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Frankfurter Poetik. Der Neubeginn im 52. Jahr

01.06.2011 - (idw) Goethe-Universität Frankfurt am Main

Das Experiment von Frankfurt. Ingeborg Bachmann liest Poetik in der Universität, so titelt die FAZ vom 27. November 1959 anlässlich der ersten Frankfurter Gastdozentur für Poetik, der ersten ihrer Art in der Bundesrepublik. Was damals die Öffentlichkeit überraschte, gehört seit Jahrzehnten zu den Konstanten unserer Kulturlandschaft. Heute überrascht ein Konsortium, das sich zur Fortsetzung dieser großen Tradition bildet: Beteiligt sind der Suhrkamp Verlag und die beiden Frankfurter Verlagshäuser S. Fischer und Schöffling & Co. Der S. Fischer Verlag war 1959 Gründungspartner der Dozentur, er finanzierte sie bis 1963 und beteiligt sich ab 2011 erneut. Der Suhrkamp Verlag prägte über Jahrzehnte die Poetik-Dozentur und pflegt auch nach dem Umzug nach Berlin sein Frankfurter Erbe mit finanzieller Beteiligung. Mit Schöffling & Co trägt zur Finanzierung und Programmgestaltung neben den beiden großen Traditionshäusern einer der letzten unabhängigen Verlage bei, dessen Verleger Klaus Schöffling auch mit Frankfurt liest ein Buch der Vermittlung von Literatur einen ungeahnten Schub gegeben hat. Die Goethe-Universität setzt mit der Einbindung von drei der bedeutendsten deutschsprachigen Verlagen unter dem Dach der Frankfurter Poetik-Vorlesungen das Signal für die Zukunft dieser einzigartigen Institution, sagt Prof. Werner Müller-Esterl, Präsident der Goethe-Universität, über den Geist dieser Kooperation.

Die bislang 65 Frankfurter Vorlesungszyklen der deutschsprachigen Gegenwartsautoren von Rang summieren sich zum einzigartigen Kanon literarischer Reflexion von Literatur. Mit der Neukonstitution wird nicht nur die bundesweite Ausstrahlung der renommiertesten Poetik-Dozentur verstärkt. Auch die Beziehung zwischen der Goethe-Universität und der Literaturstadt Frankfurt am Main erhält neue Akzente. Neben den drei Verlagen und der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität entsenden nun auch die Stadt Frankfurt am Main und das Literaturhaus Frankfurt ihre Vertreter in eine Kommission, in der mit den Delegierten der Goethe-Universität das Programm der Poetik-Dozentur entworfen wird. Es zeigt sich wie gewohnt in fünfwöchigen Vorlesungszyklen, während derer die Autoren auf dem Campus Westend in die Dozentenrolle schlüpfen und vor großem Frankfurter Publikum anhand ihrer eigenen Texte über das Schreiben sprechen, was von der Universität wissenschaftlich begleitet wird. Ein Honorar von EUR 10.000 ermöglicht es den Autoren, die Poetik-Dozentur zu einem Teil ihrer schriftstellerischen Produktion werden zu lassen.

Sommer 2011: Sibylle Lewitscharoff, Vom Guten, Wahren und Schönen

Im aktuellen Sommersemester fasst die Berliner Autorin Sibylle Lewitscharoff ihre Poetik an der Frankfurter Goethe-Universität unter dem Titel Vom Guten, Wahren und Schönen zusammen. In ihren unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis, dem Preis der Leipziger Buchmesse und dem Berliner Literaturpreis ausgezeichneten Romanen und Erzählungen kombiniert die 1954 in Stuttgart geborene Autorin Familiengeschichte und historischen Roman, Komik und Tragödie, Mystik und Pop-Kultur zu einzigartigen Sprachkunstwerken. Ihr Vorlesungszyklus findet vom 7. Juni bis zum 5. Juli 2011 jeweils am Dienstagabend um 18.00 Uhr c.t. auf dem Campus Westend im Hörsaalzentrum, HZ 2, statt. Die Kapitel der fünf Vorlesungen lauten: Namen (7. Juni), Zeugenschaft (14. Juni), Arm und Reich (21. Juni), Realismus und Vulgarität (28. Juni) und Mit den Toten sprechen (5. Juli). Abschließend wird Sibylle Lewitscharoff am 6. Juli 2011 um 20 Uhr im Literaturhaus Frankfurt aus ihren Werken lesen.

Ausblick

Die Frankfurter Poetik-Vorlesungen des Wintersemesters 2011/12 übernimmt der 1955 in Hamburg geborene Autor Thomas Meinecke. Die Vorlesungsreihe des multitalentierten Künstlers, der neben seinem literarischen Programm u.a. als Musiker, Journalist, Redakteur und Herausgeber präsent ist, fällt in den Zeitraum vom 10. Januar bis zum 7. Februar 2012.

Für das Sommersemester 2012 wurde mit Alexander Kluge einer der wort- wie bildmächtigsten und facettenreichsten deutschsprachigen Intellektuellen für die Poetik-Dozentur gewonnen. Der 1932 in Halberstadt geborene Autor wirkt als Schriftsteller, Filmregisseur, Medientheoretiker und -praktiker, zudem ist er Jurist. Er wird im Sommer 2012 über Die Kunst des Dichtens sprechen. Damit kehrt Kluge, der im Jahr 2009 den Adorno-Preis der Stadt Frankfurt erhielt, nach seinem Studium und späterer Tätigkeit als Honorarprofessor ein weiteres Mal an die Goethe-Universität zurück.


Noch im Sommer 2011 wird die Kommission der Frankfurter Gastdozentur für Poetik ausloten, wer in den nächsten Jahren die 1959 von Ingeborg Bachmann gestellten und seitdem wiederkehrenden Fragen zeitgenössischer Dichtung beantworten wird.

Informationen: Prof. Ulrich Wyss und Christian Buhr (M.A.), Stiftungsgastdozentur für Poetik, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Campus Westend, Tel.: (069) 798- 32687; ab 13 Uhr mobil 0179 6713316, poetik@lingua.uni-frankfurt.de
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