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Aus den Archiven des Frobenius-Instituts: Ausstellung "Herbarium der Kultur"

05.10.2011 - (idw) Goethe-Universität Frankfurt am Main

In die Kellergewölbe des IG-Farben-Hauses verirren sich nur gelegentlich Besucher der Goethe-Universität. Dort lagern Hunderte von Archivalien des Frobenius-Instituts: Ethnographische Objekte von Tongefäßen und Tanzmasken bis zu Nackenstützen und Umbanda-Figuren, darüber hinaus Kopien von Felsbildern, Zeichnungen, Gemälden sowie zahlreiche Film- und Fotoaufnahmen. Vom 5. Oktober bis 12. November werden über 300 dieser Fundstücke in der Ausstellung Herbarium der Kultur im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Wiesbaden zu sehen sein. Das Forum Wissenschaft + Kunst lädt Besucher jeweils mittwochs bis samstags von 11 bis 18 Uhr zu einer besonderen Reise durch die Kulturen der Welt ein, die das Fremde erläutert und das Eigene gleichermaßen reflektiert.

Vor über hundert Jahren begann der bekannteste deutsche Ethnologe seiner Zeit, Leo Frobenius, eine Serie von zwölf Expeditionen nach Afrika. Seine Mitarbeiter reisten später auch nach Australien, Indonesien, Indien und Südamerika; im Gepäck hatten sie immer unzählige ethnographische Mitbringsel, Dokumente und Artefakte fremder unbekannter Kulturen. Anders als früher versuchen die Ethnologen heute nicht mehr, eine vom Forscher oder von Prozessen der Globalisierung unbeeinflusste Wirklichkeit zu konstruieren, erläutert der Kurator der Ausstellung, Privatdozent Dr. Holger Jebens den Wandel der Perspektive, der sich auch in den ausgestellten Objekten dokumentiert.

Heute untersuchen die Forscher, wie die Einflüsse der Globalisierung Kulturen scheinbar vereinheitlichen und wie kulturelle Aneignungsprozesse ablaufen. Es entstehen merkwürdige Misch-Objekte, die nun auch in Wiesbaden zu sehen sind wie ein nigerianisches Mercedes-Bett, eine brasilianische Umbanda-Statue, die an eine Figur aus einem Hollywood-Film erinnert, und ein indonesisches Motorrad aus Rattan. So können Gebrauchsgüter westlicher Herkunft zu exotischen Prestigeobjekten werden, sagt Prof. Karl-Heinz Kohl, Direktor des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität.

Das Frobenius-Institut gehört zu den wenigen ethnologischen Forschungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum. Ihre Archivalien künden von Expeditionen nach Afrika, Amerika, Südostasien und Ozeanien. Die Wiesbadener Ausstellung entwickelten Privatdozent Dr. Holger Jebens vom Frobenius-Institut und Dr. Markus Lindner vom Institut für Ethnologie der Goethe-Universität. Zur Ausstellung erscheint der Katalog Herbarium der Kultur. Ethnographische Objekte und Bilder aus den Archiven des Frobenius-Instituts, herausgegeben von Jebens unter Mitarbeit von Lindner, 152 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen, Frobenius-Institut 2011, Preis 19,95 Euro.

Informationen: Privatdozent Dr. Holger Jebens, Frobenius-Institut, Campus Westend, Telefon (069)798-33048 jebens@em.uni-frankfurt.de Alexandra Kurcsics, Forum Wissenschaft + Kunst, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Telefon (0611) 32 3462, Alexandra.Kurcsics@hmwk.hessen.de. jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });

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