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Uralte Opa-Langbeine

23.08.2011 - (idw) Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berl

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Dr. Jason Dunlop, Museum für Naturkunde Berlin, veröffentlicht heute in der internationalen Fachzeitschrift Nature Communications den Fund von zwei bemerkenswerten Weberknecht-Fossilien aus Frankreich. Die 305 Millionen Jahre alten Spinnentiere wurden mit den neuesten computertomographischen Methoden untersucht. Die 3D-Bilder und Filmeaufnahmen zeigen, dass die Tiere aus dem Steinkohlenwald des Karbonzeitalters den noch heute existierenden zwei Weberknecht-Gruppen ähneln. Weberknechte haben sich demnach vor mehr als 300 Millionen Jahren in ihre Hauptgruppen gespalten und manche von ihnen haben seither ihren Körperbau kaum verändert. Weberknechte, oft als Opa Langbein bekannt, gehören zu den Spinnentieren. Obwohl sie wie Webspinnen aussehen, gehören sie einer anderen Spinnentiergruppe an. Sie erzeugen weder Fäden noch Gift. Weltweit gibt es rund 6500 lebende Weberknechtarten. Fossil überliefert sind nur etwa 30 bisher bekannten Arten, was Neufunde wissenschaftlich besonders spannend macht.

Eine internationale Forschergruppe, an der Dr. Jason Dunlop aus dem Museum für Naturkunde Berlin beteiligt war, hat zwei neue Fossilien vom Ende des Karbonzeitalters (305 Millionen Jahre alt) aus Mittelfrankreich (Montceau-les-Mines) beschrieben. Die fossilen Überreste sind in Steinknollen erhalten. Viele Weberknechte haben lange Beine, und es ist eine enorme Herausforderung, diese richtig abzubilden, wenn sie tief im Gestein sind. Um dieses Problem zu umgehen, haben die Wissenschaftler die Computertomographie eingesetzt, um das Loch im Stein, in welchem das Tier saß, zu scannen. Dadurch konnten hochauflösende 3D-Bilder erzeugt werden, die die Details wie Beinspitzen, Krallen oder Mundwerkzeuge gut darstellen.

Diese Studie belegt, dass beide Fossilien verblüffende Ähnlichkeit mit den heutigen Weberknechten haben. Das eine Tier hat die typische Form mit kleinem, rundem Körper und langen, dünnen Beinen, genau wie der heutzutage am häufigsten anzutreffende einheimische Weberknecht. Das andere Tier ist mit einem deutlich stacheligen Körper für uns ungewöhnlich, entsprechende Weberknechte leben aber noch heute in Nordamerika. Dank des guten Erhalts dieser Stücke war es möglich, Merkmale zu erkennen, um die Tiere sicher im Stammbaum zuzuordnen. Damit steht fest, dass die heute noch existierenden Weberknecht-Gruppen wie die Spinnentiere mit den langen, dünnen Beinen, die man häufig im Gebüsch findet - bereits vor 300 Millionen Jahren lebten. Somit haben sich die Weberknechte früher ihre moderne Form zugelegt, als die heutzutage viel erfolgreicheren Webspinnen.



Veröffentlicht in: Garwood, R. J., Dunlop, J. A. Giribet, G. & Sutton, M. D. Anatomically modern Carboniferous harvestmen demonstrate early cladogenesis and stasis in Opiliones. Nature Communications. DOI 10.1038/ncomms1458



Fotos erhalten Sie unter:
http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/OpaLangbein

Credit: Russell Garwood (CT Bilder) / Jason Dunlop (Zeichnung)



1. Seitenansicht (computertomographisches Bild) des fossilen Weberknechtes Ameticos scolos aus den 305 Millionen Jahre alten Steinkohlenwäldern Frankreichs.

2. Rückenansicht (computertomographisches Bild) des fossilen Weberknechtes Ameticos scolos aus den 305 Millionen Jahre alten Steinkohlenwäldern Frankreichs.

3. Video einer computertomographischen Nachbildung des fossilen Weberknechtes Macrogyion cronus aus den 305 Millionen Jahre alten Steinkohlwäldern Frankreichs.

4. Körperbau (computertomographisches Bild) des fossilen Weberknechtes Macrogyion cronus aus den 305 Millionen Jahre alten Steinkohlwäldern Frankreichs.

5. Gesamtüberblick einer computertomographischen Aufnahme des fossilen Weberknechtes Macrogyion cronus aus den 305 Millionen Jahre alte Steinkohlwäldern Frankreichs.

6. Zeichnung der gefundenen fossilen Weberknechte.



Kontakt:

Dr. Gesine Steiner, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49(0)30 2093 8917 Fax. +49(0)30 2093 8914, e-mail gesine.steiner@mfn-berlin.de; www.naturkundemuseum-berlin.de jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });


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