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Nur noch Verwaltung von Menschen?

14.06.2011 - (idw) Fachhochschule Jena

Sozialpädagogikprofessorin der FH Jena verabschiedet sich mit Tagung in Berlin Zum Ende des aktuellen Sommersemesters wird sich Prof. Dr. Mechthild Seithe nach 36 Arbeitsjahren von der Fachhochschule Jena und ihrem Berufsleben verabschieden. Nach 18 Jahren in der Praxis der Jugendhilfe und weiteren 18 Jahren in der Lehre am Fachbereich Sozialwesen der FH Jena, wird sie am 17. und 18. Juni noch einmal eine Tagung ausrichten.

Die Botschaft dieser Berliner Tagung zum Thema aufstehen-widersprechen-einmischen möchte Prof. Seite den Studierenden und den Praktiker/innen der Sozialen Arbeit gern mit auf den Weg geben:
Soziale Arbeit hat sich in den letzten zehn bis 15 Jahren gewaltig verändert. Diese Veränderungen gehen immer weiter. Soziale Arbeit, die immer für soziale Gerechtigkeit, für Parteilichkeit mit in dieser Gesellschaft sozial Benachteiligten und für wissenschaftliche geleitete Professionalität stand, ist heute in vielen Arbeitsfeldern kaum noch wiederzuerkennen.

Der allgegenwärtige Zwang zur Effizienz und Rationalisierung sozialer Dienstleistungen führt dazu, dass sie nur noch beschränkt in der Lage ist, wirklich pädagogische Arbeit zu leisten. Immer mehr reduziert man sie auf bloße Verwaltung von Menschen. Für mehr fehlt die notwendige Zeit, fehlt die erforderliche Kontinuität und nicht zuletzt die Freiheit, sich wirklich um die Bedarfe und Bedürfnisse der Menschen und nicht nur um ihre Employability kümmern zu dürfen. Die Praktiker/innen stehen diesen Veränderungen meist ohnmächtig gegenüber. Sie haben Angst um ihre Arbeitsplätze und versuchen, sich anzupassen. Studierende ahnen, was auf sie zukommt und befürchten, dass auch sie diesen Anpassungsprozessen erliegen werden., so Mechthild Seithe.

Nach der Veröffentlichung ihres kritischen Buches Schwarzbuch Soziale Arbeit (VS 2010) nahmen viele Leser/innen zu Frau Seithe Kontakt auf und ermutigten sie, weiter zu machen. Eine der Leserinnen gab den Anstoß zur Tagung in dieser Woche in Berlin. Wie der Titel der Tagung verrät, geht es darum, sich nicht länger stillschweigend dem Mainstream anzupassen. In neun Workshops wird analysiert, diskutiert und nach gemeinsamen Wegen der Gegenwehr gesucht.

Das Einstiegsreferat hält Frau Prof. Dr. Seithe. Weitere Referenten der Tagung sind Prof. Dr. Hans Thiersch aus Tübingen, Frau Dr. Conen und Frau Prof. Dr. Karges aus Berlin. Die wissenschaftlich und praktisch versierten Workshopleiter/innen kommen aus der ganzen Bundes
republik und aus Österreich. Alle arbeiten für diese Tagung zum Nulltarif.

Als ich mich 1993 aus der Praxis verabschiedet habe, um nach Jena an die FH zu gehen, versprach ich den Kolleg/innen meines Jugendamtes, mich in der Lehre für die Erstarkung, Anerkennung und Qualifizierung unserer Profession einzusetzen. Heute geht es mir immer noch darum, Soziale Arbeit als das zu erhalten, was sie sein kann: eine wirklich am Menschen orientierte Unterstützung zur Bewältigung des Lebens., kommentiert Prof. Seithe ihren Schritt.

Kontakt: Prof. Dr. Mechthild Seithe
mechthild.seithe@fh-jena.de Weitere Informationen: http://www.einmischen.com http://www.fh-jena.de
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