Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 24. September 2014 

Studienergebnisse über die Langzwitwirkung der Neuro-Musiktherapie bei Tinnitus

17.08.2011 - (idw) Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.

Heidelberg, 17. August 2011 - Studienergebnisse des Viktor Dulger Forschungsinstituts am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung belegen einen dauerhaften Therapieerfolg bei 75% der behandelten Patienten mit chronischem Tinnitus. Tinnitus das Hören eines Pfeifens, Zischens, Rauschens oder Brummens ohne äußere Lärmquelle hat mittlerweile das Ausmaß einer Volkskrankheit angenommen. Mehr als 4% aller Deutschen leiden darunter und ca. 1,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten als behandlungsbedürftig, so die Angaben laut offizieller Prävalenzuntersuchungen (vgl. Streppel et al. 2006). Die Zahl der Menschen, die unbemerkt von der Öffentlichkeit an chronischen Ohrgeräuschen leiden, wird noch um ein Vielfaches höher eingeschätzt.

Die therapeutische Behandlungssituation war bisher unbefriedigend. Denn sobald die Ohrgeräusche das akute Stadium überdauern, werden viele Patienten mit Aussagen Damit muss man leben! oder Hören Sie einfach nicht hin! konfrontiert.

Das Viktor Dulger Forschungsinstitut am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung e.V. in Heidelberg hat jetzt eine vielversprechende und wissenschaftlich untermauerte Therapieform entwickelt. Seit 2006 werden dort in Kooperation mit der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Universität Heidelberg Tinnituspatienten neuro-musiktherapeutisch behandelt. Dieses Verfahren wurde u.a. mit Hilfe bildgebender Verfahren, wie der funktionellen Magnetresonanz-Tomographie (fMRT), überprüft.

Das Heidelberger Musiktherapiemanual für chronisch tonalen und nicht-tonalen Tinnitus ist entsprechend den aktuellen Erkenntnissen der Neurophysiologie und Neuropsychologie multimodal aufgebaut. Das bedeutet, dass verschiedene, sich ergänzende und aufeinander aufbauende musik- und psychotherapeutische Behandlungselemente integriert werden. Ein zentrales Ziel der Therapie nach dem Heidelberger Modell ist nicht das Weghören, sondern ganz im Gegenteil die bewusste Auseinandersetzung mit den Ohrgeräuschen. Denn nur so kann in einem zweiten Schritt die aktive Steuerung und Kontrolle der Symptomatik seitens der Patienten erreicht werden.

Mittlerweile wurden an der Tinnitusambulanz am DZM in Heidelberg über 800 Patienten mit chronischem Tinnitus behandelt. Insgesamt zeigen ca. 80% der Patienten unmittelbar nach der Therapie eine deutliche Verbesserung ihrer Tinnitussymptomatik bis hin zum völligen Verschwinden der Ohrgeräusche.

Um zu untersuchen, ob diese Therapieerfolge auch über einen längeren Zeitraum hinweg stabil sind, wurde in den Jahren 2010 2011 eine Langzeitstudie durchgeführt, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Dabei wurden 206 ehemalige Patienten untersucht, die zwischen 2004 und 2009 in Heidelberg waren.

Ergebnisse:
Die Nachuntersuchungsspanne liegt bei 1 bis 6 Jahren (Durchschnitt 2,65 Jahre).
Bei 76% aller behandelten Tinnituspatienten hat sich die Tinnitusbelastung (gemessen mit dem Tinnitusfragebogen nach Goebel und Hiller) durch die Therapie deutlich und nachhaltig reduziert.
Diese dauerhaften Therapieerfolge sind unabhängig davon, wie lange die Krankheitsdauer vor Beginn der Therapie bestand oder welche Klangqualität (Pfeifen oder Rauschen) die Ohrgeräusche hatten.
87% aller behandelten Patienten sind mit der Therapie sehr zufrieden.
71% aller behandelten Patienten benötigten nach der Heidelberger Musiktherapie keine weitere Tinnitusbehandlung mehr.

Die Musiktherapie nach dem Heidelberger Modell hat sich demnach als ein sehr wirksames und nachhaltiges Verfahren zur Behandlung des chronischen Tinnitus erwiesen.

Mehr Informationen für betroffene Patienten sind telefonisch erhältlich unter 06221 79 63 101 oder per E-Mail unter tinnitusambulanz@dzm-heidelberg.de.

Um das Behandlungsangebot zu komplettieren, läuft derzeit am DZM eine Forschungsstudie zur Überprüfung einer neuro-musiktherapeutischen Behandlung bei akutem Tinnitus (d.h. bis zu einer max. Erkrankungsdauer von drei Monaten). Patienten, die an dieser Studie teilnehmen möchten, können sich telefonisch melden unter 06221-79 63 961 oder per E-Mail unter miriam.grapp@dzm-heidelberg.de.

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM das größte musiktherapeutische Forschungsinstitut in Europa und vereint Forschung, Praxis und Lehre unter einem Dach. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel. Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.
Außer dem Forschungsinstitut gehört eine Tinnitusambulanz zum DZM.

Abdruck honorarfrei/Belegexemplar erbeten

Weitere Informationen:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung

(Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Ansprechpartner: Natascha Schettler-Brox
Maaßstraße 32/1
69123 Heidelberg
Telefon: +49 (6221) 83 38 60
Telefax: +49 (6221) 83 38 74
E-Mail: dzm@dzm-heidelberg.de
Internet: www.dzm-heidelberg.de jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });
Weitere Informationen: http://www.dzm-heidelberg.de
uniprotokolle > Nachrichten > Studienergebnisse über die Langzwitwirkung der Neuro-Musiktherapie bei Tinnitus
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/222146/">Studienergebnisse über die Langzwitwirkung der Neuro-Musiktherapie bei Tinnitus </a>