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Medieninformatik: Virtuelle Welten schaffen

14.06.2011 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Ob in Trainings- und Simulations-Software oder in den neuesten 3D-Filmen und Computerspielen: Der virtuellen Realität kommt im Alltag vieler Menschen eine große Rolle zu. Auf diesem Gebiet arbeitet Frank Steinicke, der seit 1. Mai 2011 als Professor für Medieninformatik an der Universität Würzburg tätig ist. Er plant unter anderem ein virtuelles, interaktives Stadtmodell von Würzburg. Die Würzburger Medieninformatik befasst sich mit allen Aspekten der Informationsverarbeitung bei digitalen Medien. Ein Schwerpunkt liegt auf der virtuellen Realität, also auf Computer-Simulationen realer oder fiktionaler Umgebungen. Menschen können darin handeln, ohne Risiken einzugehen und ohne von den Grenzen der echten Welt eingeschränkt zu sein.

Einsatzgebiete der virtuellen Realität

Anwendungen der virtuellen Realität finden sich traditionell in den Bereichen Simulation, Ausbildung, Training, Rehabilitation und Forschung. Piloten zum Beispiel trainieren in Simulatoren die Bewältigung kniffliger Situationen, Ärzte und Medizinstudierende können auf diese Weise unter anderem den Umgang mit Herzkathetern üben ohne Patienten, aber unter lebensechten Bedingungen.

Zu diesen klassischen Einsatzgebieten sind in jüngster Zeit weitere hinzugekommen: Seit der kommerziellen Verbreitung von stereoskopischen 3D-Filmen und neuester Interaktionsgeräte wie beispielsweise der Nintendo Wii haben virtuelle Welten auch in Unterhaltung und Edutainment enorm an Bedeutung gewonnen, sagt Frank Steinicke.

Damit die Anwender virtuelle Welten effektiv nutzen können, müssen sich die Entwickler im Wesentlichen mit drei kreativen Aufgabengebieten befassen. Erstens gilt es, multimediale virtuelle Umgebungen zu erstellen. Zweitens muss überlegt werden, auf welche Weise der Mensch diese Umgebungen erkunden soll. Und drittens geht es um Techniken, die dem Menschen eine Interaktion mit den virtuellen Objekten erlauben.

Virtuelle Stadtmodelle entwickeln

In Münster, wo Frank Steinicke zuletzt tätig war, hat er mit seinem Team ein virtuelles Stadtmodell entwickelt. Es wird zum Beispiel auf große Leinwände projiziert, der Nutzer steht mit 3D-Brille davor und erhält einen räumlichen Eindruck. Vollführt er Gehbewegungen auf einer speziellen Unterlage, bekommt er die Illusion vermittelt, sich durch die Straßen zu bewegen. Die Erkundung geschieht hier also nicht mit der Maus wie bei Google-Maps oder -Earth, sondern durch Gehen, so Steinicke.

Für Würzburg will der neue Professor auch ein solches Modell entwickeln. Viele nützliche Anwendungen sind dabei realisierbar. Zum Beispiel, dass der Nutzer einzelne Gebäude mit einer Handbewegung zur Seite schieben kann um etwa den Platz hinter dem Dom zu sehen, ohne dorthin laufen zu müssen. Oder dass er sich historische Ansichten der Gebäude anzeigen lässt. Denkbare Einsatzgebiete für ein solches Modell sind Stadtplanung, Architektur oder Tourismus.

Schwerpunkte in der Lehre

Den Studierenden der Fächer Informatik, Mensch-Computer-Systeme und Medienkommunikation wird Steinicke Kenntnisse über die neuesten digitalen Ein- und Ausgabemedien vermitteln. Ein Ziel dabei soll sein, dass die Studierenden kreativ mit diesen Medien arbeiten können. In der Lehre bietet der neue Professor insbesondere Veranstaltungen an über medientechnische Grundlagen, digitale Medien, Multimedia, Edutainment, Mediendesign, virtuelle Realität und 3D-Modellierung.

Projektorientierung ist mir dabei sehr wichtig, sagt Steinicke: Die Studierenden sollen anspruchsvolle, innovative Projekte in enger Zusammenarbeit mit den Professoren und Doktoranden in kleinen Gruppen kreativ angehen. Dazu gehört auch die Erstellung des virtuellen Stadtmodells von Würzburg.

Lebenslauf von Frank Steinicke

Frank Steinicke, 1977 in Rheine geboren, hat Mathematik an der Universität Münster studiert. 2006 promovierte er in Münster am Institut für Informatik mit einer Arbeit über Visualisierung und Computergrafik. Nach der Promotion ging er als Gastprofessor ans Department of Computer Science der Universität von Minnesota in den USA. Zurück in Münster, habilitierte er sich im Jahr 2010 und bekam die Lehrbefugnis im Fach Informatik verliehen. Im Mai 2011 wechselte er schließlich als Professor für Medieninformatik an die Uni Würzburg.


Kontakt

Prof. Dr. Frank Steinicke, Professur für Medieninformatik am Institut für Informatik der Universität Würzburg, T (0931) 31-85816, frank.steinicke@uni-wuerzburg.de
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