Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 18. Mai 2013 

Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt begrüßt neue Fellows

17.04.2011 - (idw) Universität Erfurt

Das Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt hat jetzt mit Prof. Dr. Johann Arnason, Prof. Dr. Michael Moxter, Prof. Dr. Thomas M. Schmidt und Prof. Dr. Rainer Wiegels vier Wissenschaftler begrüßt, die sich im Sommersemester 2011 im Rahmen ihrer Fellowships interdisziplinären Forschungsvorhaben widmen und unter anderem in der Kolleg-Forschergruppe Religiöse Individualisierung in historischer Perspektive mitwirken werden. Der gebürtige Isländer und Alexander-von-Humboldt-Preisträger Johann Arnason ist Professor Emeritus an der La Trobe University in Australien und einer der weltweit führenden Repräsentanten der historischen Soziologie. Er war bereits an zahlreichen Institutes for Advanced Study tätig, u. a. in Leipzig, Paris, Uppsala, Essen und Prag. Für die Verwendung seines Alexander-von-Humboldt-Forschungspreises hat er sich u. a. das Max-Weber-Kolleg ausgesucht - eine große Ehre für die Erfurter Institution. Hier wird er an einem Beitrag für den fünften Band der neuen Cambridge History of the World arbeiten, der den Zeitraum von ca. 500 bis 1500 n.Chr. behandelt. Es handelt sich um einen komparativ angelegten Aufsatz über Staatsbildungsprozesse und Imperien. Außerdem gibt er zusammen mit Sverre Bagge (Centre for Medieval Studies, Bergen) und Björn Wittrock (Swedish Collegium for Advanced Study, Uppsala) einen Sammelband mit dem Arbeitstitel The Formation of the Great Civilizations heraus und wird Vorarbeiten zu diesem Werk in Erfurt vornehmen.

Michael Moxter, Professor für Systematische Theologie (evangelisch) mit dem Schwerpunkt Dogmatik an der Universität Hamburg, wird im Sommersemester an einer Studie zum Thema Protestantische Rehabilitierung des Rechtspositivismus? arbeiten. Ausgangspunkt für das Projekt einer Kulturtheologie des Rechts sind die häufig übersehenen Beziehungen zwischen Gustav Radbruch und Paul Tillich, an denen deutlich wird, wie die begründungstheoretische Alternative von Natur- (bzw. Vernunft-)recht und Positivismus zugunsten eines reflektierten, d.h. selbstkritischen Verhältnisses zum gesetzten Recht überstiegen werden kann. Im Spiegel der Rechtstheorien der Weimarer Republik und ihrer zeitgenössischen Theologien soll rekonstruiert werden, welche Transformationen der Religion sich im Horizont modernen Rechts ergeben und wie sie systematisch-theologisch gedeutet wurden. Gegenüber einem in der Regel ethisch dominierten Rechtsverständnis protestantischer Theologie sollen kulturtheoretische und phänomenologische Perspektiven zur Geltung gebracht werden.

Der Philosoph und katholische Theologe Thomas M. Schmidt von der Goethe-Universität Frankfurt/Main wird sich ein Jahr am Max-Weber-Kolleg mit dem Projekt Subjektive Glaubensgewissheit und intersubjektive Rechtfertigung. Zum normativen und epistemischen Status religiöser Überzeugungen unter postsäkularen Bedingungen beschäftigen. Das Forschungsvorhaben geht von der Annahme aus, dass die Frage nach dem Status religiöser Überzeugungen in modernen pluralistischen Gesellschaften eine erkenntnistheoretische Dimension besitzt: Im Kern geht es darum, wie sich subjektive Glaubensgewissheit mit intersubjektiven Verfahren der epistemischen Rechtfertigung und der Normenbegründung in Einklang bringen lässt. Eine vollständige Antwort auf diese Frage lässt sich aber auf dem Gebiet der theoretischen Philosophie allein nicht formulieren. Bereits innerhalb der Philosophie verschränken sich angesichts der Frage nach dem Verhältnis von individueller Glaubensgewissheit und intersubjektiver Rechtfertigung die Perspektiven der Erkenntnis und Rationalitätstheorie mit denen der politischen Philosophie und der Religionsphilosophie. Zudem verbinden sich in diesem Problemfeld philosophische Fragen grundsätzlich mit sozialwissenschaftlichen, historischen und theologischen Debatten über die angemessene Rolle von Religion in der sogenannten postsäkularen Gesellschaft. Die besondere Pointe dieses Projekts liegt also darin, die Frage nach dem Verhältnis von Glaubensgewissheit und Rechtfertigung nicht nur als ein philosophisches Problem zu betrachten, sondern als eine interdisziplinäre Frage, die im Verbund mit politischer Theorie, Gesellschaftswissenschaften und Theologie bearbeitet werden muss.

Dem Forschungsvorhaben Der Einzelne, die Gemeinschaft und der Tod im antiken Griechenland wird sich der emeritierte Professor für Alte Geschichte von der Universität Osnabrück, Rainer Wiegels, widmen: So selbstverständlich es ist, dass der Tod eine im engeren Sinne anthropologische Dimension aufweist, d.h. mit der menschlichen Existenz als solcher über alle Zeiten hinweg unlöslich verbunden ist, so unbestreitbar ist auch seine historische Dimension. Unabhängig von der Feststellung, dass sich die Einstellungen zum Tod besonders in frühen Epochen nur langsam veränderten und neue Orientierungen zwischen Phasen einer lang andauernden Konstanz des Bestehenden kaum oder nur unvollständig wahrgenommen wurden, weist der Umgang mit ihm neben allgemeinmenschlichen auch individuelle und gemeinschaftlich-zeitliche Aspekte auf. Der Umgang der Menschen während ihres Lebens mit Sterben und Tod sei es in Bezug auf die eigene Person, sei es in Bezug auf Dritte vermag wesentliche Aufschlüsse über Denkstrukturen und Gefühlslagen, über Mentalitäten und Lebensorientierungen des Einzelnen im Rahmen der ihn betreffenden Gemeinschaften zu vermitteln. Aber auch Gemeinschaften in ihrer kollektiven Struktur gehen auf eigene Weisen mit dem Phänomen des Ablebens ihrer Mitglieder um. Im Zentrum des hier anvisierten Forschungsvorhabens steht die Frage, welche Aufschlüsse uns der Umgang der Griechen mit dem Tod in archaischer und klassischer Zeit über den Einzelnen und seine Bezüge zur Gesellschaft mit ihren verschiedenen gemeinschaftlichen Formen und zum Staat liefert.

Außerdem freut sich das Max-Weber-Kolleg im Sommersemester im Rahmen der Kolleg-Forschergruppe über die Anwesenheit mehrerer Gastwissenschaftler: Prof. Dr. John Scheid, Directeur d'études an der École pratique des hautes études Paris und Professor am College de France, weilte für zwei Wochen am Max-Weber-Kolleg und hielt im März einen Vortrag zum Thema Civitas-Religion and the Individual. Prof. Dr. Greg Woolf von der University of St. Andrews (Schottland) ist bereits zum zweiten Mal Gast am Max-Weber-Kolleg und hielt im April einen Vortrag zum Thema Festival Culture and Monumentality in the Roman World. The Case of Amphitheatres Reconsidered. Im Juni kommt zudem Prof. Dr. Tessa Rajak von der University of Reading (UK), die ihr Forschungsprojekt zum Thema Untersuchung des Märtyrertums anhand des Vierten Buches der Makkabäer am Max-Weber-Kolleg weiterverfolgen wird.

Nähere Informationen / Kontakt:
Dr. Bettina Hollstein
Tel.: 0361/737-2802
E-Mail: bettina.hollstein@uni-erfurt.de Weitere Informationen: http://www.uni-erfurt.de/max-weber-kolleg

uniprotokolle > Nachrichten > Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt begrüßt neue Fellows
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/215256/">Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt begrüßt neue Fellows </a>