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DFG-Jahresbericht 2010: Weichen stellen für die Wissenschaft

07.07.2011 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Freiheit und Flexibilität, Qualität statt Quantität, Erkenntnistransfer und Internationalisierung: Einblicke in strategische Aktivitäten und Neuausrichtungen in der Forschungsförderung Nr. 33
7. Juli 2011

Seit nunmehr 60 Jahren gibt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Forscherinnen und Forschern die finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten für herausragende wissenschaftliche Arbeit; sie setzt Akzente im Förderhandeln und unterstützt effiziente Strukturen an Universitäten und Hochschulen. Diesen selbst gesteckten Verpflichtungen kam Deutschlands zentrale Forschungsförderorganisation auch im Jahr 2010 auf vielfältige Weise nach wie der Jahresbericht 2010 zeigt, den die DFG am 7. Juli 2011 auf ihrer Jahrespressekonferenz in Berlin vorstellte.

Auf rund 300 Seiten präsentiert der anschaulich geschriebene und reich bebilderte Band zahlreiche Highlights aus der Forschungsförderung in den Geistes- und Sozialwissenschaften, den Lebens- und Naturwissenschaften sowie den Ingenieurwissenschaften. Vor allem aber beleuchtet der neue Jahresbericht die strategischen Aktivitäten und Neuausrichtungen im Förderportfolio der Organisation: Mehr Freiheit und Flexibilität, Qualität statt Quantität, Erkenntnistransfer und Internationalität waren dabei 2010 die wichtigsten Weichen, die die DFG für das Wissenschaftssystem in Deutschland stellte.

Ein wichtiger Baustein in dem Prozess, das deutsche Wissenschaftssystem international noch wettbewerbsfähiger zu machen, war auch 2010 die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, in deren Rahmen bereits 39 Graduiertenschulen, 37 Exzellenzcluster und neun Zukunftskonzepte mit insgesamt 1,9 Milliarden Euro gefördert werden. In der Ausschreibung zur zweiten Phase forderten DFG und Wissenschaftsrat im März 2010 die Universitäten in Deutschland auf, für neue Projekte Antragsskizzen einzureichen. Bis zum Stichtag am 1. September 2010 gingen insgesamt 227 Bewerbungen für neue Projekte ein, von denen nach der inzwischen erfolgten Vorauswahl nun 59 Projekte an 32 Universitäten bis zum 1. September 2011 Vollanträge stellen können. Diese treten in den Wettbewerb mit den bereits geförderten 85 Einrichtungen der Exzellenzinitiative. Im Juni 2012 wird endgültig entschieden, welche Projekte dann bis Ende 2017 gefördert werden.

Um die Qualität der Forschung und ihrer Förderung auch jenseits der Exzellenzinitiative zu steigern, entwickelte die DFG auch 2010 ihre Programme weiter. Für mehr Transparenz und Attraktivität sorgt dabei die Bewilligung von Geld für Personal statt Stellen. Diese Änderung dient einer wissenschaftsfreundlichen und forschungsadäquaten Projektplanung und -steuerung und korrespondiert mit der Wissenschaftsfreiheitsinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Bevor Forschungsprojekte bewilligt und gefördert werden, müssen jedoch zunächst Anträge gestellt werden. Um dabei den Fokus nicht auf numerische Indikatoren, sondern auf die Inhalte von Publikationen zu richten, fasste die DFG Anfang 2010 ihre Regeln für Publikationslisten in Förderanträgen neu. Seitdem ist die Zahl der Veröffentlichungen, die aufgeführt werden dürfen, stark beschränkt in der Regel auf die bis zu fünf wichtigsten Publikationen. Oft lautet die erste Frage nicht, was jemand erforscht hat, sondern wo und wie viel er publiziert hat, begründete DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner die Entscheidung. Das übe einen außerordentlich starken Druck aus, möglichst viel zu publizieren und verleite so unter anderem zu falschen Angaben im Hinblick auf den Stand einer Veröffentlichung. Mit der in der Wissenschaft und auch in den Medien vielbeachteten Initiative setzt die DFG einen klaren Akzent für Qualität statt Quantität.

Ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem ist gehalten, seine Erkenntnisse zum Nutzen der Gesellschaft einzusetzen. Die DFG startete deshalb 2010 eine Informationskampagne, die deutlich macht, dass die Förderung von Erkenntnistransfer aus DFG-geförderten Projekten ausgebaut werden soll und dass dieser Erkenntnistransfer aus allen Wissenschaftsbereichen möglich ist. Flankierend wurde in der Geschäftsstelle eine Projektgruppe ins Leben gerufen, die die Aktivitäten bündeln und die Kriterien schärfen soll. Ihre Erfahrungen zeigen, dass die Wissenschaft großes Interesse an Transferprojekten hat. Nachholbedarf gibt es bei der Beschreibung von Kooperationen mit dem öffentlichen Bereich, weil hier erfolgreiche Vorbilder noch selten sind.

Neben dem Erkenntnistransfer und der Nachwuchsförderung bestimmte 2010 auch die Internationalisierung des Förderhandelns die Strategie. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern einen immer höheren Stellenwert einnimmt. Im Fördergeschäft der DFG verweist inzwischen jeder dritte Projektantrag auf geplante Kooperationen mit Partnern im Ausland. Und auch die Begutachtungen erfolgen zunehmend durch Expertinnen und Experten aus dem Ausland, 2010 zu rund 16 Prozent. Die Bedeutung einer weltweiten Vernetzung der Forschungswelt wird nicht nur in Deutschland gesehen: Die Präsidenten und Vorsitzenden der großen Forschungs- und Förderorganisationen der G8-Staaten die G8-HORCs wollen deshalb ein neues, gemeinsames Förderinstrument institutionalisieren: die G8-Initiative Multilaterale Forschungsförderung. Sie soll eine europaweit schon gut etablierte, über Ländergrenzen hinweg funktionierende Förderstruktur auch auf den außereuropäischen Raum ausdehnen. Im Februar 2010 startete die G8-Initiative unter Federführung der DFG mit einer Ausschreibung im Bereich der Informatik zum Thema Exascale Computing.

Der aktuelle Jahresbericht 2010 erscheint rechtzeitig zum 60-jährigen Bestehen der DFG nach ihrer Neugründung im August 1951. In seinem Vorwort betont DFG-Präsident Kleiner deshalb vor allem, dass Deutschlands größte Forschungsförderorganisation als zentrale Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft nur als Gemeinschaft der gesamten Scientific Community erfolgreich arbeiten könne: 2010 haben mehr als 900 überwiegend ehrenamtlich tätige Mitglieder in unseren Gremien Mitgliederversammlung, Präsidium, Senat und Hauptausschuss sowie ihre Ausschüsse und Kommissionen sich mit großen und auch kleineren Belangen der Wissenschaft befasst, Initiativen beraten und Anträge beschieden. Allein die Sitzungen von Präsidium, Senat und Hauptausschuss dauerten zusammen über 60 Stunden. Es waren über alle Programme hinweg mehr als 17 000 Anträge, die insgesamt um die 12 400 Gutachterinnen und Gutachter gelesen und bewertet haben davon zirka 2700 Gutachtende aus dem Ausland. Die Summe aller Stunden, die unsere Gutachterinnen und Gutachter ebenfalls ehrenhalber! aufgewendet haben, lässt sich kaum zuverlässig errechnen. In etwa 70 Sitzungen unserer Fachkollegien, denen annähernd 600 Fachkollegiatinnen und Fachkollegiaten in der Amtsperiode 2008 bis 2011 angehört haben, wurden die Anträge und ihre Begutachtung bewertet und insgesamt ungefähr 10 200 davon positiv beschieden.

Der Jahresbericht 2010 ist noch stärker als seine Vorgänger gegliedert in einen journalistisch angelegten ersten Teil und einen zweiten Teil, der Daten und Fakten komprimiert darstellt. Letzterer gibt in übersichtlicher Form einen Überblick zu den Förderprogrammen der DFG und sie betreffende Neuerungen. Statistiken in tabellarischer und grafischer Form bieten interessierten Leserinnen und Lesern einen schnellen Überblick über die Zahlen und Fakten des Berichtsjahres bei Grafiken größtenteils in Form von Trendgrafiken, die Auskunft zu Entwicklungen geben.


Auch wurde die statistische Berichterstattung gegenüber den Vorjahren grundsätzlich umgestellt: Mit einer nun stärkeren Fokussierung auf die in einem Jahr laufenden, statt der in einem Jahr bewilligten Maßnahmen trägt der Jahresbericht 2010 dem Interesse an einer solchen Darstellung Rechnung. Die neue statistische Berichterstattung reagiert auch auf die Reformen innerhalb des DFG-Förderportfolios und erlaubt eine bessere Darst
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