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Studenten und Dozenten holen einflussreichsten Autor der Goethe-Zeit aus der Versenkung

19.05.2011 - (idw) Universität des Saarlandes

Lexikon zu August von Kotzebues Dramen veröffentlicht

Er war der produktivste, einflussreichste und meistgespielte Autor der Goethe-Zeit, trotzdem ist er in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt: August von Kotzebue (1761 1819). 227 gedruckte Stücke sind von ihm dokumentiert, sie wurden auch im Ausland übersetzt und aufgeführt, beispielsweise in den USA. Germanisten der Universität des Saarlandes und der Universität Hannover haben jetzt ein Lexikon zu Kotzebues Dramen veröffentlicht. Das besondere dabei: Gut ein Viertel der Texte stammt von Studenten. An einem Buch mitschreiben und eigenständig forschen, das konnten die Studenten des Hauptseminars Kotzebue und das Drama der Goethe-Zeit der Germanistik-Dozenten Johannes Birgfeld und Julia Bohnengel. Ziel des Seminars im vergangenen Wintersemester war es, ein Buch vorzubereiten und daran mitzuschreiben, in dem alle 227 Dramen des Autors August von Kotzebue vorgestellt werden. In Zusammenarbeit mit Professor Alexander Koenina und seinen Studenten der Universität Hannover sowie durch die Beiträge von etwa 30 international renommierten Forschern entstand so das Buch Kotzebues Dramen. Ein Lexikon, das jetzt erschienen und im Buchhandel erhältlich ist.

Normalerweise wird uns im Studium Forschung nur präsentiert, jetzt konnten wir aktiv an einem Projekt mitarbeiten, dessen Ergebnis man am Schluss in Form des gedruckten Buches auch sieht, sagen Hannah Steurer und Melanie Horn. Die Germanistik-Studentinnen haben gemeinsam mit 16 Kommilitonen der Saar-Uni und weiteren sechs Studenten der Uni Hannover Beiträge für das Lexikon geschrieben. Die Arbeit an dem Werk war ganz anders als beispielsweise eine Hausarbeit zu schreiben, denn es gab oft gar keine Sekundärliteratur zu den Dramen, sagt Hannah Steurer. Jeder Student übernahm zwei Dramen, las sie und recherchierte anschließend die wichtigsten Fakten wie etwa Datum der Uraufführung und Rezensionen aus der damaligen Zeit. Dabei hatten die Studenten aus Saarbrücken und Hannover im Rahmen einer gemeinsamen Exkursion nach Wolfenbüttel auch die Gelegenheit, mit Erstausgaben der Werke Kotzebues zu arbeiten, die in der dortigen Bibliothek gesammelt sind. Nach ihrer Recherche verfassten die Studenten kurze und präzise Artikel über die jeweiligen Dramen. Sie beinhalten unter anderem Erscheinungsdatum, Handlung, Thema, Aufführungen, Rezeptionszeugnisse und Forschungsbeiträge zu den jeweiligen Stücken. Während ihrer Entstehung wurden die Texte mehrfach diskutiert und redigiert. Am Ende vereinheitlichten die Dozenten in redaktioneller Arbeit alle Artikel für das Lexikon. Die Studenten haben eine herausragende Leistung erbracht. Ihre Texte sind so gut geworden, dass sie neben den Artikeln von Professoren stehen können, meint Johannes Birgfeld.

Das Lexikon, das mit Bildern aus Originalausgaben illustriert ist, enthält erstmals Kotzebues umfangreiche dramatische Produktion vom 1782 entstandenen Trauerspiel Demetrius bis hin zum 1819 erschienenen Stück Die Selbstmörder. In seinen Dramen geht Kotzebue auf alle wichtigen Themen der Epoche ein wie beispielsweise Ehe, Bourgeoisie, Sklaverei und Religion. Kotzebues Stücke kamen beim Publikum seiner Zeit gut an. Er musste sich oft den Vorwurf der Fließband-Produktion gefallen lassen. Mit dem Lexikon beweisen wir auch, dass Kotzebue kein Groschenroman-Autor war, sondern sich ernsthaft mit den Themen seiner Zeit beschäftigt hat, fasst Johannes Birgfeld zusammen.


Bibliographische Angaben: Kotzebues Dramen. Ein Lexikon, Hrsg. Johannes Birgfeld, Julia Bohnengel, Alexander Koenina. Hannover: Wehrhahn Verlag 2001. ISBN 978-3-86525-227-2. 38 Euro.

Kontakt:
Dr. Johannes Birgfeld
Tel.: 0681/302-57434
E-Mail: j.birgfeld@mx.uni-saarland.de
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