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Das Projekt "ENABLE-AGE"

15.08.2003 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Deutschlandweit erstmals großangelegtes empirisches Forschungsprojekt
zum selbständigen Wohnen im sehr hohen Alter am Deutschen Zentrum für
Alternsforschung

Projektbeschreibung:
Die Abteilung für Soziale und Ökologische Gerontologie des Deutschen Zentrums für Alternsforschung an der Universität Heidelberg (DZFA) startete Anfang 2002 das europaweite Forschungsprojekt ENABLE-AGE ("Enabling Autonomy, Participation and Well-Being in Old Age: The Home Environment as a Determinant for Healthy Ageing"). Ziel des insgesamt dreijährigen Projektes ist herauszufinden, welche Bedeutung die Wohnsituation für eine selbständige Lebensführung, Wohlbefinden und die gesellschaftliche Teilhabe hochaltriger Menschen zwischen 80 und 90 Jahren hat. Neu ist daran vor allem, dass bislang zwar immer wieder Personmerkmale von Hochaltrigen (z.B. Krankheiten), zu wenig aber Umweltmerkmale mit Bedeutung für gutes Altern untersucht worden sind.

Aktueller Stand:
Im Zeitraum September 2002 bis April 2003 wurden 450 zufällig aus den Melderegistern ausgewählte alleinlebende Frauen und Männer im Alter von 80-90 Jahren in Heidelberg und Mannheim zu Hause besucht und zu ihrer Wohn- und Lebenssituation befragt. Europaweit beteiligten sich an diesem Forschungsprojekt insgesamt knapp zweitausend alleinlebende Frauen und Männer in Privathaushalten. Gegenwärtig laufen die Vorbereitungen für die erneute Befragung der bereits untersuchten Hochbetagten ein Jahr später.

Erste Ergebnisse:
* Einer der wichtigsten Wünsche von Hochbetagten ist es, zu Hause wohnen zu bleiben: Trotz unterschiedlichster Lebens- und Wohnsituationen wäre für sie ein Umzug ein kaum vorstellbarer Umbruch in ihrem Leben. Immerhin leben sie durchschnittlich seit über 30 Jahren in der gleichen Wohnung und seit über 50 Jahre in der gleichen Stadt. Knapp 70% der von uns besuchten Älteren wohnen zur Miete, 30% sind Wohneigentümer. Während über 80% die Freizeit teilweise außerhalb der Wohnung verbringen, 23% dabei auch einen PKW nutzen, können 15% die eigene Wohnung nicht mehr verlassen. Unter den Autonutzern sind überproportional häufig Männer zwischen 80 und 84 Jahren, unter jenen, die nicht mehr aus dem Haus gehen, besonders häufig Frauen zwischen 85 und 90 Jahren.
* Hohes Engagement der Familie: Fast 90% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich auf die Hilfe und Unterstützung von mindestens einer Person, zumeist Familienangehörige, verlassen. Umgekehrt heißt dies aber auch, dass immerhin 10% ganz auf sich gestellt sind.
* Möglichkeiten der Wohnraumanpassung bei weitem nicht ausgeschöpft: Neben zuverlässiger Hilfe und Unterstützung kann auch die Beseitigung von Barrieren in und um die Wohnung, wie z.B. der Einbau einer bodengleichen Dusche, ein selbständiges Leben im hohem Alter wesentlich erleichtern. Hier zeigen die ersten Ergebnisse einen hohen Informationsbedarf. Nur knapp 22% hatten schon einmal von Wohnraumanpassungsmaßnahmen und ihren Finanzierungsmöglichkeiten, z.B. über die Pflegeversicherung gehört. Weniger als 9% haben ihre Wohnung umgebaut. Allerdings verfügen immerhin etwa 14% der von uns besuchten Älteren über ein Hausnotrufsystem in ihrer Wohnung.
* Über 85jährige haben weniger Barrieren im Wohnbereich als unter 85jährige Befragte: Insgesamt wurden von uns in jedem Haushalt 188 mögliche Wohnbarrieren innerhalb und außerhalb der Wohnung untersucht. Interessanterweise fanden sich bei der älteren Teilnehmergruppe der 85-90jährigen tendenziell weniger Barrieren innerhalb der Wohnung als bei der jüngeren Gruppe der 80-85jährigen. Eine Erklärung hierfür könnte darin liegen, dass die jüngeren Befragten einfach noch mehr Möglichkeiten haben, mit Wohnbarrieren umzugehen, während die ältere Gruppe bereits in stärkerem Maße die Wohnung ihren Bedürfnissen entsprechend - eigenständig oder mit Hilfe - verändert hat. Außerhalb der eigenen vier Wände und im Eingangsbereich der Wohnung unterscheidet sich die Zahl der Barrieren nicht in den beiden Altersgruppen. Insbesondere Eigentümer, Personen mit vergleichsweise vielen finanziellen Ressourcen, mit großen Wohnungen und Personen, die schon lange in ihrer Wohnung leben, haben deutlich mehr Barrieren. Wenig finanzielle Mittel zu haben muss also nicht bedeuten, in einer barrierebehafteten Umwelt zu leben, und gute ökonomische Ausstattung kann mit vielen Umweltbarrieren einher gehen.
* Wer trägt die Verantwortung für das eigenen Wohnen? Wenn man der Überzeugung ist, selbst verantwortlich für etwas zu sein, so sprechen wir von "Internaler Kontrollüberzeugung". Wenn man andere Personen, das Schicksal, Glück oder gar den Zufall verantwortlich macht, so sprechen wir von "Externaler Kontrollüberzeugung". Im Bereich des Wohnens haben die von uns besuchten 85-90jährigen eine höhere Externale Kontrollüberzeugung als die 80-84jährigen, das heißt die über 85jährigen schreiben die Verantwortung für das eigenen Wohnen häufiger anderen Personen oder dem Zufall zu, als unter 85jährige. Es existieren aber in beiden Altersgruppen auch große Unterschiede zwischen den Personen, und wir nehmen an, dass diese Überzeugungen eine wichtige Rolle für eigene Zukunfts- und Wohnentscheidungen spielen: Antworten hierauf werden nach Auswertung des zweiten Erhebungszeitpunkts möglich sein.

Das DZFA möchte die Projektergebnisse sowohl wissenschaftlich als auch praktisch nutzen. Zum Projektabschluss werden u.a. Empfehlungen für Entscheidungsträger in der kommunalen, nationalen und europäischen Politik, Wohlfahrtsverbände, verschiedene Berufsgruppen wie Architekten und Stadtplaner entwickelt.

Aktuelle Informationen zum Projekt finden Sie unter:
http://www.dzfa.de/ oder unter: http://www.enableage.arb.lu.se

Ihre Ansprechpartner am Deutschen Zentrum für Alternsforschung an der Universität Heidelberg:

Dr. Frank Oswald, Prof. Dr. Hans-Werner Wahl,

Dr. Heidrun Mollenkopf (Projektleitung)

Abteilung für Soziale und Ökologische Gerontologie
Bergheimer Straße 20, 69115 Heidelberg

Tel.: 0 62 21 - 54 81 14, Fax: 0 62 21 - 54 81 12

E-Mail: oswald@dzfa.uni-heidelberg.de

Dipl.-Soz. Dörte Naumann
(Projektmanagement)

Abteilung für Soziale und Ökologische Gerontologie
Bergheimer Straße 20, 69115 Heidelberg

Tel.: 0 62 21 - 54 81 53, Fax: 0 62 21 - 54 81 12

E-Mail: naumann@dzfa.uni-heidelberg.de
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