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Schreibberatung an der Hochschule Konstanz: Projekt mit landesweitem Modellcharakter

21.12.2011 - (idw) Hochschule Konstanz

Zwei Sprachprofis beraten an der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) Studierende wie auch Lehrende im akademischen und professionellen Schreiben. Mit der Etablierung der "Schreibberatung" wurde ein Projekt mit landesweitem Modellcharakter ins Leben gerufen. Die Beratungsziele erstrecken sich vom Abbau von Schreibblockaden über schlüssige Textgestaltung bis hin zum wissenschaftlichen Zitieren. Schreiben muss jeder weiterhin selbst: Wir sind kein Lektorat, sondern leisten Hilfe zur Selbsthilfe, stellt Schreibberaterin Dr. Monika Oertner klar. Hochschulen für angewandte Wissenschaften bieten überwiegend Technik-Studiengänge an. Der professionelle Umgang mit Sprache wird hier eher stiefmütterlich behandelt. So fehlt an baden-württembergischen Fachhochschulen meist, was an wenigen Universitäten in Deutschland und an ca. 90 Prozent der amerikanischen Universitäten selbstverständlich ist: Beratung im Verfassen von Texten. Seit November diesen Jahres haben Dr. Monika Oertner und Peter Wurz, M.A., ihr Büro an der HTWG geöffnet und bieten individuelle Beratung an.
Der Bedarf ist groß, sagt Prof. Dr. Volker Friedrich, der die Etablierung der Schreibberatung gemeinsam mit seinen Kollegen Prof. Dr. Gabriele Thelen und Prof. Dr. Christian Krekeler initiiert hat. Die Studierenden aller Fächer sind immer wieder mit sprachlichen Herausforderungen konfrontiert: Sie schreiben Labor- und Werkstattberichte, Seminararbeiten und Abschlussarbeiten, bereiten Referate und Präsentationen vor, bewerben sich um Praktika und später um einen Arbeitsplatz. Ein professioneller Einsatz von Sprache ist das gesamte Studium über nötig und noch viel mehr im Berufsleben, wenn die eigene Kompetenz nicht nur Fachkollegen gegenüber nachgewiesen werden soll. Auch Informatiker müssen Kunden Angebote unterbreiten, Bauingenieure müssen mit verschiedensten Berufsgruppen verständlich kommunizieren können, Elektrotechniker eine schlüssige Gebrauchsanweisung verfassen können, führt Dr. Monika Oertner aus.
Gerade weil das Studium an einer Fachhochschule auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereiten wolle, sei auch an diesem Hochschultypus die Fähigkeit zum Schreiben zu fördern, befindet Volker Friedrich. Er lehrt Schreiben und Rhetorik und leitet das Institut für professionelles Schreiben (IPS) an der Hochschule Konstanz auch diese Professur und das Institut sind landes- und sogar bundesweit ein Unikum. Auf Initiative des Instituts hin fördert das Land Baden-Württemberg die Schreibberatung an der HTWG. Die Mittel dazu stammen aus dem Innovations- und Qualitätsfonds, mit dem das Land Modellvorhaben in der Lehre finanziert.
Die Profis, die für den Aufbau der Schreibberatung gewonnen werden konnten, haben sich ihr bisheriges Berufsleben lang intensiv mit verschiedensten Textarten beschäftigt. Dr. Monika Oertner hat als Verlagslektorin sowohl wissenschaftliche Veröffentlichungen, Sachbücher als auch Belletristik begleitet. Peter Wurz hat als studierter Pädagoge und Fachredakteur bei verschiedenen Verlagen gearbeitet und als Schlussredakteur eines internationalen Pressehauses dafür gesorgt, dass die auflagenstarken Magazine fehlerfrei in Druck gingen.
Beiden ist es ein Anliegen, dass Sprache zum besseren Verstehen und Vermitteln von Wissen beiträgt. Vorbehalte oder Unsicherheiten bräuchten Studierende wie Lehrende gegenüber ihrer Beratung nicht haben. Niemand kommt als Schreibgenie zur Welt, Schreiben ist Übungssache und entwickelt sich erst im Schreiben weiter, sagt Dr. Monika Oertner.
Die Schreibberater hoffen, dass ihre Klienten die positiven Effekte der Beratung erkennen und weitergeben. Wir können Lehrenden die Arbeit erleichtern. Wir beraten die Studierenden bei allen Fragen zum Schreibprozess, sodass die Dozentinnen und Dozenten sich in der Sprechstunde auf die Klärung von Fachfragen konzentrieren können, stellt Peter Wurz heraus. Für die Schreibberater ist deshalb die Kenntnis der Bedürfnisse des jeweiligen Fachbereichs sehr wichtig. Wir möchten zunächst herausfinden, welche fachspezifischen Schreibanlässe es gibt, welche Textarten in den verschiedenen Berufsbildern benötigt werden und wo die Fakultäten Hauptschwierigkeiten sehen, erläutert Peter Wurz.
Der Beratungsservice wird bereits gut nachgefragt, die ersten Ratsuchenden waren Studierende des Kommunikationsdesigns und der Betriebswirtschaftslehre. Die Schreibberater sehen sich als Dienstleister für alle Studiengänge und hoffen, dass in Zukunft auch die technischen Fächer verstärkt auf das neue Angebot aufmerksam werden. Ab dem Sommersemester 2012 wird es auch Schreibkurse im Rahmen des Studium generale geben.


Vom Konstanzer Modell sollen weitere Hochschulen profitieren können. Das Institut für professionelles Schreiben verspricht sich wertvolle Erfahrungen aus der Arbeit der kommenden Semester, die in einer Studie erhoben und verarbeitet werden sollen. jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });
Weitere Informationen: http://www.htwg-konstanz.de/schreibberatung
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