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Umfrage: Soziale Marktwirtschaft 2020

07.04.2011 - (idw) Bertelsmann Stiftung

Deutsche glauben an wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, sehen aber den sozialen Zusammenhalt in Gefahr Etwas mehr als 70 Prozent der Bundesbürger sehen die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland derzeit verwirklicht. Das zeigt eine repräsentative Infas-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Dabei wurden die Bürger auch gebeten, die Leistungsfähigkeit unseres Wirtschafts- und Sozialmodells mit Blick auf das Jahr 2020 zu beurteilen. Hier zeigt sich ein differenziertes Bild: Positiv wird die wirtschaftliche Entwicklung bewertet. Skeptisch blicken die Deutschen auf den sozialen Zusammenhalt und die Entwicklung der sozialen Sicherungssysteme.

Bei den Zukunftserwartungen dominiert vor allem das Zutrauen in die Wirtschaftskraft deutscher Unternehmen: 44 Prozent geben an, in zehn Jahren sei es um deren internationale Wettbewerbsfähigkeit besser bestellt als heute; lediglich 19 Prozent glauben das nicht. 38 Prozent erwarten zudem ein stärkeres Wirtschaftswachstum. Trotz der oft betonten Defizite im deutschen Bildungssystem glauben 41 Prozent an eine größere Leistungsfähigkeit der Schüler im internationalen Vergleich im Jahr 2020; nur 18 Prozent denken, das Leistungsniveau werde sinken.

Negative Zukunftserwartungen haben die Deutschen im Hinblick auf den sozialen Zusammenhalt. So glauben 63 Prozent der Befragten, dass die Einkommensunterschiede größer werden; nur 16 Prozent sehen eine positive Entwicklung in diesem Bereich. 51 Prozent geben an, der soziale Zusammenhalt werde schwächer. 42 Prozent erwarten, dass die individuellen Aufstiegschancen schlechter werden.

Auf die Frage, wer sich nach Ansicht der Befragten um die soziale Sicherheit kümmern solle, sehen die Bürger zunächst den Staat in der Pflicht (93 Prozent). Eine überraschend große Mehrheit von 92 Prozent gibt an, dass sich auch jeder Einzelne einbringen müsse. Eine wichtige Rolle bei der sozialen Sicherheit weisen die Deutschen den Arbeitgebern und den Familien (jeweils 85 Prozent) zu. Die Gewerkschaften (63 Prozent) sowie die Kirchen und Wohlfahrtsverbände (46 Prozent) sollen nach Angaben der Befragten diese Rolle nur bedingt ausfüllen.

Bei der Steuer- und Abgabenlast erwartet die Mehrheit der Deutschen (78 Prozent) im Jahr 2020 ein deutlich höheres Niveau. Gleichzeitig erwarten die Befragten bei den sozialen Sicherungssystemen tendenziell geringere Leistungsniveaus. 63 Prozent der Bürger glauben, dass die gesetzliche Rentenversicherung niedriger ausfallen wird. Auch bei der gesetzlichen Krankenversicherung (61 Prozent) und der Pflegeversicherung (50 Prozent) rechnen die Deutschen mit einem geringeren Niveau.

"Die Bürger in Deutschland haben eine sehr realistische Sicht auf die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland", sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Gunter Thielen bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. "Bei aller Freude über das große Zutrauen in die Wirtschaftskraft unseres Landes müssen wir erhebliche Anstrengungen unternehmen, dass der soziale Zusammenhalt nicht verloren geht. Gute Bildungschancen für alle sind der Schlüssel, um die soziale Mobilität in der Gesellschaft zu fördern und so das Vertrauen in unsere soziale Marktwirtschaft nachhaltig zu stärken."


Die repräsentative Infas-Umfrage unter 1.000 Personen ab 18 Jahren wurde in der Zeit vom 2. bis 27. März 2011 durchgeführt.

Rückfragen an: Andreas Henke, Telefon: 0 52 41 / 81 81 129;
E-Mail: andreas.henke@bertelsmann-stiftung.de

Dr. Thieß Petersen, Telefon: 0 52 41 / 81- 81 218;
E-Mail: thiess.petersen@bertelsmann-stiftung.de Weitere Informationen: http://www.bertelsmann-stiftung.de.
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