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Der Mensch als Krone der Schöpfung? Theologieprofessorin Barbara Schmitz hielt Antrittsvorlesung

31.01.2012 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Der Mensch als Zentrum und Krone der Schöpfung: Diesem Thema hat sich Barbara Schmitz in ihrer Antrittsvorlesung gewidmet. Die neue Lehrstuhlinhaberin für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg hielt ihre Vorlesung vor zahlreichen Gästen im Toscanasaal. Stammt die Behauptung, der Mensch sei die Krone der Schöpfung, tatsächlich aus der Bibel, wie es viele Menschen meinen? Nein, so die eindeutige Antwort von Professorin Barbara Schmitz. Diese Redensweise finde sich an keiner Stelle im Alten oder Neuen Testament. Aber ist sie damit auch unbiblisch, oder findet sie sich in der Bibel in abgewandelter Form? Dieser Problemstellung ging Schmitz in ihrer Antrittsvorlesung zum Thema Die Krone der Schöpfung. Anthropologische Konzepte im Spannungsfeld von alttestamentlicher Theologie und moderner Rezeption nach.

Alttestamentliche Texte über die Bedeutung des Menschen

Schmitz zeigte auf, dass die maßgeblichen alttestamentlichen Texte Genesis 1 und Psalm 8 in erster Linie Reflexionen über Gottes Macht und Handeln als Schöpfer sind. Erst vor diesem theologischen Hintergrund werde die anthropologische Frage nach Bedeutung und Stellung des Menschen in der Welt beantwortet.

Als Geschöpf Gottes nehme der Mensch eine herausgehobene Position ein. Doch bedeute dies keine selbstherrliche Privilegierung, sondern unterstreiche die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung, so Schmitz. Durch sein Eingebundensein in die Natur erfahre der Mensch zugleich seine Begrenztheit und seine Abhängigkeit von Gott. Weder von der Formulierung noch von der Sache her kann das Verständnis vom Menschen als Krone der Schöpfung durch die biblischen Texte gerechtfertigt werden, so die Alttestamentlerin.

Neuzeitlicher und europäischer Gedanke

Das Konzept vom Menschen als Krone der Schöpfung ist laut Schmitz vielmehr ein spezifisch neuzeitlicher und europäischer Gedanke. Dessen Entwicklung lasse sich deutlich verfolgen. Zunächst habe das königliche Attribut der Krone als Bild für Vollendung und Auszeichnung fungiert, oft in Bezug auf die Frau. In einem weiteren Schritt habe sich dann die Rede vom Menschen als Krone der Schöpfung als anthropologisches Konzept entwickelt. Dies sei nicht im theologischen, sondern im naturphilosophischen und kulturgeschichtlichen Kontext geschehen. Erst von dort sei es dann auch in der biblischen Exegese aufgegriffen worden, wo dieser Gedanke zum Ergebnis der Untersuchungen von biblischen Texten wurde, die hermeneutisch zutiefst vom Paradigma eines unhinterfragt anthropozentrischen, menschenzentrierten Weltbildes geprägt waren, so Schmitz.

Dekan begrüßt Ende einer 400jährigen Tradition

Zu Beginn der feierlichen Antrittsvorlesung hatte der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Professor Franz Dünzl, die neue Professorin vorgestellt. Dabei zeigte er sich erfreut darüber, dass mit Barbara Schmitz erstmals eine Frau als ordentliche Professorin auf einen Lehrstuhl der Würzburger Katholisch-Theologischen Fakultät berufen worden sei.

Das sei eine echte Zäsur, die eine 400jährige Tradition an der Fakultät beende. Die Antrittsvorlesung markiere einen Traditionsbruch, dessen Signalwirkung nicht unterschätzt werden sollte: Es gibt, so die Botschaft, jahrhundertealte Traditionen, die doch einer neuen Zeit, neuen Verhältnissen weichen müssen, so Dünzl. Die Berufung von Barbara Schmitz sei nicht nur einmütiger Wunsch der Fakultät und der Universitätsleitung gewesen, sondern habe auch die Unterstützung von Bischof Friedhelm Hofmann gefunden. Dies zeige einmal mehr die gute Kooperation von Fakultät, Universität und Diözese.

Barbara Schmitz: zur Person

Barbara Schmitz, 1975 im Rheinland geboren, studierte Theologie in Passau, Jerusalem und Münster. Nach der Promotion 2003 in Münster war sie Assistentin an den Universitäten Bamberg und Fribourg (Schweiz), ab 2005 dann Oberstudienrätin im Hochschuldienst für den Bereich Altes Testament und Sprachen an der Universität Duisburg-Essen.

2007 habilitierte sich Schmitz an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg, ab 2009 arbeitete sie an der Technischen Universität Dortmund als Professorin für Exegese und Theologie des Alten Testaments. Von dort wurde sie zum 1. Juli 2011 auf den Würzburger Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen berufen. Hier trat sie die Nachfolge von Theodor Seidl an, der im Oktober 2010 in den Ruhestand ging. jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });


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