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EMBL-Forscher Dr. Reinhard Schneider wird die Bioinformatik-Einheit am LCSB aufbauen

15.06.2011 - (idw) Universität Luxemburg - Université du Luxembourg

Das Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) hat einen weiteren Wissenschaftler mit internationaler Reputation ins Land geholt: Dr. Reinhard Schneider wechselt vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg nach Luxemburg. Hier wird er die zentrale Bioinformatik-Einheit des LCSB aufbauen und leiten. Wir freuen uns sehr, dass wir Reinhard Schneider für diese Aufgabe gewinnen konnten, sagt Professor Rudi Balling, Direktor des LCSB: Die Bioinformatik-Einheit wird eine zentrale Schnittstelle unserer biomedizinischen Forschung. Für ihren Aufbau einen so herausragenden Wissenschaftler wie Reinhard Schneider holen zu können, ist ein echter Glücksfall.

In der zentralen Bioinformatik-Einheit des LCSB, deren Leitung Reinhard Schneider übernimmt, werden die Daten aus der Laborforschung mit Modellen aus der computergestützten Bio-Forschung zusammenlaufen. Schneiders Team wird an diesem Schnittpunkt Methoden und Programme zur verbesserten Datenanalyse entwickeln. So soll die Arbeit beider Bereiche Labor- und computergestützte Forschung wirksamer gemacht und letztlich das systembiologische Verständnis von Krankheiten wie Parkinson verbessert werden: Solche Krankheiten sind hochkomplexe Netzwerke, sagt Reinhard Schneider. Wir können sie nur verstehen und neue Diagnose- oder Therapieverfahren entwickeln, wenn wir die Daten aus den Laboren nutzen, um die Krankheitsabläufe im Computer zu modellieren. Und anschließend mit Hilfe der Computermodelle die Laborexperimente verbessern. Das sei Voraussetzung, um die zentralen Schaltstellen im Krankheitsverlauf zu finden, die sich für eine wirksame Diagnose und Therapie nutzen lassen, so Schneider: Dann können wir die Krankheit viel früher im individuellen Krankheitsverlauf beeinflussen und vielleicht einmal ursächlich heilen, anstatt ausschließlich Symptome zu lindern.

In Schneiders Abteilung werden Bioinformatiker mit ganz unterschiedlichem fachlichem Hintergrund von Biologie und Biochemie, Mathematik und Physik bis hin zur Medizin arbeiten. Ihnen gemeinsam wird das Gespür für Informatik und der Umgang mit großen Datenmengen sein, sagt Schneider: Außerdem brauchen wir Wissenschaftler mit der Fähigkeit, Forschern anderer Disziplinen aufmerksam zuzuhören nur so kann der Brückenschlag von Biologie über Informatik zur Medizin gelingen.

Mit dieser Anforderung an seine Mitarbeiter beschreibt Reinhard Schneider die Erfahrungen seines eigenen beruflichen Werdegangs in Kurzform. Der diplomierte Biologe machte sich schon zu einer Zeit Computer für die Datenanalyse zu Nutze, als dies vielen Wissenschaftlern noch völlig aussichtslos erschien: Ich habe als Student mit einem Commodore C64 angefangen, in Praktika, die ich betreute, die Experimente am Rechner auszuwerten. Einige Professoren haben mir davon abgeraten in die Bioinformatik zu gehen, weil da kaum Jobs zu finden wären. Doch Schneider hatte die Entwicklung vorhergesehen der Einzug der EDV in die Biologie war unaufhaltsam. Schon bald spezialisierte er sich deshalb entgegen aller Ratschläge ganz auf die Bioinformatik, wobei seine Kenntnisse als Biologe Schneider immer von großem Vorteil waren: Ich weiß, worauf es im Labor ankommt und kann die Informatik darauf einstellen.

So kam Reinhard Schneider bereits für seine Diplomarbeit an die Institution der Molekularbiologie, das EMBL. Dort hat er auch 1994 promoviert und seine erste Post-Doc Zeit verbracht. Ein Teil seiner Forschungsarbeit hat dann zur Gründung des Bioinformatik-Unternehmens LION bioscience AG geführt. Während seiner Zeit bei LION war er zwei Jahre in Boston, Massachusetts, USA, wo er für die Bayer AG ein Expertenteam in der frühen Medikamentenforschung aufgebaut und geleitet hat. Zuletzt war Schneider bei LION als IT-Vorstand für die weltweite Software-Entwicklung mit fast 200 Mitarbeitern verantwortlich. 2004 zog es ihn jedoch wieder zurück in die Grundlagenforschung ans EMBL, wo er Teamleiter der Gruppe Data integration and knowledge management wurde.

Hochleistungsrechner sind heute aus der biologisch-medizinischen Forschung nicht mehr wegzudenken. Auch das LCSB setzt in seinen Laboren so genannte Hochdurchsatz-Technologien ein, um Genome, Proteine und Stoffwechselprodukte in großen Massen analysieren zu können mit der Folge, dass Daten in bisher kaum absehbaren Mengen generiert werden: Bioinformatik in diesem Rahmen ist nicht mehr auf einem PC zu bewerkstelligen, erläutert Schneider seine zukünftige Arbeit: Deshalb werden wir wohl bald eines der größten Computer- und Datenspeichersysteme im akademischen Rahmen in Luxembourg haben. "Über kurz oder lang seien tausende von Computer-Prozessoren nötig und einige PetaByte an Speicherkapazität, um die Berechnungen durchführen zu können. Zur Einordnung: Ein PetaByte sind eine Million GigaByte.

In der Systembiologie wird es in den nächsten Jahren entscheidend sein, wer die Hochdurchsatzmethoden in der Biologie und Medizin am besten mit den theoretischen Modellen und den immensen Anforderungen an Hard- und Software zu einer Einheit verbinden kann, beschreibt Reinhard Schneider die Herausforderung: In Luxembourg sehe ich dafür eine reelle Chance, und ich glaube, dass wir mit unserem Team das LCSB in wenigen Jahren unter die weltbesten Institute in diesem Bereich bringen können. Für Institutsleiter Balling ist Schneiders Anspruch ein Grund zur Freude: Wir sind froh, dass wir einen ausgewiesenen Experten in unserem LCSB-Team haben, der von Anfang an die richtigen Bioinformatik-Prozesse aufbaut, mit deren Hilfe unsere biomedizinische Forschung ein wirklicher Nutzen für die Patienten in den Kliniken wird. Weitere Informationen: http://www.uni.lu/lcsb

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