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DGSS-Studie: Chronische Schmerzen im Alter - oft ein Leiden unter vielen anderen

11.09.2003 - (idw) Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

Komorbide chronische Schmerzpatienten über 65 Jahre haben im Durchschnitt neben der Schmerzerkrankung Diagnosen in fünf weiteren Organsystemen. Sie nehmen durchschnittlich sieben verschiedene Medikamente ein. Über die Hälfte der Patienten fühlt sich häufig traurig und niedergeschlagen. Das ergab eine Studie, die Forscher aus dem Arbeitskreis "Alter und Schmerz" der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e. V. (DGSS) nun in der Zeitschrift "Der Schmerz" veröffentlicht haben.

Presseinformation Nr. 10/2003
Bochum, 10. September 2003

Schmerzen im Alter: Oft ein Leiden unter vielen anderen

Wechselwirkungen erforschen, Verpackungen verbessern, aufklären

Komorbide chronische Schmerzpatienten über 65 Jahre haben im Durchschnitt neben der Schmerzerkrankung Diagnosen in fünf weiteren Organsystemen. Sie nehmen durchschnittlich sieben verschiedene Medikamente ein. Über die Hälfte der Patienten fühlt sich häufig traurig und niedergeschlagen. Das ergab eine Studie, die Forscher aus dem Arbeitskreis "Alter und Schmerz" der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e. V. (DGSS) nun in der Zeitschrift "Der Schmerz" veröffentlichten. Die Wissenschaftler befragten 263 ältere Patienten mit chronischen Schmerzen und mindestens einer weiteren Diagnose in drei Schmerzpraxen, zwei Geriatriekliniken und einer Schmerzklinik nach ihren Beschwerden, der Medikation, unerwünschten Nebenwirkungen und ihrem Befinden.

Schonen tut nicht immer gut

Die meisten der befragten Patienten - im Durchschnitt waren sie 76 Jahre alt, fast drei Viertel von ihnen waren Frauen - leiden unter chronischen Schmerzen an Kreuz, Hüfte, Bein oder Fuß (75,7 Prozent), gefolgt von Schulter, Arm und Hand (54,8 Prozent). Fast drei Viertel der Befragten gaben an, ihr Schmerz dauere bereits seit mehreren Jahren an. Linderung versprachen sich die meisten vor allem von Schonung und Ruhe. Hier sehen die Forscher ein Problem, denn Experten schreiben körperlicher Betätigung große Bedeutung bei der Linderung von chronischem Schmerz zu. "Darüber müssten ältere Patienten besser aufgeklärt werden", folgern die Autoren.

Forschung über Arzneimittelinteraktionen verstärken

Ein weiteres Problem bei der Behandlung älterer Patienten ist die gleichzeitige Einnahme vieler verschiedener Medikamente: Die Anzahl der Präparate reichte bei den Befragten von zwei bis 19, durchschnittlich zwei davon gegen Schmerzen. Ab fünf Wirkstoffen gelten die Wechselwirkungen bereits als unüberschaubar. Die häufigsten Nebenwirkungen waren ein trockener Mund, Schlafstörungen, Müdigkeit, Verstopfung und Schwindel. Über Wechselwirkungen, auch positive, sei noch zu wenig bekannt, stellen die Autoren fest. Als pragmatische Lösung schlagen sie eine sorgfältige Dokumentation von Nebenwirkungen vor. "Vorzuziehen wäre allerdings eine Intensivierung der Forschung über Arzneimittelinteraktionen", so die Autoren.

Tabletten werden schon mal weggelassen

Je mehr Medikamente verordnet werden, desto schwerer fällt es auch den Patienten, die Anweisungen des Arztes zu befolgen (Compliance). 20 Prozent der Befragten gaben außerdem an, Tabletten schon mal wegzulassen, wenn sie an die Nebenwirkungen dächten oder wenn es ihnen gut gehe. Der Compliance abträglich sind auch kognitive Schwierigkeiten, die in höherem Alter berücksichtigt werden müssen. Außerdem kann es Probleme mit der Verpackung geben: Ein Drittel der Befragten gab an, Tabletten aus verschraubbaren Behältern zu nehmen, jeder fünfte von ihnen hat damit Schwierigkeiten. 14,3 Prozent haben Probleme, Tabletten durch eine Folie zu drücken.

Treppen steigen, Anziehen und Einkaufen sind schwierig

Beeinträchtigungen durch den Schmerz reichen von Problemen beim Anziehen (13,4 Prozent) über Treppensteigen (22,9 Prozent) und Einkaufen (29, 4 Prozent) bis hin zu Unternehmungen mit anderen (27,5 Prozent). Die Patienten der geriatrischen Kliniken waren beim Anziehen, Treppensteigen und Einkaufen häufiger beeinträchtigt als die der Praxen und der Schmerzklinik. Über die Hälfte der Befragten (52,3 Prozent) gab an, sich häufig traurig und niedergeschlagen zu fühlen. Die Patienten der Schmerzklinik hatten am häufigsten große Hoffnung dass der Schmerz sich in Zukunft bessern würde, hier hoffte das über die Hälfte der Befragten. In den Praxen und der Geriatrie glaubten nur 20,4 bzw. 35,3 Prozent daran. Die geringere Schmerzintensität und -dauer sowie die größere Anzahl anderer Beschwerden in den geriatrischen Abteilungen zeigt, dass Schmerz hier meist nicht der Hauptgrund der Einweisung ist.

Thema beim Schmerzkongress 2003

Schmerzen und Komorbidität im Alter sind auch ein Thema beim Deutschen Schmerzkongress, der vom 8. bis zum 12. Oktober in Münster stattfindet. Informationen und Programm: http://www.schmerzkongress.de (s.u.)

Titelaufnahme

H. D. Basler, S. Hesselbarth, G. Kaluza, M. Schuler, W. Sohn, Th. Nikolaus: Komorbidität, Multime-dikation und Befinden bei älteren Patienten mit chronischen Schmerzen. In: Der Schmerz 4/2003, S. 252-260

Ansprechpartner

Prof. Dr. Heinz-Dieter Basler, Institut für Medizinische Psychologie der Philipps-Universität, Bunsen-straße 3, 35037 Marburg, Tel. 06421/28-66250, Fax 06421/28-64881, E-Mail: basler@mailer.uni-marburg.de

Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e. V. (DGSS), Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Knappschafts-krankenhaus Bochum-Langendreer, In der Schornau 23-25, 44892 Bochum, Tel. 0234-2993000, Fax 0234-2993009, E-Mail: Zenz@anaesthesia.de

DGSS-Pressestelle, Meike Drießen, c/o Ruhr-Universität Bochum, Raum UV 3/366, Tel. 0234/32-26952, Fax: 0234/32-14136, E-Mail: meike.driessen@presse.rub.de

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