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Der Fürst und sein Volk

03.06.2002 - (idw) Universität des Saarlandes

Herrscherlob und Herrscherkritik in den habsburgischen Ländern der frühen Neuzeit

Internationales Kolloquium der Arbeitsstelle für Österreichische Literatur und Kultur/Robert-Musil-Forschung (AfÖLK) sowie der Musikwissenschaft der Universität des Saarlandes
13. bis 15. Juni 2002

Die Arbeitsstelle für Österreichische Literatur und Kultur der Universität des Saarlandes (Direktor Prof. Dr. Pierre Béhar) veranstaltet vom 13. bis 15. Juni gemeinsam mit dem Musikwissenschaftlichen Institut (Prof. Dr. Herbert Schneider) ein internationales Kolloquium zum Thema Der Fürst und sein Volk. Herrscherlob und Herrscherkritik in den habsburgischen Ländern der frühen Neuzeit.

Die Tagung findet auf dem Saarbrücker Campus statt und beginnt am Donnerstag, dem 13. Juni um 9.00 Uhr (Campus, Gebäude 45, Rotunde Seminarraum 017) mit den Begrüßungsworten von Wissenschaftsminister Jürgen Schreier, der die Schirmherrschaft übernommen hat.

17 Referenten aus fünf Ländern (Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweiz) - durchweg international renommierte Barock-Experten - beschäftigen sich in ihren Referaten mit der frühen Neuzeit, insbesondere dem 17. Jahrhundert. In dieser Zeit beginnen in Europa die ersten großen modernen revolutionären Bewegungen - sei es im Aufstand in England gegen Karl I., der zu dessen Enthauptung und zur Ausrufung einer Republik führte, sei es in der französischen "Fronde", die die königliche Macht in ernste Gefahr brachte, sei es in dem Aufstand der böhmischen Stände gegen den Kaiser und König im Jahre 1618, der die ganze Geschichte des Heiligen Römischen Reichs während eines ganzen Jahrhunderts bestimmte.
Das Lob des Herrschers, das zu den obligaten Elementen der Hofopern, der triunfi, der "joyeuses entrées" und mancher Dramen war - um nur auf dem Gebiet des "Spectaculum" zu bleiben -, war in manchen Fällen oft auch der Anlass, eine Kritik an dem Herrscher zum Ausdruck zu bringen, umso mehr, als eine ausdrücklich negative Ausdrucksform verboten war. So verhält es sich in den schlesischen Dramen des 17. Jahrhunderts, in denen die Schlesier ihre Zurückhaltung der kaiserlichen Macht gegenüber formulierten, so auch bei manchen Einzügen in den spanischen Niederlanden oder in den habsburgischen Besitztümern auf der italienischen Halbinsel, oder noch selbst in Spanien, wo die ständige Bezeichnung des Herrscherhauses als "la Casa de Austria" oft darauf anspielte, dass Spanien eigentlich von einer fremden Dynastie regiert wurde. Selbst die Jesuiten, die sich als Stützen der Habsburger verstanden, formulierten manchmal beinahe bedrohlich klingende Warnungen an die herrschende Dynastie, falls diese sich für den Triumph der katholischen Sache nicht genug einsetzte. Reines Lob finden sich relativ selten, wie etwa in den von dem Kaiser selbst bestellten Opern, die zu einer Aufführung am kaiserlichen Hof bestimmt waren.

Das Programm im Internet (s.u.) gibt einen Einblick in das Spektrum der Untersuchung von Herrscherlob und Herrscherkritik. Zahlreiche Vorträge beschäftigen sich dezidiert mit der Vielfalt der musikalischen Verherrlichung und Kritik der habsburgischen Herrscher. Auf diese Weise werden alle Gebiete der habsburgischen Herrschaft in der frühen Neuzeit erfasst (das Reich, die südlichen Niederlande, die italienischen Gebiete, die spanischen Gebiete). Es handelt sich dabei um Besitztümer, die zum einen verschiedenen kulturellen Welten angehörten und zum anderen, gerade durch ihre gemeinsame Dynastie, einige Kulturmerkmale teilen. Vor diesem Hintergrund versteht sich das Kolloquium als entschieden grenzüberschreitend und interkulturell.
Die Veranstalter betonen: "Die Geistesgeschichte unserer Zeit hat, obwohl dies scheinbar immer weniger im Bewusstsein der Menschen verankert ist, bedeutende Teile ihrer Wurzeln in der frühen Neuzeit. Dass sich das Spektrum der im Kolloquium behandelten Themenbereiche über die Gebiete der habsburgischen Herrschaft in der frühen Neuzeit erstreckt und dies auch durch Wissenschaftler verschiedener Länder erörtert wird, gewährt eine wünschenswerte Internationalität in der Behandlung dieser Thematik."

Anlässlich des Kolloquiums wird eine kleine Auswahl von Faksimiles mit Bezug zum Hause Habsburg aus dem Programm der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt / Graz gezeigt werden.

Patrik H. Feltes, M.A.

(PR Arbeitsstelle für Österreichische Literatur und Kultur/Robert-Musil-Forschung (AfÖLK))
Weitere INFORMATIONEN
Veranstaltungsort für alle drei Kolloquiumstage
Universität, Gebäude 45, Rotunde I-Seminarraum 017
Arbeitsstelle für Österreichische Literatur und Kultur
Robert-Musil-Forschung Universität des Saarlandes
T: +49 (0) 681 302 3334 F: +49 (0) 681 302 3034
fzoelk@mx.uni-saarland.de;
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