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Die Passion des Künstlers - Ein Buch zur Kreativität und Krise im Film

26.04.2011 - (idw) Ludwig-Maximilians-Universität München

Zwischen Leiden und Leidenschaft, zwischen Krise und Kreativität: Filme haben die Legende des leidenden Künstlers vielfach variiert. Das Buch Die Passion des Künstlers. Kreativität und Krise im Film erkundet die Triebkräfte künstlerischer Produktion, wie sie im Film dargestellt und reflektiert werden. Den dreizehn Beiträgen, die die Kunstwissenschaftler Professor Christopher Balme, Professor Fabienne Liptay und Dr. Miriam Drewes von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München zusammengestellt haben, ist bei der Vielfalt der Gegenstände und Zugänge ein Anliegen gemein: Sie überprüfen die eher traditionellen Künstlermythen aus aktueller Forschungsperspektive, um zu einer differenzierten Ansicht über die Passion des Künstlers und die Entstehung von Kunst zu gelangen.

Der Band repräsentiert ein breites Spektrum an künstlerischen Produktionsfeldern, das Maler, Musiker und Schriftsteller ebenso wie Filmemacher und andere Künstlertypen umfasst. Professor Fabienne Liptay etwa liest in ihrem Beitrag den Film Edvard Munch von Peter Watkins als Palimpsest, bei dem sich die Visionen des Filmemachers und des Malers überlagern. Abseits einer chronologischen Erzählung fächert eine hochkomplexe Montage das Künstlerbild in vielfältigen Facetten auf, sodass ein ambivalentes Bild der Künstlerpassion entsteht.

Die LMU-Theaterwissenschaftlerin Dr. Nathalie Weidenfeld erörtert am Beispiel von Lars von Triers Film Antichrist, wie der Regisseur mit seiner männlichen Hauptfigur schlicht als He beschrieben eine Initiation zum Künstler nachzeichnet. Die exzessive Gewaltdarstellung, die den Film nahezu durchweg beherrscht, vermittelt eine Form ästhetischer Erfahrung im Sinne der Entgrenzung eines moralfreien Raumes. Wenn der Antichrist zum Modell des Künstlers erhoben wird, ist der Mythos der Passion gleichsam an ein Ende gelangt.

Der LMU-Musikwissenschaftler Professor Lorenz Welker zeigt schließlich, dass es Bernard Rose in seinem Film Immortal Beloved (auf deutsch Ludwig van B. Meine unsterbliche Geliebte) weniger darum geht, eine Künstlerbiografie umzusetzen, als darum, eine Pathografie zu zeichnen. In einer fast überzogenen Symptomatik präsentiert der Film das aufgewühlte Seelenleben Beethovens. Genie und Wahnsinn erscheinen dabei als die vorherrschenden Stereotypen, um das Leiden des Künstlers im Film dazulegen. Welker ist zudem einer der Herausgeber des kürzlich erschienenen Bandes Ieglicher sang sein eigen ticht mit germanistischen und musikwissenschaftlichen Beiträgen zum deutschen Lied im Mittelalter. (suwe)

Publikationen:
Die Passion des Künstlers. Kreativität und Krise im Film
Christopher Balme, Fabienne Liptay, Miriam Drewes (Hrsg.)
Edition Text und Kritik, Februar 2011
ISBN: 978-3869160894

Ieglicher sang sein eigen ticht
Christoph März, Lorenz Welker, Nicola Zotz (Hrsg).
Reichert Verlag, 2011
ISBN: 978-3895003608
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