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Studie: Trainer-Entlassungen sind Spätfolge der WM-Abstellungen

22.03.2011 - (idw) Technische Universität München

Die gegenwärtige Welle von Trainerentlassungen in der Fußballbundesliga könnte eine Spätfolge der WM-Abstellungen für Südafrika sein. Darauf weist eine Untersuchung der Technischen Universität München hin. Die Fußballforscher fanden heraus, dass die Teams der gefeuerten Trainer im Durchschnitt 6,0 WM-Abstellungen leisten mussten, während die Teams, die ihren Trainern weiter vertrauen, im Durchschnitt nur auf 1,9 Spieler kommen, die an der WM teilgenommen haben. Im Rahmen einer Studie wurde am Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der TU München (Prof. Martin Lames, Otto Kolbinger) der statistische Zusammenhang zwischen WM-Abstellungen und dem Saisonstart in den europäischen Erstligen untersucht. Dabei fiel an der Bundesliga auf, dass sich im Gegensatz zu den anderen Ligen die gewohnte Hackordnung zwischen den großen und kleinen Vereinen bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht eingestellt hat.

Weiter stellt die Studie fest, dass die deutschen Vereine in sehr unterschiedlichem Ausmaß Spieler abgestellt haben. Führend ist der FC Bayern München (13 Abstellungen), gefolgt von Wolfsburg (9), Hamburg (8), Stuttgart (6) und Schalke (6), alles Mannschaften, die sich von ihren Trainern getrennt haben. Am Ende dieser Bundesliga-Tabelle stehen Kaiserslautern und St. Pauli (0), gefolgt von Freiburg und Mainz (1) sowie Dortmund und Nürnberg (2). Diese haben ausnahmslos ihre Trainer nicht entlassen und gehören sogar zu den Überraschungsmannschaften der Saison.

Ein statistischer Test bestätigte den Eindruck: Der Unterschied in der Anzahl der WM-Abstellungen zwischen Klubs, die ihren Trainer wegen nicht erfüllter Leistungsziele gefeuert haben, und denjenigen, die dies nicht getan haben, ist statistisch hoch signifikant erläutert der Sportwissenschaftler Prof. Martin Lames, schränkt aber ein: Dies bedeutet nicht, dass die WM-Abstellungen als Ursache, vor allem nicht als alleinige Ursache der Entlassungen zu sehen sind, sondern lediglich, dass der Zusammenhang besteht und sich mit wissenschaftlichem Methoden nachweisen lässt.

Der Münchener Sportwissenschaftler weist auf eine Indizienkette hin, die ihren Ausgang in der viel zu engen Terminplanung für die Übergangsperiode im letzten Sommer nimmt. Während sich ein normaler Profi ohne WM-Abstellung sechs bis acht Wochen lang erholen und dann gründlich sieben bis neun Wochen vorbereitete, sah der Saisonübergang für einen abgestellten Profi von Bayern München so aus: Champions-League Finale, zwei Wochen WM-Vorbereitung, vier Wochen WM, sechs Wochen Erholung und Saisonvorbereitung, Bundesligastart. Dies führte zu den durchweg schlechten Saisonstarts der besonders betroffenen Vereine.

Ausbleibende Erfolge entwickeln im Profifußball eine Eigendynamik, wodurch die Rückstände auch wegen der vergleichsweise geringen Leistungsunterschiede in der Bundesliga im gesamten Saisonverlauf nie vollständig kompensiert werden konnten. Als dann die Saisonziele außer Reichweite gerieten und teilweise sogar Abstiegsgefahr drohte, wurde als letzte Lösung zu Entlassungen gegriffen.

Martin Lames folgert aus diesen Befunden: Man muss sowohl über eine angemessenere Entschädigung für die abstellenden Vereine nachdenken als auch über eine weniger belastende Terminplanung für die Nationalspieler. Dies ist umso dringender, als die Konkurrenzfähigkeit eines Spitzenklubs heutzutage durch eine einzige Saison mit sportlichem Totalschaden nachhaltig gefährdet werden kann.


Quelle:
Lames, M. & Kolbinger, O. (subm.). German Bundesliga Clubs suffer from player releases to World Championships 2010. Journal of Performance Analysis in Sport.

Kontakt:
Prof. Martin Lames
Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik
der Technischen Universität München
Tel. 089 289 24495
martin.lames@tum.de
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