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BioÖkonomieRat empfiehlt Nutzung der Bioenergie zu korrigieren

20.01.2012 - (idw) Forschungs- und Technologierat Bioökonomie (BioÖkonomieRat)

Berlin, 20. Januar 2012. Der Ausbau der Bioenergie im Zuge der Energiewende sollte sich nach Einschätzung des BioÖkonomieRats der Bundesregierung stärker an Kriterien der Wirtschaftlichkeit orientieren und der Ernährungssicherung Priorität einräumen. Noch höhere Importe von Agrarrohstoffen für die Bioenergiegewinnung dürfen nicht dazu führen, dass der Welthunger weiter zunimmt. Die Ernährungssicherung muss Vorrang vor dem Ausbau der Bioenergie haben, sagte der Vorsitzende des BioÖkonomieRats Reinhard F. Hüttl heute bei der Vorstellung von Empfehlungen zur Bioenergie anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Eine Strategie zur Nutzung der Bioenergie müsse zudem Umwelt- und Klimaschutzaspekte sowie Effizienzsteigerungen und Forschung in verbesserte Technologien stärker betonen. Kritisch sieht das Papier die bestehenden Förderinstrumente für die Bioenergie.
Der BioÖkonomieRat bemängelt, dass durch die Förderung der Bioenergie enorme volkswirtschaftliche Kosten entstehen, die über die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und die dadurch steigenden Energiepreise private Haushalte und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsunternehmen belasten. Gleichzeitig würden die Förderinstrumente dazu führen, dass der kommerzielle Wert landwirtschaftlicher Erzeugnisse für die Energieumwandlung teilweise höher sei, als bei der Nahrungs- oder Futtermittelnutzung. Wenn ein landwirtschaftliches Produkt als Energieträger lukrativer ist, dann widerspricht das dem Primat der Ernährungssicherung, sagte Fritz Vahrenholt, Vorsitzender der Geschäftsführung RWE Innogy GmbH und Leiter der Arbeitsgruppe Bioenergie des BioÖkonomieRats.
Fritz Vahrenholt plädierte deshalb dafür, die Subventionierung der Bioenergie auf den Prüfstand zu stellen: Förderinstrumente und -ziele müssen stärker aufeinander abgestimmt und wirtschaftlicher sowie bedarfsgerechter ausgestaltet werden. Da Bioenergie als grundlastfähiger und speicherbarer Energieträger als Systemstütze für die Energiewende dienen muss, sollte die bestehende Förderung stärker auf diesen Aspekt ausgerichtet werden. In Frage stellte Vahrenholt auch das Ziel einer unkoordiniert zunehmenden Bioenergie-Nutzung in allen drei Verwendungsbereichen Verkehr, Wärme und Strom gleichzeitig. Biomasse als Grundlage für die Erzeugung von Bioenergie ist eine begrenzte Ressource. Wenn wir sie in allen Bereichen einsetzen, geht dies nur über eine Ausweitung der Importe.
Für eine wirtschaftlichere und nachhaltigere Bioenergienutzung sind nach den Worten von Reinhard F. Hüttl erhebliche Effizienzsteigerungen nötig. Damit Konflikte zwischen dem Anbau von Energiepflanzen und Nahrungsmitteln nicht noch weiter zunehmen, müssen wir die Energieerträge pro Flächeneinheit steigern, Rest- und Abfallstoffe besser verwerten und Restflächen stärker nutzen, die nicht für den Nahrungsmittel- und Futtermittelanbau geeignet sind. Zudem seien erhebliche Forschungsanstrengungen notwendig, um die Wirkungsgrade von Biomassekraftwerken und Biokraftstoffen sowie innovative Methoden wie die Energiegewinnung aus Mikroalgen zu verbessern.
Auch im Hinblick auf die Verbesserung der schlechten Klimabilanz der Bioenergie seien laut Reinhard F. Hüttl noch erhebliche Forschungs- und Innovationsanstrengungen notwendig. Die Empfehlungen bemängeln den hohen Energieeinsatz für Anbau, Pflege und Ernte von Energiepflanzen sowie für die dafür benötigten Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Der BioÖkonomieRat empfiehlt deshalb, negative Auswirkungen auf Natur, Umwelt und Klima zu reduzieren und eine positive Klimabilanz über die gesamte Wertschöpfung vom Anbau der Energiepflanzen bis zur Reststoffverwertung zu erreichen.
Um die Bioenergienutzung auszuweiten, empfiehlt der BioÖkonomieRat, den Konflikt zwischen dem Anbau von Biomasse für die Nahrungs- und Futtermittelerzeugung und dem als Energieträger zu überwinden. Da die hiesigen Ackerflächen nicht ausreichen, um genügend Biomasse für die Ziele zum Ausbau der Bioenergie bereit zu stellen, importiert Deutschland schon heute ca. 40 Prozent der hierzulande verarbeiteten Biomasse. Unsere Bioenergie-Importe dürfen nicht zu negativen ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen in den Herkunftsländern führen. Zurzeit verstärkt die Bioenergienutzung die Nahrungsmittelknappheit und erhöht Nahrungsmittel- und Landpreise, was zu politischen Unruhen in den Entwicklungs- und Schwellenländern führen kann, sagte Joachim von Braun, Direktor am Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) und stellvertretender Vorsitzender des BioÖkonomieRats. Er forderte vermehrte Forschung zur Produktivitätssteigerung sowie internationale Standards, damit die Ernährungssicherung nicht durch die energetische Nutzung belastet werde.
Die Empfehlungen Nachhaltige Nutzung der Bioenergie des BioÖkonomieRats wurden heute von Reinhard F. Hüttl, Fritz Vahrenholt und Joachim von Braun in Berlin an die zuständigen Ressorts der Bundesregierung übergeben und dabei gleichzeitig der Öffentlichkeit vorgestellt.

Über den BioÖkonomieRat
Der BioÖkonomieRat ist das unabhängige Beratungsgremium der Bundesregierung in allen Fragen der Bioökonomie. Ihm gehören Experten aus universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, der Ressortforschung des Bundes und der privatwirtschaftlichen Forschung an. Der Rat ist administrativ bei der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (www.acatech.de) angesiedelt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) unterstützt. Er erarbeitet seine Gutachten und Stellungnahmen jedoch unabhängig und vertritt sie eigenverantwortlich.
Dem Rat gehören folgende Personen aus Wissenschaft, Wirtschaft sowie dem politiknahen Wissenschaftsumfeld an:
Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard F. Hüttl (Vorsitzender), Präsident acatech, Wissenschaftlicher Vorstand Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ Potsdam, Lehrstuhl für Bodenschutz und Rekultivierung BTU Cottbus
Prof. Dr. h.c. Joachim von Braun (stellv. Vorsitzender), Direktor am Zentrum für Ent-wicklungsforschung (ZEF), Bonn
Dr. Dr. h.c. Andreas J. Büchting (stellv. Vorsitzender), Vorsitzender des Aufsichtsrats KWS SAAT AG
Prof. Dr. Bernd Müller-Röber (stellv. Vorsitzender), Professor für Molekularbiologie, Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie und Universität Potsdam
Prof. Dr. Achim Bachem, Vorstandsvorsitzender Forschungszentrum Jülich GmbH
Dr. Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands e.V.
Prof. Dr. Hannelore Daniel, Technische Universität München, Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie
Prof. Dr. Utz-Hellmuth Felcht, Managing Director, One Equity Partners Europe, München
Prof. Dr. Thomas Hirth, Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bio-verfahrenstechnik und Institut für Grenzflächenverfahrenstechnik, Universität Stuttgart
Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, Präsident, von Thünen-Institut Braunschweig, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei
Dr. Stefan Marcinowski, Mitglied des Vorstands BASF SE, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB)
Prof. Dr. Thomas C. Mettenleiter, Präsident, Friedrich-Loeffler-Institut Insel Riems, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit
Dr. h.c. Christian Patermann, Berater für die wissensbasierte Bioökonomie des Landes Nordrhein-Westfalen

Prof. Dr. Alfred Pühler, CeBiTec, Universität Bielefeld
Prof. Dr. Manfred Schwerin, Professor für Tierzucht, Universität Rostock und Vorstand Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere, Dummerstorf
Prof. Dr. Wiltrud Treffenfeldt, R&D Director Europe, Middle East and Africa, Dow AgroSciences LLC, Horgen, Schweiz
Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Vorsitzender Geschäftsführung RWE Innogy GmbH
Dr. Holger Zinke, Vorstandsvorsitzender BRAIN AG
Prof. Dr. Alexander Zehnder (ständiger Gast), Direktor des Water Research Institute de
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