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Die Globalisierung - eine grenzenlose Welt?

27.09.2003 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Drei Leitvorträge auf dem SWR UniForum in Heidelberg (10.-12. Oktober) schaffen Klarheit - "Die Flüchtlingsströme aus dem Süden sind ein Zerrbild der Angst"

Die Verlagerung deutscher Arbeitsplätze in Länder mit niedrigerem Lohnniveau lässt viele Bürger zittern. Großkonzerne mit ihren weltweit vetriebenen Produkten sind dagegen, wenn es um das Zahlen von Steuern geht, plötzlich nicht mehr zu greifen. Doch Globalisierung ist nicht nur ein Phänomen, das die Weltwirtschaft und die internationalen Finanzmärkte betrifft. Die Diskussion über ein neues Zuwanderungsgesetz oder die drängende Frage nach weltweiter Bekämpfung der Armut zeigen dies deutlich. Auch der indische Schnellimbiss an der Ecke oder der türkische Popsong im Radio sind Zeichen der globalen Veränderungen. Nicht zuletzt der internationale Terrorismus zeigt, dass der Konflikt von Weltanschauungen und moralischen Normen viele Gesellschaften in ihren Grundfesten erschüttert.

Auf dem SWR UniForum vom 10. bis 12. Oktober, das Südwestrundfunk und Universität Heidelberg gemeinsam veranstalten, werden drei Leitvorträge sich dem Phänomen der Globalisierung unter ganz verschiedenen Aspekten nähern.

Prof. Merkel: The clash of civilizations

Am Freitag um 14 Uhr referiert in der Alten Aula Professor Wolfgang Merkel über das Thema "The clash of civilizations - "Der Westen" und die "Islamische Welt"". 1993 erschien in der Zeitschrift "Foreign Affairs" der Artikel "The clash of civilizations", zu deutsch "Der Konflikt der Kulturen". In diesem Aufsatz stellte der Politikwissenschaftler Samuel Huntington die provozierende These auf, dass statt dem alten Ost-West-Gegensatz nun der Aufeinanderprall "der westlichen und der islamischen Kultur" folgen würde.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 scheinen ihm Recht zu geben - doch ist die Theorie wirklich schlüssig, fragt Merkel. "Der Zusammenprall der Kulturen ist gerade im Weltmaßstab zwischen der westlichen und der arabischen Welt eine reale Gefahr. Er ist sicherlich nicht unvermeidlich." Die Fundamentalisierung der arabisch-islamischen Welt auf der einen Seite und der Überlegenheitsanspruch des Westens mit seiner Vormacht USA auf der anderen Seite "tun jedoch alles, dass der gegenwärtige kulturelle, politische und militärische Konflikt sich vertieft", so Merkel.

"Die These des Zusammenpralls der Kulturen ist keineswegs falsch, wie das ein 'politisch korrektes', analytisch aber unsinniges Denken suggeriert - 'was nicht sein darf, kann auch nicht sein'." Die Fundamentalisierung des Islam habe eine hohe Barriere gegenüber Rechtsstaat, säkularer Neutralität, kultureller Toleranz und Demokratie errichtet. Andererseits schlug, Merkel zufolge, aber auch "der" Westen, vor allem die USA, die falsche Politik ein. "Sie entschärft nicht den Konflikt, sondern verstetigt ihn."

Prof. Nuscheler: Globalisierung und neue Völkerwanderung

Am Samstag (11.10.) um 14 Uhr, ebenfalls in der Alten Aula, spricht Professor Franz Nuscheler. Nuscheler ist Mitglied in mehreren UN-Ausschüssen und gehört bundesweit zu den gefragtesten Experten im Bereich der Entwicklungspolitik. Das Thema seines Vortrags lautet: "Globalisierung und neue Völkerwanderung". Zurzeit sind weltweit 175 Millionen Menschen als Arbeitsmigranten unterwegs. Dabei noch gar nicht mitgezählt sind Heerscharen an Flüchtlingen und Vertriebenen. Die Globalisierung befördert die Prozesse weltweiter Wanderbewegungen. "Ganz großen Wert werde ich in meinem Vortrag darauf legen, die heutigen globalen Wanderbewegungen sachgerecht darzustellen. Es gibt hier ungeheure Missverständnisse, und in weiten Teilen der Öffentlichkeit herrschen völlig falsche Vorstellungen", so Nuscheler.

"Der oft als Horrorszenario beschworene große Treck aus den armen in die reichen Länder findet gerade nicht statt. Die echten Wanderbewegungen spielen sich im Süden selbst ab. Vor allem in Afrika und Asien sind Migrantenströme unterwegs. Es handelt sich also viel eher um interne Phänomene. Auf globaler Ebene erleben wir dagegen eine Elitenmigration - Manager, Künstler, Sportler sowie Prostituierte. Gegen den internationalen Menschenhandel vorzugehen, dies ist eine große Herausforderung für die Zukunft." (Prof. Nuscheler)

Prof. Kirchhof: Steuern durch Steuern

Am Sonntag, 12. Oktober, beschließt Professor Paul Kirchhof den Reigen der Vortragenden. Kirchhof wurde im Jahr 2000 mit dem Ludwig-Erhard-Preis ausgezeichnet und spricht sich für eine entschiedene Vereinfachung des Steuersystems aus. Um 15 Uhr referiert er in der Alten Aula über das weltweit brisante Thema von Steuereinnahmen - "Steuern durch Steuern", so lautet der Titel seines Vortrags. "Weltweit tätige Unternehmen entziehen sich vielfach dem nationalen Recht, werden aber von den steuerrechtlichen Vorgaben ihres Sitzstaates erreicht. Dadurch gewinnt der Staat ein Lenkungsinstrument, das den Unternehmen Freiheit nimmt. Zugleich entsteht ein 'Wettbewerb' der nationalen Steuersysteme, der neue Fragen an den Kulturstaat richtet", so Kirchhof.

Johannes Schnurr

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.swr-uniforum.de, während der Veranstaltung stehen aktuelle Berichte auch unter www.swr-uniforum.uni-hd.de.

Rückfragen von Journalisten bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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