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Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom spricht in Bielefeld

04.11.2011 - (idw) Universität Bielefeld

Politikwissenschaftlerin zu Gast am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld

Wenn Wiesen, Äcker, Fisch- oder auch Jagdgründe von allen Mitgliedern einer Gemeinschaft frei genutzt werden dürfen, spricht man von Gemeinschaftsgütern oder Allmenden. Sie basieren darauf, dass ihre Nutzer bescheiden sind und die Allmende nicht ausbeuten. Auch die Erde selbst mit ihrer Fähigkeit, Schadstoffe aufzunehmen, gilt als Gemeinschaftsgut mit begrenzten Ressourcen. Über Probleme bei der Nutzung von Gemeinschaftsgütern und mögliche Lösungen beim Umgang mit geteilten Ressourcen spricht die Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom am Mittwoch, 16. November, im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Der öffentliche Vortrag beginnt um 19.15 Uhr im Plenarsaal.

Die US-Amerikanerin Elinor Ostrom ist eine der führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Umweltökonomik. Die Politikwissenschaftlerin erhielt 2009 als erste Frau den Wirtschaftsnobelpreis. In ihrem Vortrag widmet sie sich der Frage, wie eine vernünftige Organisation der Ressourcennutzung ohne utopisch perfekte Eigentumsrechte und perfekten Staatseingriff aussehen kann. Dabei greift sie unter anderem auf verhaltenstheoretische Ansätze zur Erklärung menschlichen Handelns zurück und bezieht sich auf die Umwelt-Regulierungs-Debatte. Der Titel des Vortrags: Coevolving relationships between political science and economics (Gemeinsam entwickelte Verbindungen zwischen Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften).

Anders als viele ihrer Fachkollegen bezweifelt Ostrom, dass der Markt und feste Eigentumsrechte ausreichen, um die Probleme um die Nutzung von Gemeinschaftsgütern zu lösen. Staatseingriffe und auch die Mechanismen des Markts hält sie zwar für geeignet, um mit der Knappheit der natürlichen Umweltressourcen umzugehen sie lehnt es aber ab, ausschließ-lich auf den Staat, den Markt und zentral vorgeschriebene Regelungen als Allheilmittel zu setzen. Ostrom vertraut auf die menschliche Fähigkeit zur Selbstorganisation jenseits von Markt und Staat.

Elinor Ostrom hat sich stets geweigert, ausgetretene akademische Pfade zu beschreiten. Sie untersuchte, wie Fischer in der Türkei und Bergbauern in Japan den Umgang mit Gemeinschaftsgütern organisieren. Sie analysierte, wie die Selbstorganisation von Bewässerungssystemen in Spanien und auf den Philippinen funktioniert. Immer wieder fand sie die These bestätigt, dass Menschen ihr Handeln selbst organisieren und ihre Kollektivgutprobleme in den Griff bekommen können. Deutlich wurde auch, dass nicht alle Allmenden zwangsläufig tragisch übernutzt werden.

Elinor Ostrom ist nicht zum ersten Mal in Bielefeld. 1981 war sie als Gastforscherin am ZiF, 1987/88 spielte sie eine tragende Rolle in der ZiF-Forschungsgruppe Game Theory in the Behavioural Sciences (Spieltheorie in den Verhaltenswissenschaften), die von dem Spieltheoretiker Reinhard Selten geleitet wurde. In dieser Zeit begann sie mit ihrem grundlegenden Werk Governing the Commons (deutscher Titel: Die Verfassung der Allmende).

Das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) 1968 als Keimzelle der Universität Bielefeld gegründet fördert herausragende interdisziplinäre und innovative Forschungsprojekte und gilt als Ideengenerator für neue, ungewöhnliche und riskante Forschungsthemen. Das ZiF ist eine unabhängige, thematisch ungebundene Forschungseinrichtung und steht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Länder und aller Disziplinen offen.


Kontakt:
Trixi Valentin, Universität Bielefeld
Tagungsbüro des Zentrums für interdisziplinäre Forschung
Telefon: 0521 106-2769
E-Mail: trixi.valentin@uni-bielefeld.de jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });
Weitere Informationen: http://www.uni-bielefeld.de/ZIF/OeV/2011/11-16-Ostrom.html
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