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RUB-Ökonom: Verbriefung ist kein Allheilmittel für Banken und Mittelstand

25.09.2003 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die so genannte Verbriefung ist kein "Allheilmittel, weder zur Finanzierung des Mittelstands, noch zur Wertsteigerung in den Banken", sagte der Bochumer Ökonom Prof. Dr. Stephan Paul heute auf dem 57. deutschen Betriebswirtschafter-Tag in Berlin. Paul warnt vor gefährlichen Pauschalurteilen und fordert stattdessen eine nüchterne Bestandaufnahme.

Bochum, 24.09.2003
Nr. 298


ABS: Weg mit den Mythen
Verbriefung kein Allheilmittel für Banken und Mittelstand
RUB-Ökonom warnt vor gefährlichen Pauschalurteilen


Die Asset Backed Securities (ABS) setzen - vergleichbar mit dem ABS im Auto - blockierte Liquidität in Banken frei: Dabei lagern Banken Kredite in Zweckgesellschaften aus, die sich wiederum durch Wertpapiere refinanzieren. Diese so genannte Verbriefung sei jedoch kein "Allheilmittel, weder zur Finanzierung des Mittelstands, noch zur Wertsteigerung in den Banken", sagte Prof. Dr. Stephan Paul (Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft der RUB, ikf) heute auf dem 57. deutschen Betriebswirtschafter-Tag in Berlin. Der Bochumer Ökonom warnt vor gefährlichen Pauschalurteilen und fordert stattdessen eine nüchterne Bestandaufnahme.

Finanzierung des Mittelstands via ABS?

"Der Vorteil der aufwändigen Verbriefungskonstruktionen hängt entscheidend von der Wiederverwendung der Liquidität ab", so Paul. Das Hauptziel, den Mittelstand zu fördern, werde nur dann erreicht, wenn die bei Banken freigewordenen Mittel von diesen auch tatsächlich wieder in das Mittelstandsegment investiert würden. Verschiedene Erhebungen des Bochumer ikf in den letzten Monaten unter insgesamt mehr als 6.000 mittelständischen Unternehmen in NRW zeigen jedoch, dass hier Skepsis angebracht ist: In der derzeitigen Strukturkrise der Kreditwirtschaft vermeiden Banken in vielen Fällen das Kreditgeschäft mit dem angeschlagenen Mittelstand. Mit Blick auf die Banken zeigen Untersuchungen des ikf außerdem, dass sich der Marktwert von Banken nach Verbriefungen nicht automatisch erhöht.

Verbesserte Risikosteuerung in Banken?

Paul betonte in Berlin, dass es notwendig sei, die Behandlung der ABS im Basel II-Paket zu ändern, um ein ebenes Spielfeld zu schaffen. Ab 2007 ist geplant, EU-weit neue Eigenkapitalregeln für Banken einzuführen (Basel II genannt). Paul: "Dann müssen gleiche Risiken auch zu einer identischen Eigenkapitalunterlegung führen - unabhängig davon, bei wem die Risiken liegen. Es darf nicht sein, dass der vorgeschriebene Risikopuffer nach einer Kreditverbriefung höher ist als vorher." Gegen diese Gebote verstoßen die jüngst vorgelegten Regelungsentwürfe gleich mehrfach, so Paul. Dies blockiere die grundsätzlich förderungswürdige Entwicklung der ABS-Finanzierung als Mittel der Risikosteuerung der Banken.

Weitere Informationen

Dr. Stefan Stein, Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft (ikf), Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der RUB, Tel. 0234/32-25344, E-Mail: stefan.stein@rub.de
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