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Soziologin erforscht Auswirkungen der EU-Sicherheitspolitik in Drittländern

15.06.2011 - (idw) Leibniz-Institut für Länderkunde

Die Soziologin Dr. Bettina Bruns ist mit einem Schumpeter-Fellowship der Volkswagen-Stiftung ausgezeichnet worden. Mit dem Stipendium fördert die Volkswagen-Stiftung ihr Forschungsprojekt zu den regionalen Wirkungen des extraterritorialen Engagements der Europäischen Union in Belarus, der Ukraine und der Republik Moldau. Das Projekt ist am Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig angesiedelt und wird mit 600000 Euro über fünf Jahre finanziert. Leipzig. Neue Flüchtlingsbewegungen haben in der Europäischen Union die Tendenz zur Abschottung nach außen verstärkt. Als Maßnahme zu mehr innerer Sicherheit setzt die EU nicht nur auf scharfe Grenzkontrollen, sondern engagiert sich darüber hinaus in den Nachbarstaaten mit einem Bündel weiterer Maßnahmen. Wie diese sich auf den konkreten Alltag von Menschen jenseits der östlichen Außengrenze der Union auswirken, wollen Dr. Bettina Bruns und Helga Zichner vom Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) jetzt in Belarus, der Ukraine und der Republik Moldau untersuchen.

Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens sind die verschiedenen Programme, mit denen die EU sich in den als Westliche Neue Unabhängige Staaten zusammengefassten Ländern auf den Feldern Migration, Bildung und Wohlstandsförderung engagiert: Die angestrebte Kapazitätsstärkung der Drittländer in Migrationsangelegenheiten schlägt sich vor allem im Bau von Flüchtlingslagern und Hilfen zur örtlichen Eingliederung von Flüchtlingen nieder; durch Bildungsaufenthalte von Bürgern aus den Drittstaaten sollen eigene Werte in die Nachbarstaaten vermittelt und diese dadurch stärker angebunden werden; Maßnahmen zur Wohlstandsförderung sollen zu mehr Lebensqualität und politischer Stabilität bei den EU-Nachbarn beitragen und damit die eigene Sicherheit erhöhen.

Das Forschungsprojekt

Mit Hilfe ethnographischer Methoden möchten die IfL-Wissenschaftlerinnen herausfinden, welche beabsichtigten und ungewollten Effekte dieses extraterritorialen EU-Engagements auf lokaler und regionaler Ebene zu beobachten sind. Sie suchen außerdem Antworten auf Fragen nach der gemeinsamen Logik europapolitischer Maßnahmen außerhalb der EU sowie nach der Rolle der Nachbarstaaten bei der Umsetzung dieser Maßnahmen auf ihren Territorien.
Gegenüber früheren, auf die EU fokussierten Forschungsansätzen haben die Wissenschaftlerinnen eine neue Herangehensweise entwickelt: Sie nehmen eine Perspektive ein, die lokale und regionale Akteurslogiken in den Drittstaaten selber berücksichtigt, wie Bettina Bruns formuliert. Sie und ihre Forscherkollegin versprechen sich als Ergebnis ihrer auf fünf Jahre angelegten Untersuchung praktische Hinweise, wie die Beziehungen zwischen der EU und ihren Nachbarstaaten zukünftig ausgewogener gestaltet werden können.

Das Vorhaben knüpft an ein vor kurzem abgeschlossenes Forschungsprojekt zu grenzüberschreitenden ökonomischen Praktiken an der östlichen Außengrenze der Europäischen Union an. Unter der Leitung des IfL haben Wissenschaftler des Instituts gemeinsam mit Kollegen vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (Erkner) und der Universität Frankfurt am Main untersucht, wie sich das Grenzregime der EU auf die Alltagspraxis von Kleinhändlern und Kleinunternehmen des produzierenden Gewerbes auswirkt. Die Forscher haben sich bei ihren Fallstudien auf Beispielregionen an der finnisch-russischen, der polnisch-belarussischen, der polnisch-ukrainischen und der rumänisch-ukrainischen Grenze konzentriert. Die Ergebnisse werden demnächst als Buch erscheinen.

Schumpeter-Fellowship


Mit Schumpeter-Fellowships benannt nach Joseph Alois Schumpeter, einem der einflussreichsten Volkswirtschaftler des 20. Jahrhunderts fördert die Volkswagen-Stiftung junge promovierte Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaftler, die in interdisziplinären Forschungsgruppen zur wissenschaftlichen Neuorientierung ihres Forschungsthemas beitragen. Pro Jahr vergibt die Stiftung bis zu zehn Schumpeter-Fellowships.

Kontakt:
Dr. Bettina Bruns
Leibniz-Institut für Länderkunde
Tel. +49 341 600 55-131
B_Bruns@ifl-leipzig.de Weitere Informationen: http://www.ifl-leipzig.de
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