Relevanz der Selbstvermarktung schätzen sie als hoch ein. Damit einher geht als Notwendigkeit Verkaufstalent, aber auch Gewissenhaftigkeit.

IT-Freelancer: unaufgeregt rational

IT-Freelancer entsprechen dem Typ der unaufgeregt Rationalen mit einer abgewogenen und erfolgreich verlaufenden Kosten-Nutzen-Bilanz. Häufig haben IT-Freelancer aus der Not eine Tugend" gemacht und sind so aus verschiedenen Gründen (Krisen, Mobbing, Insolvenz) zu ihrer freiberuflichen Tätigkeit gekommen. Sie sind es gewohnt, dass ihr Beruf bzw. ihre Tätigkeit nach außen nur schwer erkennbar" ist, was ihnen persönlich jedoch egal ist.

Sie verfolgen unternehmerische Ziele (z.B. Erweiterung des Kundenkreises), sind mit ihrem Einkommen sehr zufrieden und empfinden die Flexibilitätsanforderungen eher als Herausforderung denn als Belastung.

Die Akquirierung von Aufträgen erfolgt mehrheitlich über Vermittler, wobei ihnen die Akquise selbst leicht fällt. Sie schätzen die Relevanz der Selbstvermarktung als hoch ein.

Mit dem Klischee des einsamen Freelancers haben sie nichts gemeinsam. Sie identifizieren sich häufig mit der Organisation, für die sie arbeiten, und sehen die Mitarbeiter als Kollegen an. Großen Wert legen sie auf auf soziale Kompetenzen. Sie trennen am deutlichsten zwischen Berufs- und Privatleben.

Freie und Feste die Unterschiede

In einer zweiten (Online-)Umfrage ging das FernUni-Team den Fragen nach, wie sich Freelancer von Festangestellten unterscheiden und wodurch man ihren beruflichen Erfolg vorhersagen kann. Dafür wurden 103 freie und festangestellte Berufstätige aus dem IT-, Medien- und Weiterbildungsbereich sowie aus dem Journalismus befragt, die im Bachelorstudiengang Psychologie der FernUniversität studieren.

Bei der Untersuchung der Zufriedenheit zeigte sich, dass Freelancer im Hinblick auf die Balance zwischen Berufs- und Privatleben, ihrer allgemeinen Lebenssituation und der Auftragslage weniger zufrieden sind als Festangestellte. Dagegen sehen die Freien ihre Berufswahl, ihren beruflichen Werdegang und die Entlohnung in einem etwas positiveren Licht als die Festen. Signifikant sind die Unterschiede bei den Faktoren Form und Inhalte der Tätigkeiten: Sie erreichen bei den Freelancern Spitzenwerte, während die Festangestellten hier die geringste Zufriedenheit feststellen.

Hinsichtlich der Motivationsaspekte sind lediglich die immer wieder neue Aufgaben für die Festangestellten noch wichtiger als für die Freiberufler. Einen hohen Stellenwert haben für beide Gruppen, insbesondere für die Freien, eigenverantwortliches/unabhängiges/kreatives Arbeiten, die eigene Zeiteinteilung und die Tätigkeit selbst. Status, Anerkennung und Einkommen/Umsatz fallen dagegen ab.


Worin sehen die beiden Gruppen ihren subjektiven Berufserfolg? Freelancer können sich Aufträge aussuchen, aber auch ablehnen. Festangestellte betonen, dass ihr fachlichen Stärken zum Einsatz kommen das macht sie zudem auch zufrieden. Freelancer empfinden dagegen Zufriedenheit, weil sie ihre Arbeitsziele konsequent verfolgen, die Dinge in die eigenen Hände nehmen und die Qualität ihrer Arbeit verbessern können.

Die Ergebnisse der beiden Studien
Freelancer sind insgesamt zufriedener als vermutet
sie bringen im Vergleich zu Festangestellten unterschiedliche Dispositionen und Zielvor
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