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Baumaßnahmen, um das maritime Flair des Mont-Saint-Michel wiederherzustellen

12.09.2003 - (idw) Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Mit mehr als 3,2 Millionen Touristen pro Jahr ist der Mont-Saint-Michel neben Paris der größte französische Touristenmagnet. Doch seit einiger Zeit hat dieser magische Ort ein bisschen von seinem Glanz verloren. Verschiedene Tourismusinfrastrukturen haben sich negativ auf diese einmalige Umwelt ausgewirkt, so dass die Bucht von Mont-Saint-Michel mit der Zeit vom Meer verlassen und langsam vom Land erobert wurde.


Satellitenbild der Bucht von Mont-Saint-Michel mit der Mündung des Flusses Couesnon. Die grauen Sandablagerungen sind ganz klar zu erkennen.
Die Abbildungen zeigen die verschiedenen Hauptpositionen, die der neue Damm einnehmen soll. Es wurde also dringend notwendig auf diese Veränderung zu reagieren, um das maritime Flair des Mont-Saint-Michel wiederzugewinnen. Aus diesem Grund wurde 1995 ein Projekt ins Leben gerufen, dessen Ziel es war, die negativen Auswirkungen des menschlichen Eingreifens wieder rückgängig zu machen. Nach verschiedenen Absprachen und eingehenden Forschungsstudien, die mehr als drei Jahre angedauert haben, wurde von den verantwortlichen Ministerien und höheren Kommissionen ein detaillierter technischer Aktionsplan bewilligt.
Zwischen 1995 und 1999 wurde unter anderem die hydrologische Modellierung und der Sedimenttransport rund um dem Mont-Saint-Michel untersucht. Das französische Ingenieurbüro Sogreah hat durch physikalische und numerische Rechnungen, wie auch anhand von Experimenten an einem 900 m2 großen dreidimensionalen detaillierten Modell der Bucht des Mont-Saint-Michel (43 km2), eine wissenschaftliche Studie durchgeführt. Ein Referenzexperiment über einen theoretischen Zeitraum von 45 Jahreszyklen konnte so die Zukunft der Bucht ohne zusätzliches menschliches Eingreifen in die eine oder andere Richtung ermitteln: im Jahre 2042 würde das Land weitere 50 Hektar erobern, die Bucht hätte dann definitiv und vollständig ihren einmaligen maritimen Charakter verloren.
Andere kürzere Versuche konnten eine effiziente Lösung durch Baumaßnahmen aufzeigen. Es kann effektiv gegen die Versandung angekämpft werden, indem die Infrastrukturen verschwinden, die die meisten Schäden verursacht haben. Schon nach kurzer Zeit werden die ersten Ergebnisse der Baumaßnahmen sichtbar sein. Laut aktueller Berechnungen werden nach 2 Jahren bereits 50 % der maritimen Fläche und nach 8 Jahren sogar 80 % ihren ursprünglichen Charakter wiedergefunden haben. Dies würde in der Tat einer Verjüngung von mehreren Dekaden gleichkommen. Diese Baumaßnahmen werden dennoch keinen negativen Einfluss auf die weitere Umgebung haben, weder auf die Austernkulturen, noch auf das Angeln. Außerdem können die Wanderer weiterhin das Ufer zu Fuß betreten und die natürliche Schönheit der Bucht genießen.
Im Mittelpunkt der Baumaßnahmen für die Versandung der Bucht und die Rückkehr des maritimen Flairs steht ein neuer Damm. Er soll ab 2004 zwischen dem Fluss Couesnon und dem Meer gebaut werden. Das französische Ingenieurbüro BRL hat ihn so konzipiert, dass er den Spülungseffekt des Flusses effizient kontrolliert und dadurch mit der Zeit die Versandung der Bucht erreicht (siehe Bild 2). Er setzt sich aus acht kreisförmigen Sektorwehren zusammen, die in beide Flussrichtungen arbeiten können und so die Füllung und die Spülung ermöglichen. Jedes Sektorwehr wird durch zwei hydraulische Zylinder gelenkt.
Der Damm wurde mit klassischen Technologien entworfen, die ihre Zuverlässigkeit bereits bewiesen haben. Die Hauptinnovation ist, dass er dank der kreisförmigen Sektorwehren in beiden Flussrichtungen funktioniert. Luc Weizmann, der Architekt des Dammes sagt dazu: " Zu Beginn war ich überzeugt, dass man für den Mont-Saint-Michel eine neue Technologie erfinden müsste. Aber in Wirklichkeit hat sich die Einfachheit gegenüber der technologischen Leistung durchgesetzt. Die Logik des Ortes steuert. "

Eine Vielfalt an Informationen über das Projekt sind auf Englisch abrufbar unter der Adresse:
http://www.projetmontsaintmichel.fr

Weitere Erläuterungen zum Bild 2 (im Link), das die Hauptpositionen des Damms zeigt:
Während der Anfangsphase der Flut, wo der Sedimenttransport am wichtigsten ist, bleibt zuerst der Damm geschlossen (Abb. 1). Dadurch wird eine neue Versandung weitgehend vermieden. In der zweiten Phase der Flut öffnet sich der Damm von oben durch die Bewegung der kreisförmigen Sektorwehren, der Damm füllt sich (Abb. 2). In der Anfangsphase der Ebbe bleibt der Damm geschlossen (Abb. 3). Wenn sich das Meer bereits stark zurückgezogen hat, wird der Damm unter Kontrolle geöffnet, so dass eine Stunde lang eine konstante Spülung stattfindet, die den Sand abträgt (Abb. 4).

Kontakt:
Claire Montémont, Information und Kommunikation für das Projekt
Email: claire.montemont@wanadoo.fr
Internetseite: http://www.projetmontsaintmichel.fr


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