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Strukturen der Infektionsmedizin in Deutschland - Erklärung der Akademie der Wissenschaften Hamburg

10.06.2011 - (idw) Akademie der Wissenschaften in Hamburg

EHEC, Vogelgrippe, Schweinegrippe Die Bedrohung durch Infektionserreger lenkt die Aufmerksamkeit auf die Infektionsmedizin. In einem Workshop der Arbeitsgruppe "Infektionen und Gesellschaft" an der Akademie der Wissenschaften in Hamburg waren sich Spezialisten am Mittwoch in Hamburg einig, dass den zukünftigen Herausforderungen schlagkräftiger als bisher begegnet werden muss. Dazu ist es notwendig, die Ausbildung von Studenten und die Weiterbildung von Ärzten in der Erkennung, Behandlung und Erforschung von Infektionskrankheiten zu verbessern. Dies geschieht am besten an schon bestehenden Abteilungen der Universitätskliniken wie der Intensivmedizin, Pneumologie oder Gastroenterologie. Die Infektionsmedizin spielt in fast allen Bereichen der Medizin eine wichtige Rolle. Als Querschnittsfach ist die Infektionsmedizin an Kliniken und Krankenhäusern in Deutschland ganz unterschiedlich strukturiert und eingeordnet. Auf der Suche nach optimalen Lösungen hat sich die Arbeitsgruppe "Infektionen und Gesellschaft" der Akademie der Wissenschaften in Hamburg am vergangenen Mittwoch in einem Workshop mit den "Strukturen der Infektionsmedizin in Deutschland" beschäftigt. Dazu waren Experten aus Deutschland und der Schweiz in Hamburg zusammen gekommen.

Während herkömmliche Infektionserkrankungen durch verbesserte Hygiene und Ernährung seltener geworden sind, so sind neue Infektionserkrankungen durch veränderte Erreger eine Bedrohung, die erschreckend zugenommen hat. Gleichzeitig steigt die Zahl der Patienten, die durch medizinische Eingriffe, Medikamente oder auch nur durch ihr zunehmendes Alter anfälliger für Infektionserkrankungen sind.

"Eine Stärkung der infektiologischen Forschung und eine Verbesserung der klinischen Ausbildung und Versorgung im Bereich Infektionserkrankungen sind dringend geboten", sagte der Sprecher der Arbeitsgruppe, Professor Dr. Ansgar W. Lohse vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Da klinische Infektiologie vornehmlich ein Querschnittsfach ist, das mit anderen klinischen Disziplinen eng zusammenarbeiten muss, stellt sich die Frage, welche Strukturen die klinische Infektiologie insbesondere in der Universitätsmedizin haben sollte. Die Anbindung an ein Fach mit einem Organschwerpunkt (Pneumologie, Gastroenterologie) oder an die Intensivmedizin erscheint unter den heutigen Strukturen am sinnvollsten. Auf diese Weise erhält auch der wissenschaftliche Nachwuchs eine breit qualifizierte Ausbildung mit entsprechenden Karriereperspektiven.

"Die Qualität der Patientenversorgung ist bereits jetzt auf hohem Niveau", sagte Prof. Dr. Werner Solbach, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. "Durch die Stärkung der Infektionsmedizin im neu geschaffenen Deutschen Zentrum für Infektionsmedizin werden wir zukünftig aber auch große internationale Studien durchführen können. Gemessen an den USA oder der Schweiz sind wir hier noch Entwicklungsland."

Erforderlich ist, dass die Universitäten Mittel für Forschung und Lehre gezielt für die Infektionsmedizin zur Verfügung stellen. Ob diese Mittel in eigenständigen Abteilungen, Instituten und Zentren, oder in übergeordneten Strukturen in Analogie zu den onkologischen Zentren verwaltet werden, muss in Abhängigkeit der lokalen Strukturen entschieden werden.

Der Workshop wurde ermöglicht durch die Hamburgische Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve.

Pressekontakt:
Dr. Elke Senne
Referentin für Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
Akademie der Wissenschaften in Hamburg
Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg
Tel. +49/40/42 94 86 69-20
E-Mail elke.senne@awhamburg.de
http://www.awhamburg.de

Der Akademie der Wissenschaften in Hamburg (gegründet 2004) gehören herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Norddeutschland an. Sie versteht sich als klassenlose Arbeitsakademie: Ihre Mitglieder konzipieren und bearbeiten interdisziplinäre Projekte zu wissenschaftlichen Grundlagenproblemen und gesellschaftlich bedeutenden Zukunftsfragen. Die Akademie fördert die Zusammenarbeit zwischen Fächern, Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen in der Region und engagiert sich für den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Die Grundausstattung der Akademie wird finanziert von der Freien und Hansestadt Hamburg. Präsident der Akademie ist Prof. Dr. Heimo Reinitzer. Weitere Informationen: http://www.awhamburg.de Anhang

AdWH - PM 04/2011
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