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HAWK-Forscherinnen sagen Schimmelsporen in Archivgut den Kampf an

06.02.2012 - (idw) HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert Entwicklung neuer Reinigungstechnologie Schimmel auf großen Mengen historischer Papiere, das ist bisher ein großes Problem für Archive und Bibliotheken. Zehn Regalkilometer mikrobiologisch verseuchter Akten gibt es allein im Niedersächsischen Landesarchiv, dem Kooperationspartner der HAWK. Ein Forschungsprojekt der Studienrichtung Schriftgut, Buch und Graphik und des Mikrobiologielabors an der Fakultät Erhaltung von Kulturgut soll jetzt eine Lösung bringen: Die einzigartige Papierreinigungsanlage der HAWK (im Frühjahr 2011 von der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gera übernommen s.u.), soll mit rund 125.000 Euro Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Osnabrück (DBU) in einem Modellprojekt weiterentwickelt werden, um auch mit mikrobiologischen Schadstoffen befallene Dokumente behandeln zu können.

Ein Team unter der Leitung von Prof. Ulrike Hähner und Prof. Dr. Karin Petersen will gemeinsam mit dem Konstrukteur der Papierreinigungsanlage, Dipl.-Ing. Ernst Becker, und dem Niedersächsischen Landesarchiv neue, integrierbare Reinigungsmodule entwickeln. Diese sollen in eine neu zu entwickelnde kleinere und mobile Modellanlage integriert werden, die nach dem technischen Grundprinzip der vorhandenen, acht Meter langen und zwei Meter breiten Reinigungsanlage der HAWK arbeitet. Diese große Reinigungsanlage wird zur Beseitigung von Staubablagerungen seit Dezember 2011 an der HAWK in Hildesheim betrieben.

Entwickelt wurde die Reinigungsanlage ursprünglich für die Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, eigens zur Restaurierung einer Sammlung zum Teil sehr großformatiger historischer Landkarten des berühmten Perthes-Verlages. Das Problem damals: Unsichtbare und gesundheitsschädliche Feinstäube bedeckten die Karten. 185.000 Karten galt es zu reinigen. Dafür wurde die Reinigungsmaschine von Stuttgarter Wissenschaftlern und der Firma Becker Systems entwickelt. Innerhalb von nur zwei Jahren reinigte sie erfolgreich den umfangreichen Perthes-Bestand.

Professorin Hähner war Mitglied des begleitenden Expertenbeirats und beschreibt die damalige Entwicklungsarbeit: Die Anforderungen waren hoch. Es durften keine Nebenwirkungen auftreten; die teilweise sehr empfindlichen Papieroberflächen, Tinten-, Zeichen- bzw. Farbschichten durften nicht verändert werden. Entwickelt wurde schließlich eine maschinelle Anlage zur beidseitigen Reinigung großformatiger Karten. Das Wirkprinzip: Eine spezielle elektrostatisch negativ aufgeladene Folie nimmt den anorganischen Staub sehr gleichmäßig ab, während die Karten, sorgfältig fixiert auf einem Transportband, die Anlage langsam - mit zwei bis vier Metern in der Minute - durchlaufen. Gereinigt werden können laut Hähner auf diese Material schonende Weise innerhalb einer Stunde rund 120 Papierdokumente im DIN-A-1-Format. Es können Karten, aber auch Graphiken und sonstiges Schriftgut gereinigt werden.

Schimmel besitzt andere Ladungsverhältnisse als der Staub auf den Landkarten des Perthes-Bestandes, und die Einzelblätter sind teilweise mechanisch bereits sehr geschädigt, erläutern Hähner und Petersen. Das Schriftgut soll von den nicht im Material verankerten Besiedlungsanteilen, den Konidien und Sporen, abgereinigt werden. Diese Ablagerungen sind für Nutzerinnen und Nutzer u.U. gesundheitsgefährdend und können mit herkömmlichen Methoden nicht zuverlässig entfernt werden. Weil sie auf den Dokumenten aufliegen, können sie sich auch relativ leicht in der Umgebung verteilen und das Arbeitsumfeld kontaminieren. Es werden daher neue hohe Anforderungen an den Gesundheitsschutz und an die Arbeitstechnik gestellt.
Zudem soll untersucht werden, ob die schonende Reinigungstechnik auch bei Textilien angewendet werden kann. Die Textilrestaurierungswerkstatt der Von Veltheim Stiftung, Kloster St. Marienberg Helmstedt ist in die Forschungsarbeiten einbezogen.

Das interdisziplinäre Forscherteam hofft, erste Ergebnisse im Sommer 2012 präsentieren zu können. jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });
Weitere Informationen: http://www.hawk-hhg.de
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