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Essanfälle online behandeln - Leipziger Forscher testen Internettherapie bei Binge Eating-Störung

28.11.2011 - (idw) Universitätsklinikum Leipzig AöR

Leipzig Menschen mit Binge Eating-Störung leiden an immer wieder kehrenden Essanfällen. Innerhalb kürzester Zeit verschlingen sie große Mengen an Lebensmitteln und verlieren dabei völlig die Kontrolle über ihr Verhalten. Experten schätzen, dass rund zwei Prozent der Bevölkerung von dieser Störung betroffen sein könnte, rund zwei Drittel davon Frauen. Um Betroffenen zu helfen, haben Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig eine Internettherapie entwickelt, die speziell auf Binge Eating ausgerichtet ist. Uns interessiert ob - und wenn ja, wie nachhaltig - sich eine Binge Eating-Essstörung mittels einer internetbasierten Verhaltenstherapie behandeln lässt, sagt Professor Dr. med. Anette Kersting, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig und Leiterin der Studie. Die Internettherapie biete gegenüber regulären Therapien manche Vorteile. Die Hemmschwelle, sich professionelle Hilfe zu holen ist durch die im Internet gegebene Anonymität viel geringer als bei regulären, ambulanten Therapien, so die Expertin.

Binge Eating hat mit Genuss am Essen meist wenig zu tun: Im Laufe eines Rauschs setzt bei den meist übergewichtigen Patienten Ekel und Abscheu vor den Speisen und die Scham darüber ein, den Anfall nicht aufhalten zu können. Manche Patienten beschreiben ihren Zustand während einer Essattacke als eine Art Trance sie fühlen sich, als seien es nicht sie selbst, die handeln.

Im Rahmen der Leipziger Studie erhalten Binge Eating-Betroffene die Internettherapie über einen Zeitraum von vier Monaten. Dabei kommunizieren Patient und Therapeut ausschließlich in Schriftform. Wichtige Bestandteile der Therapie sind wöchentliche Schreibaufgaben zum Essverhalten beispielsweise das Beschreiben einer typischen Situation, in der ein Essanfall auftritt oder auch das Führen täglicher Esstagebücher. Diese Art der Selbstbeobachtung soll die Grundlage für den Patienten schaffen, ein neues und regelmäßiges Essverhalten zu erlernen. Aber auch das Einüben von regelmäßigem und gesundem Essen, das Erstellen von Tagesplänen mit Bewegung und Sport und die Arbeit am Selbstbewusstsein im Hinblick auf das eigene Körperbild sind Teil der Behandlung. Die Wirksamkeit der internetbasierten Psychotherapie messen die Wissenschaftler, indem sie ihre Patienten mit Betroffenen vergleichen, die derzeit keine Therapie erhalten. Dabei vergleichen sie beispielsweise die Anzahl der Tage, an denen Essanfälle auftreten.

Die verschiedenen Studien zur Wirksamkeit internetbasierter Verhaltenstherapien, die wir an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Leipzig zuvor bereits durchgeführt haben, zeigten, dass solche Therapien ähnlich gut und dauerhaft wirken wie vergleichbare ambulante Behandlungen, so Professor Kersting. Die Expertin weist aber auch auf die Grenzen dieser neuen Form der Therapie hin: Patienten mit einer komplexen Psychopathologie oder auch Suizidgefährdete können über das Internet sicherlich nicht angemessen und ausreichend betreut werden.

Gerade bei psychischen Leiden, die mit Scham und der Angst vor Stigmatisierung verbunden sind, könnte die Internettherapie eine Alternative zur herkömmlichen face-to-face-Therapie sein, sind die Leipziger Wissenschaftler überzeugt. Patienten sprechen während der Online-Therapie vertrauensvoll ihre Probleme an, so Kersting. Auch Betroffene, die aus geografischen oder zeitlichen Gründen keine ambulante Therapie in Anspruch nehmen würden, könnten von einer internetbasierten Therapie profitieren.

In Zukunft sei auf dem Gebiet der internetbasierten Psychotherapie noch viel Forschungsarbeit notwendig, so die Wissenschaftlerin: So sei zu klären, bei welchen Störungen diese Form der Behandlung geeignet sei, wie lange deren Wirkung anhalte oder auch wie sich die virtuelle im Detail von der ambulanten Form unterscheiden müsse.


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Weitere Informationen: http://psychsom.uniklinikum-leipzig.de
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