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Mehr und bessere Arbeit in der Gesundheitswirtschaft

06.09.2003 - (idw) Institut Arbeit und Technik

Modellprojekt des Instituts Arbeit und Technik zeigt Pool von Verbesserungen für mehr Qualität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit in Krankenhäusern auf

Qualität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen lassen sich durch moderne Arbeitsorganisation und Organisationsentwicklung verbessern. In einem Modellprojekt des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen), an dem sich rund sechzig Krankenhäuser und Kliniken im Sinne eines vergleichenden Qualitätsmanagements beteiligen, wurde ein ganzer Pool von Verbesserungen erarbeitet. Damit können gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen und die Versorgung verbessert werden.

Die Krankenhäuser stehen unter Handlungsdruck, denn trotz ständiger Gesundheitsreformen, Bettenabbau und Kostendämpfung ist die Zahl der behandelten Fälle während der letzten 10 Jahre um 19 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat auch die Zahl der Stellen im ärztlichen Dienst um 15 Prozent zugenommen. Die Zahl der Pflegetage ist hingegen um 20 Prozent gesunken, während die Zahl der Pflegekräfte um 11 Prozent zugenommen hat. Letzteres trägt der Intensivierung der Pflege bei einer verkürzten Verweildauer der Patienten Rechnung. Dabei ist es auch zu einer weiteren Professionalisierung der Pflege gekommen, denn die Zahl der examinierten Pflegekräfte hat um 16 Prozent zugenommen, während die Zahl der Pflegehilfskräfte um 30 Prozent abgenommen hat. Zugenommen haben auch der medizinisch-technische Dienst und der Funktionsdienst, also das Personal, das unmittelbar mit der medizinischen Versorgung verbunden ist (Labor, OP-Schwestern etc., zusammen plus 11 Prozent). Damit zeigt sich die Gesundheitswirtschaft als einer der wenigen Wachstumssektoren der deutschen Wirtschaft.

Gleichzeitig ist die Belastung der Beschäftigten extrem gestiegen. Die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung von 8 Krankenhäusern im Rahmen des vergleichenden Qualitätsmanagements aus dem Frühjahr 2003 zeigen, dass die Beschäftigten unter erheblichem Zeitdruck und teilweise fachfremden Tätigkeiten zu leiden haben. 67 Prozent der Ärzte und 62 Prozent der Pflegekräfte beurteilen ihre Situation als zumindest überwiegend durch Zeitdruck geprägt. Dabei sagen 68 Prozent der Ärzte und 59 Prozent der Pflegekräfte dass sie mindestens teilweise durch fachfremde Aufgaben belastet werden. Dazu gehören Dokumentationsaufgaben, Patiententransporte, Essensausgabe, Warenbestellung und Verwaltung etc.. Viele dieser Tätigkeiten müssten nicht durch qualifiziertes Pflegepersonal wahrgenommen werden.

Trotz des hohen Dokumentationsaufwandes bestehen nicht unerhebliche Informationsdefizite. Sowohl 50 Prozent der Ärzte als auch 37 Prozent der Pflegekräfte sagen, dass ihnen zumindest teilweise wichtige Patienteninformationen fehlen. Besonders gravierend werden die Informationsdefizite bei abteilungsübergreifenden Übergaben. Da die Beschäftigten solche Probleme vielfach kompensieren, bemerken die Patienten diese Defizite allerdings in der Regel nicht und sind überwiegend zufrieden.

Auch die Koordination der pflegerischen und medizinischen Tätigkeiten funktioniert nur teilweise. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen und innerhalb von Abteilungen wird von den Beschäftigten selbst vielfach kritisch gesehen. 69 Prozent der Ärzte und 58 Prozent der Pflegekräfte sehen hier Verbesserungsbedarf, denn Doppelarbeiten und die Suche nach wichtigen Informationen wie Röntgenbildern und Patientenakten sind die Folge. Mangelnde Standards und Abstimmungen führen allein in den Operationssälen zu rund 25 Prozent nicht geplanter Leerzeiten.

Verbesserungschancen liegen vor allem vor allem in der systematischen Bündelung eines breiten Spektrums von Einzelmaßnahen. Dies stellt allerdings auch beträchtliche Anforderungen an das Change-Management. Eine gezielte Arbeitsteilung zum Zweck der Entlastung von Medizin und Pflege, der Professionalisierung der Dokumentation und der Verbesserung der Informationsqualität lässt sich durch die Einführung von Dokumentationsassistenten bewirken. Diese Lösung entlastet das Personal beträchtlich.

Als zentrale Maßnahme zur Verbesserung von Qualität, Wirtschaftlichkeit und Arbeitsbedingungen erweist sich auch die Einführung von Patientenpfaden. Durch Standardisierung führen sie zur Entlastung in Routinefällen und schaffen damit Zeit für die Abstimmung und Koordination bei komplizierteren Aufgaben und die erforderliche Information und Zuwendung gegenüber den Patienten. Auch neue Arbeitszeitmodelle können dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, wobei allerdings eine Anpassung der Arbeitsabläufe insgesamt notwendig ist.

Die gleichzeitige Erreichung von Qualität, Wirtschaftlichkeit und anständigen Arbeitsbedingungen verlangt dabei eine umfassende Organisationsentwicklung und Kooperation und von einander Lernen, damit das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muss. Gelegentliche Forderungen nach einer Bewertung von Krankenhäusern mit Schulnoten oder Rankings erweisen sich dabei als eher kontraproduktiv und irreführend.

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PD Dr. Josef Hilbert
Durchwahl: 0209/1707-120
Stephan von Bandemer
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Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
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