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Bundeskongress Sozialarbeit im Gesundheitswesen: Ressourcen nutzen - Potenziale entfalten

13.10.2011 - (idw) Universitätsklinikum Münster

Psychosoziale Dimension von Erkrankungen muss stärker in den Vordergrund rücken Münster (dvsg/ukm). Die Psychosoziale Dimension muss im Gesundheitswesen stärker in den Vordergrund rücken: Diese Forderung vertritt die Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen (DVSG) bei ihrem Bundeskongress am 13. und 14. Oktober in Münster. Über 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen an der Veranstaltung teil, die nach 2009 bereits zum zweiten Mal in der Westfalenmetropole ausgerichtet wurde.

Psychosoziale Beratung und Begleitung sind im gesamten Gesundheitswesen wichtige Bausteine in der Versorgung gesundheitlich beeinträchtigter Menschen. Allerdings sind die Leistungen der Sozialen Arbeit nicht ausreichend im Gesundheitssystem verankert und es fehlt dafür eine gesicherte Finanzierungsgrundlage, sagt Ulrich Kurlemann, Vorstandsvorsitzender der DVSG und Leiter der Stabsstelle Sozialdienst/Case Management am Universi-tätsklinikum Münster (UKM). Der DVSG-Bundeskongress 2011 thematisiert wie und unter welchen Bedingungen sich gerade die vorhandenen Ressourcen und Potenziale der Sozia-len Arbeit für eine patientenorientierte, bedarfsgerechte, aber auch effektive Versorgung nutzen lassen.

Kranke oder verletzte, ältere, behinderte und pflegebedürftige Menschen brauchen in vielen Fällen neben der medizinischen und pflegerischen Versorgung Hilfen bei der Bewältigung der Krankheitsfolgen. Die Menschen benötigen in diesen einschneidenden, oft lebensbedrohenden Situationen eine kompetente Beratung, die ihnen eine Orientierung im komplizierten Gesundheitssystem gibt und sie individuell beim Zugang und der Organisation der notwendigen Hilfeleistungen - die in der Sozialgesetzgebung verankert sind - unterstützt, betont Ulrich Kurlemann. Die Zunahme komplexer und chronischer Erkrankungen und eine gleichzeitig alternde Gesellschaft sowie kurze Verweildauern im Krankenhaus führen zu einem wachsenden Bedarf an Rehabilitation, Pflege, alltagsnaher Unterstützung, so die Erfahrung der Experten.

Am Universitätsklinikum Münster stellt die Klinische Sozialarbeit neben Medizin und Pflege eine weitere Säule der optimalen Patientenversorgung dar. Gerade in einer Klinik der Maximalversorgung haben viele Patienten einen hohen Beratungsbedarf, erläutert Prof. Dr. Nor-bert Roeder, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM.

Oft steht nach Meinung der Experten ausschließlich die Behandlung von Erkrankungen und weniger der kranke Mensch in seiner eigenen Lebenswelt im Vordergrund der Betrachtung der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung. Soziale Arbeit hat den Anspruch, medizinische Befunde und Behandlungen mit psychosozialen Konzepten zu ergänzen. Die unterschiedlichen Dimensionen einer Erkrankung müssen wahrgenommen und insgesamt behandelt werden. So unverzichtbar die biologisch-körperlichen Aspekte in der Behandlung vieler Krankheiten auch sind, so wenig dürfen sich diese, insbesondere bei schwerwiegenden und chronischen Erkrankungen, nur auf diese rein medizinisch/pflegerische Dimension beschränken, so Ulrich Kurlemann.

In enger Verzahnung mit Medizin und Pflege beraten er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am UKM zu poststationärem Hilfe- und Versorgungsbedarf. Um die Versorgungskontinuität nach Entlassung aus dem UKM zu sichern, erschließen sie mit genauer Kenntnis der Versorgungssysteme soziale Netzwerke, leiten Reha-Maßnahmen ein, beraten zu weiterführenden Hilfen und koordinieren Leistungen unter Berücksichtigung der individuellen Krankheitssituation der Patientinnen und Patienten. So wurden beispielsweise am UKM im vergangenen Jahr über 7.000 Patienten beraten.

Das deutsche Sozialleistungssystem ist geprägt durch eine Vielzahl von Kostenträgern und verschiedenen Leistungserbringern. Akteure und Leistungen sind oft mangelhaft aufeinander abgestimmt. Dies führt für den Nutzer der Leistungen zu einer großen Unübersichtlichkeit des Systems. Diese sogenannte sektorale Leistungserbringung birgt die Gefahr, dass Brüche und Lücken in der Versorgung entstehen können. Zur Vermeidung von Versorgungs-schnittstellen sind Koordination und Vernetzung der Leistungen und Beteiligten am Versor-gungsprozess unerlässlich. Soziale Arbeit übernimmt an vielen Stellen diese Funktion Soziale Arbeit leistet psychosoziale Beratung und erbringt umfassende Vernetzungsleistungen zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitswesens und ist somit ein wichtiges Bindeglied zwischen der Akutversorgung und der Rehabilitation. Weiterhin ist Soziale Arbeit im Rahmen des Rehabilitationsprozesses ein unverzichtbarer Bestandteil der Rehabilitati-onskonzepte der Deutschen Rentenversicherung, erläutert der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, Thomas Keck.

Ein wesentliches Thema beim Kongress in Münster ist, wie und unter welchen Bedingungen, Konzepte zum Schnittstellenmanagement dazu beitragen können, die sektorenübergreifende Versorgung zu verbessern. Um die Anforderungen des Entlassungsmanagements kompe-tent im Sinne der Patienten erledigen zu können, sind eine hohe fachliche Kompetenz in der psychosozialen Betreuung, Beratungsexpertise, Kenntnis der Strukturen von regionalen Angeboten im ambulanten, teilstationären und stationären Gesundheits- wie Sozialbereich sowie Kenntnisse der Zugangs- und Finanzierungsmöglichkeiten zu Leistungen verschiedener Bereiche der Sozialgesetzbücher notwendig. Aus Sicht des Fachverbandes sind hierzu der Einsatz entsprechend qualifizierten Personals sowie die Refinanzierung der erforderlichen Personalanteile zwingend erforderlich. Gleichzeitig müssen geeignete Systemanreize zur Bildung funktionierender Kooperationen und vernetzter Strukturen sowie konkrete Vereinbarungen zur Sicherstellung der sektorenübergreifenden Versorgung geschaffen werden. jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });


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