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Bestmögliche Behandlung für Jeder-Mann

22.11.2011 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Magdeburger Urologe leitet Multicenter-Studie zur Qualitätssicherung in der operativen Prostatakrebs-Therapie. Männer, die wegen eines Prostatakarzinoms operiert werden müssen, sind heute im Durchschnitt 66 Jahre alt. Die Hälfte von ihnen hat schon vor Beginn der Behandlung Erektionsprobleme und die meisten Patienten benötigten während des chirurgischen Eingriffs weniger Bluttransfusionen als noch vor sechs Jahren.
Das sind nur einige Ergebnisse aus einer Analyse von Daten der ersten deutschen Internet-Datenbank über Prostatakrebs-Operationen, an deren Entwicklung Professor Dr. Martin Schostak, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Urologie, seit sechs Jahren maßgeblich beteiligt ist. Inzwischen enthält das Prostatakarzinom-Netzwerk www.prostata-ca.net medizinische Daten von mehr als 14.000 Patienten aus über 40 Urologischen Kliniken. In ihrer Art ist diese Datenbank einmalig in Europa, so Professor Schostak.
Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen haben die Wissenschaftler erstmals im renommierten Fachjournal British Journal of Urology (BJUI, 24. 8.2011) veröffentlicht.

In jüngster Vergangenheit wurden bei der Behandlung des Prostatakarzinoms eine Reihe von Fortschritten erzielt. Zur offenen radikalen Prostatektomie kamen weitere Verfahren wie die laparoskopische Prostatakapsel-Entfernung, die äußere Strahlentherapie, die innere Bestrahlung mit kleinen radioaktiven Kapseln, Kryo- und Ultraschall-HIFU-Therapie sowie Hormonbehandlungen hinzu. Die individuelle Beratung des Patienten spielt somit eine zunehmend immer wichtigere Rolle, sagt Professor Schostak. Nach seinem Wechsel von der Berliner Charité an das Magdeburger Universitätsklinikum im Juni 2011 begründete Professor Schostak eine interdiziplinäre Patientensprechstunde, in der er gemeinsam mit Prof. Dr. Günther Gademann von der Universitätsklinik für Strahlentherapie Männer mit einem Prostatakrebs berät. Die aus Patientensicht möglicherweise widersprüchlichen Mediziner-Aussagen werden so vermieden.

Damit Mediziner optimal beraten können, benötigen sie objektive wissenschaftliche Daten. Um diese Informationen zusammenzutragen, hat das Urologen-Team um Professor Schostak vor sechs Jahren eine medizinische Internet-Datenbank gegründet, in der mittlerweile eine große Zahl Urologischer Kliniken ihre Informationen u.a. zum Alter der Patienten, über die Operationsbefunde sowie über die Behandlung einspeisen. Die Internet-Basierte Multicenter-Datenbasis ist eine wichtige Grundlage für die Qualitätssicherung der Therapie des Prostatakarzinoms, sagt Professor Schostak. Sie enthält derzeit die medizinischen Daten von mehr als 14.000 Patienten, die seit dem Jahr 2005 in Deutschland an Prostatakrebs operiert wurden.

Die sogenannte radikale Prostatektomie, bei der die Prostata chirurgisch entfernt wird, gilt als die effektivste Methode, die Ausbreitung der Tumorzellen zu verhindern, sofern sie noch nicht die Prostatakapsel durchbrochen haben. In mehr als 70 Prozent der Fälle entscheiden sich deutsche Urologen zu der offenen Radikal-Operation, so die Auswertungsergebnisse des Datennetzwerkes. Vorteil der radikalen Prostatektomie ist, dass die Nachsorge relativ einfach ist, weil der Tumormarker PSA (Prostataspezifisches Antigen) durch Entfernung der Prostata auf Null reduziert wird.

Die Internet-Datenbank zeigt ein hohes Behandlungsniveau aller Behandlungszentren im betrachteten Zeitraum von 2005 bis 2008, sagt Professor Schostak. Der erfreulichen Abnahme von Bluttransfusionen und operativer Nachbehandlungen steht jedoch eine Zunahme von Patienten gegenüber, die in einem fortgeschrittenen Tumorstadium mit Lymphknotenbefall operiert werden. Die Datenbank ermöglicht dem Behandler, seine eigenen Ergebnisse durch einen Vergleich mit dem Durchschnitt aller anderen Kliniken zu bewerten. So können Fehler aufgedeckt und in Zukunft vermieden werden.

Die Auswertung erfolgt kontinuierlich, weitere Publikationen über die Folgejahre sind in Vorbereitung und werden beleuchten, ob dadurch die allgemeine Behandlungsqualität weiter steigt.

Originalbeitrag:
Schostak M, Baumunk D, Jagota A, Klopf C, Winter A, Schäfers S, Kössler R, Brennecke V, Fischer T, Hagel S, Höchel S, Jäkel D, Lehsnau M, Krege S, Rüffert B, Pretzer J, Becht E, Zegenhagen T, Miller K, Weikert S for the Prostate Cancer Project Group of the Berlin Tumor Center, Inc., Germany: Time trends in prostate cancer surgery: data from an Internet-based multicentre database. BJU Int. 2011 Aug 24

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21883819


Kontakt:
Prof. Dr. med. Martin Schostak
Direktor der Universitätsklinik für Urologie und Kinderurologie
Universitätsklinikum Magdeburg
Tel.: +49 391 67 15036
Fax.: +49 391 67 15094
martin.schostak@med.ovgu.de
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