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Neue Technik für alte Schriften

31.05.2011 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach und die Uni Würzburg arbeiten ab sofort zusammen. Wissenschaftler beider Institutionen wollen in Zukunft gemeinsame Forschungsprojekte entwickeln. Studierende erhalten Materialien aus dem Archiv, das sie wissenschaftlich erschließen und publizieren können. Ein Projektseminar für Studierende, gemeinsame wissenschaftliche Forschungsvorhaben, gegenseitige Hilfe in Fragen der Digital Humanities und des digitalen Archivs: Das sind die Kernpunkte einer neuen Kooperationsvereinbarung, die das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) und die Universität Würzburg unterzeichnet haben.

Digital Humanities also digitale Geisteswissenschaften meint: Geistes- und Kulturwissenschaftler nutzen computergestützte Verfahren für ihre Arbeit. So ist beispielsweise in aller Kürze gesagt der Computerphilologe damit beschäftigt, digitale Editionen so zu gestalten, dass sie im Internet publiziert werden und deren Vorzüge, etwa dynamische Präsentation und schnelle Recherche, dabei genutzt werden können. Oder er nutzt umfangreiche Textsammlungen, um die Geschichte und Verbreitung bestimmter Wörter oder Phrasen und damit von Ideen oder Motiven zu verfolgen.

Vertreter dieser Fachrichtung in Würzburg ist Professor Fotis Jannidis, Inhaber des Lehrstuhls für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte. Jannidis ist auch verantwortlich für die Zusammenarbeit mit dem DLA, die von seinen Kollegen aus dem Institut für Deutsche Philologie, den Professoren Wolfgang Riedel und Helmut Pfotenhauer, initiiert wurde.

Ein Projektseminar für Studierende

Studierende des Studiengangs Digital Humanities erhalten ab dem kommenden Wintersemester die Möglichkeit, in der Praxis die digitalen Kompetenzen anzuwenden, die sie sich im Laufe ihres Studiums angeeignet haben, sagt Jannidis. So könnten Studierende beispielsweise den Brief eines Schriftstellers aus dem 18. Jahrhundert, der schon seit vielen Jahren im Marbacher Archiv schlummert, digitalisieren, mit Metadaten versehen und erschließen.

Wenn also in dem Brief der Name eines Dritten auftaucht, wird der verlinkt zu einer Datenbank, in der die Biographie zu finden ist. Anspielungen auf zeitgenössische Ereignisse, die heute nicht mehr so ohne Weiteres zu verstehen sind, erhalten die notwendigen Erläuterungen; Wörter, die nicht mehr verwendet werden, eine Erklärung.

Am Ende des Semesters bietet das DLA an, gelungene Arbeiten in einer digitalen Reihe, die von Marbach gehostet wird zu publizieren. Die Studierenden bekommen damit die Möglichkeit, reale Projekte zu bearbeiten und gleichzeitig Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen, beschreibt Jannidis die Vorteile der Zusammenarbeit.

Wissenschaftler kooperieren

Und was die Wissenschaftler aus Marbach und aus Würzburg betrifft: Die wollen in Zukunft auf regelmäßigen Treffen aktuelle Forschungsergebnisse präsentieren, neue Projektmöglichkeiten diskutieren und diese im Idealfall anschließend gemeinsam entwickeln und beantragen.

Ein erstes Projekt dieser Art steht für den kommenden Herbst fest: Dann wird die Text Encoding Initiative in Würzburg ihre Jahrestagung abhalten. Diese Initiative ist eine internationale Vereinigung von Geisteswissenschaftlern, die Empfehlungen für die langfristige Speicherung von digitalen Texten entwickelt hat und auch weiterhin pflegt. Sie hat damit ein Dokumentenformat zur Kodierung und zum Austausch von Texten entwickelt, das heute Standard innerhalb der Geisteswissenschaften ist.

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) ist eine der bedeutendsten Literaturinstitutionen weltweit. Es beherbergt die Nachlässe bedeutender Schriftsteller und Gelehrter sowie die Archive von Institutionen, beispielsweise das Verlagsarchiv der Cotta'schen Buchhandlung. In Marbach befindet sich die größte deutsche Quellen- und Forschungsbibliothek für die deutschsprachige Literatur und die Literaturwissenschaft von der Aufklärungszeit bis in die Gegenwart. Eine Kunstsammlung ist ebenfalls Teil des Archivs; sie umfasst unter anderem eine einzigartige Porträtgalerie zur deutschen Literatur und Geistesgeschichte. Das DLA versteht sich als Zentrum zur Sammlung und Erschließung der deutschen Literatur seit der Aufklärungszeit.


Kontakt:

Prof. Dr. Fotis Jannidis, T: (0931) 31-80078, fotis.jannidis@uni-wuerzburg.de
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