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Der Mensch als komplexes "Netzwerk"

26.09.2003 - (idw) Klinikum der Universität München

Begriffe wie 'Seele-Körper-Netzwerk'' oder 'Mind-Body Medizin' sind derzeit in aller Munde. Diese Begriffe stützen sich auf eine relativ junge Forschungsstrategie, die sich in ihrem Ansatz weitgehend von dem der klassischen wissenschaftlichen Disziplinen unterscheidet: Die "Psycho-neuro-endokrino-immunologie", kurz 'PNI'.

Die PNI hat begonnen, die einzelnen Systeme des Organismus nicht mehr getrennt zu betrachten, sondern erforscht die gegenseitige Beeinflussung dieser Systeme. Der Mensch wird also als komplexes "Netzwerk" gesehen und nicht mehr in Einzelteilen analysiert. Psyche, Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem stehen in sehr viel engerem Informationsaustausch, als man bis vor wenigen Jahren angenommen hatte.

Deutschsprachige Forscher, die auf diesem Gebiet tätig sind, schlossen sich zum 'German Brain Immune Network' (GEBIN) zusammen. Diese wissenschaftliche Gesellschaft veranstaltet von 30. September bis 2. Oktober 2003 in den Räumen der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München einen Kongress mit international renommierten Teilnehmern einschließlich Gästen aus dem europäischen Ausland, USA und Australien. Das Programm beinhaltet fünf thematische Schwerpunkte:

1) Immunologische Ursachen von Erkrankungen des Nervensystems
2) Die Rolle des Immunsystems und des Hormonsystems bei psychiatrischen Erkrankungen
3) Periphere Interaktionen zwischen Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem
4) Neuronale und Hormonelle Steuerung der Immunantwort
5) Der Einfluss von Stress und Verhalten auf die Immunantwort

Einige Beispiele aus dem Inhalt:
R. Hohlfeld (München) berichtet über neueste neuroimmunologische Erkenntnisse in der Erforschung der Multiplen Sklerose; weiterhin wird aus diesem Themenbereich beispielsweise über die Rolle des Tryptophan - der Vorstufe des Nervenbotenstoffes Serotonin - im Rahmen der Immunantwort berichtet. Zu den psychiatrischen Erkrankungen werden in verschiedenen Beiträgen die Rolle immunologisch wichtiger Gene als Risikofaktoren für die Entstehung der Schizophrenie diskutiert. Gleichzeitig präsentiert N. Müller (München) Ergebnisse einer soeben abgeschlossenen Studie zur Wirksamkeit eines das Immunsystem beeinflussenden Medikamentes bei Schizophrenie. Bezüglich der Depression wird auf die Interaktion zwischen Stresshormonsystem und Immunsystem eingegangen.
Zum Thema periphere Interaktionen zwischen Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem werden Studien zur Auswirkung von Nervenbotenstoffen auf die Funktion von Immunzellen, oder umgekehrt zum Effekt von Immunbotenstoffen auf beispielsweise Opiatrezeptoren. Die Gruppe um R. Straub (Regensburg) wird in Hinblick auf die rheumatoide Arthritis zeigen, in wie weit das sympathische Nervensystem den Verlauf von Gelenkentzündungen beeinflusst. Die Auswirkungen verschiedener Hormone auf die Bildung von Immunbotenstoffen berichten unter anderen Jan Born und Kollegen (Lübeck). M. Schedlowski und Kollegen (Essen) unterbrachen die Nervenverbindung des vegetativen Nervensystems und untersuchten die Auswirkung auf die Immunzellaktivität. Die Gruppe um Hugo Besedovsky und Adriana del Rey wird über das Zusammenspiel von Hormonsystem und Immunsystem bei der Entwicklung der Lungentuberkulose berichten.

Das vollständige Programm mit insgesamt über 80 Beiträgen ist online auf der Website des GEBIN abrufbar´.

Am Mittwoch, den 1. Oktober 2003 wird um 17.00 Uhr im Alzheimer-Saal der Psychiatrischen Klinik (Nußbaumstr. 7, 80336 München) eine Pressekonferenz stattfinden. An dieser Konferenz werden teilnehmen: Hugo O. Besedovsky (Marburg), Jan Born (Lübeck), Adriana del Rey (Marburg), Norbert Müller (München), Thomas Pollmächer (München), Peter Rieckmann (Würzburg), Manfred Schedlowski (Essen), Volker Stefanski (Bayreuth), Rainer H. Straub (Regensburg), Karlheinz Voigt (Marburg).

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an das Kongresssekretariat Frau Karin Koelbert, Tel.: 089-5160-5331; Karin.Koelbert@psy.med.uni-muenchen.de.

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