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Weniger Hautschäden durch Dauerwellen und Latexallergien

16.09.2003 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Schutzmaßnahmen, Schulungen und Frühwarnsystem zeigen Wirkung / Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie tagte in Heidelberg

Hauterkrankungen sind die häufigste Berufskrankheit in Deutschland; sie machen etwa ein Drittel aller beruflich bedingten Erkrankungen aus. Rund 20.000 Verdachtsfälle werden jährlich gemeldet, doch Experten schätzen die Dunkelziffer um fünfzig- bis hundertfach höher. Durch gezielte Vorbeugemaßnahmen und Schulungen konnten in den letzten Jahren jedoch erhebliche Erfolge erzielt werden: Die Zahl der "Berufsdermatosen" ist in einigen Bereichen drastisch zurückgegangen, insbesondere bei Friseuren und bei Latexallergien im medizinisch-pflegerischen Bereich. Hier ist es weitgehend gelungen, Schadstoffe durch nicht irritierende Substanzen zu ersetzen.

"Diese Beispiele zeigen: Prävention kann erfolgreich sein und sich finanziell lohnen, da wesentlich weniger Behandlungen und Umschulungen erforderlich sind," erklärte Prof. Dr. Thomas Diepgen, Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Sozialmedizin, Berufs- und Umweltdermatologie des Universitätsklinikums Heidelberg. Anders dagegen in der Bauindustrie: Dort ist nach wie vor das stark irritierende Kaliumdichromat, das zu schweren Hauterkrankungen führen kann, in Baustoffen enthalten. Bei der 7. Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie, die vom 11. bis 13. September in Heidelberg stattfand, diskutierten rund 300 Experten neue Möglichkeiten zum Schutz vor Berufskrankheiten der Haut.

"Noch vor wenigen Jahren litten etwa sechs Prozent aller Friseure an einer berufsbedingten Hauterkrankung" berichtete Prof. Diepgen. Die Berufsdermatologen konnten eine wichtige Ursache identifizieren, das Glycerylmonothioglykolat, das für saure Dauerwellen verwendet wurde und mittlerweile aus dem Verkehr gezogen worden ist. Nach wie vor sind jedoch Friseure besonders gefährdet, denn ihr ständiger Kontakt mit Wasser und zahlreichen Zusatzstoffen schwächt die Widerstandsfähigkeit der Haut und macht sie besonders anfällig für allergische Reaktionen.

Wer ständig mit feuchten Stoffen arbeitet, ist stark gefährdet

"Generell sind alle Berufsgruppen gefährdet, die ständig mit feuchten Stoffen arbeiten", erklärte Professor Diepgen. Dazu gehören neben den Friseuren vor allem Bäcker, Galvaniseure, Floristen, Fliesenleger, Maler, Metall- und Oberflächenbearbeiter und Köche sowie mit steigendem Trend Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege. Fast immer sind Hände, mitunter auch die Unterarme betroffen. Meist handelt es sich bei der Berufsdermatose um ein irritatives Kontaktekzem, seltener um andere Ekzemtypen, Infektionen oder bösartige Tumore. Die Erkrankung tritt in der Regel wenige Jahre nach Eintritt ins Berufsleben auf. Für die Betroffenen bedeutet nicht dies nicht nur den drohenden Verlust des Arbeitsplatzes, möglicherweise sind sie nicht mehr in der Lage, ihren gerade erlernten Beruf auszuüben.

Dies soll jedoch mit Hilfe der Unterstützung der Berufsgenossenschaft (BG) vermieden werden. "Wir tun alles medizinisch Mögliche dafür, dass der Betroffene seinen Beruf behalten oder nach einer Umschulung in einem anderen Beruf tätig werden kann", erklärte Otto Blome, Leiter des Referats Berufskrankheiten beim Hauptverband der Berufsgenossenschaften, Sankt Augustin. Die BG arbeitet mit einem Netzwerk von Berufsdermatologen und Arbeitsmedizinern zusammen. Mit Hauttestungen gegen Allergene und Untersuchungen am Arbeitsplatz wird der auslösende Stoff dingfest gemacht und, sofern möglich, aus dem Produktionsprozess entfernt, oder es werden Schutzmaßnahmen wie Handschuhe oder eine besondere Hautbehandlung ergriffen.

Studienergebnis: Wer Schulungen mitmacht, hat weniger Beschwerden

Wichtige zusätzliche Maßnahme ist die Schulung des Betroffenen. Er soll lernen, sich vor dem auslösenden Stoff zu schützen und durch Pflege die Widerstandskraft seiner Haut zu erhöhen. "Schulungen verbessern die Behandlungsergebnisse bei hautkranken Patienten", erklärt Prof. Diepgen. "Wir konnten in einer Studie zeigen, dass geschulte Neurodermitis-Kranke weniger Beschwerden als ungeschulte Patienten haben."

Zum Erfolg der Berufsdermatologen hat in den vergangenen Jahren auch die Einführung eines Frühwarnsystems geführt. Zunehmend werden Verdachtsfälle von Berufsdermatosen in einem frühen Stadium an die Berufsgenossenschaft gemeldet. Die Hautärzte können anhand spezifischer Tests feststellen, ob eine Anfälligkeit vorliegt und welche Stoffe Auslöser sind. So lässt sich anhand ihrer gestiegenen Wasserabgabe feststellen, ob Hautbereiche bereits geschädigt sind. Dann können rechtzeitig Schutzmaßnahmen eingeleitet werden.

Weitere Informationen im Internet:

http://www.dermis.net

Die Abteilung Klinische Sozialmedizin, Berufs- und Umweltdermatologie des Universitätsklinikums Heidelberg hat unter www.dermis.net ein umfangreiches Informations- und Schulungsprogramm zu Hauterkrankungen entwickelt. Sie führt regelmäßige Schulungen zur Prävention von Berufsdermatosen durch.

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Diepgen 06221 / 56 8750

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/
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