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Zur Integration von Ausländern in Deutschland

27.09.2003 - (idw) Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

Überwiegend erfolgreich, aber ohne klares Konzept
Die Integration von Ausländern in Deutschland


(Berlin) Die Lebensverhältnisse der ausländischen Bevölkerung hierzulande haben sich zwischen 1985 und 2000 messbar denen der Deutschen angenähert. Obwohl die meisten Ausländer hier bleiben wollen, empfinden die wenigsten jedoch ausschließlich Deutschland als Heimat: am ehesten noch Kroaten, Slowenen und Griechen, kaum aber Türken. In einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) spricht sich ihr Autor Wilhelm Hinrichs dafür aus, schlüssige Konzepte statt des bisher eher zufälligen Integrationsprozesses zu entwickeln.

Denn noch hat Deutschland sich nicht auf ein staatliches Grundkonzept systematischer Ausländerintegration festgelegt. Ausländer konnten sich bei Wahrung ihrer kulturellen Eigenheiten zumeist pragmatisch und selektiv verhalten und - langfristig betrachtet - ihre Lebensverhältnisse so gestalten, wie sie sie bei den Deutschen sahen. Die weitere Entwicklung hin zur Integration vollzieht sich angesichts wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen jedoch nicht mehr im Selbstlauf, sondern die Politik müsste eingreifen, so Wilhelm Hinrichs.

Erreichten 1986 erst 30 Prozent der ausländischen Kinder eine über dem Hauptschulabschluss liegende Allgemeinbildung, so waren es im Jahre 2001 rund 40 Prozent. Ausländische Haushalte konnten auch ihre Wohnverhältnisse verbessern: 34 Prozent waren 1985 ohne Zentralheizung, heute sind es nur noch 15 Prozent. Und die Kontakte zur deutschen Bevölkerung haben sich intensiviert. Ein Zeichen dafür mag sein, dass mehr als 80.000 ausländische Personen jährlich vor deutschen Standesämtern heiraten. In etwa 70 Prozent dieser Fälle sind Deutsche beteiligt.

Auch bei den Familienstrukturen sind Annäherungen an deutsche Verhältnisse erkennbar. Es gibt bei Ausländern ebenfalls eine Tendenz zur Verkleinerung der Haushalte, der Familientyp der Alleinerziehenden gewinnt an Boden, und häufiger definieren Frauen sich als Haushaltsvorstand. Nach wie vor bleiben jedoch Unterschiede. So führte nachlassendes Wirtschaftswachstum zu geringerer Erwerbsbeteiligung und höherer Abhängigkeit von Sozialtransfers (Arbeitslosengeld, Sozialhilfe etc.) bei Ausländern, die Arbeitslosenrate stieg von 13 auf 18 Prozent und ist damit fast doppelt so hoch wie die der deutschen Bevölkerung.

Unterschiede gibt es auch darin, wie weit Ausländer sich mit deutscher Politik und dem deutschen Staat identifizieren. Trotz fester Bleibeabsicht und hoher Zufriedenheit mit der Situation in Deutschland wird die Verbundenheit mit dem Heimatland mehrheitlich nicht aufgegeben.

Eine künftige Integrationspolitik kann jedoch nicht einfach die in der Diskussion befindlichen Modelle wie das "Multikulturalismusmodell", "Assimilationsmodell" oder "Konfliktmodell" übernehmen, da sie jeweils verschiedene Schwächen aufweisen. Sie sind nämlich - bezogen auf einzelne Prozesse, Lebensbereiche und Gruppen - von begrenztem Wert für Integration insgesamt. Der WZB-Soziologe Wilhelm Hinrichs schlägt daher ein "universalistisches Modell" vor, das an humanistische Werte und Ziele anknüpft, die in allen entwickelten Gesellschaften akzeptiert werden. Dazu zählen unter anderem Achtung der Würde und persönlichen Integrität des Anderen, Kompromissfähigkeit, Balance zwischen Eigennutz- und Gemeinwohlorientierung, Solidarität mit den Schwächeren und Ehrfurcht gegenüber den natürlichen Lebensgrundlagen. Solche Werte bilden das Dach, unter dem die bekannten Modelle jeweils ihre begrenzte Wirkung entfalten können.


Weitere Informationen: Dr. Wilhelm Hinrichs,

Telefon: 030-25 49 13 78,
E-Mail: hinrichs@wz-berlin.de

Wilhelm Hinrichs, "Mit dem Heimatland verbunden - Integration von Ausländern in Deutschland 1985 / 2000", in: WZB-Mitteilungen, Heft 101, September 2003, S. 28-31

Wilhelm Hinrichs, Ausländische Bevölkerungsgruppen in Deutschland - Integrationschancen 1985 und 2000, 61 S. (WZB-Bestellnummer SP I 2003-202)

Hinweis: Vom 28. September bis 4. Oktober findet bundesweit die "Woche des ausländischen Mitbürgers" (Interkulturelle Woche) statt. Veranstalter sind seit 25 Jahren die Evangelische Kirche in Deutschland, die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland.
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