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Ungewöhnliche Überraschung anlässlich der Emeritierung von Univ.-Professor Dr. Heinrich Reinermann

01.10.2003 - (idw) Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer

Eine ungewöhnliche Ehrung wurde Univ.-Professor Dr. Heinrich Reinermann anlässlich seiner Emeritierung zuteil. In aller Heimlichkeit war zu seinen Ehren unter der Federführung von Prof. Dr. Klewitz-Hommelsen von der FH Bonn-Rhein-Sieg ein "Überraschungskolloquium" vorbereitet worden, zu dem neben Professoren der DHV Speyer auch hochkarätige Fachkollegen Reinermanns aus ganz Deutschland und Österreich erschienen waren. Der völlig überraschte Reinermann zeigte sich sichtlich gerührt, als in diesem Kolloquium aktuelle Technologien und Trends im Bereich der Informationstechnologie, neue gesellschaftliche Strukturen und deren mögliche Folgen an der DHV Speyer erörtert wurden.

Der 1937 in Osnabrück geborene Univ.-Professor Dr. Heinrich Reinermann wurde zum Ende des Sommersemesters 2003 am 30. September 2003 emeritiert. Mit ihm scheidet ein hochverdienter Professor und brillanter Wissenschaftler aus den aktiven Diensten der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer aus.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Hamburg, Münster und Mannheim, promovierte Reinermann 1966 in Münster mit einer preisgekrönten Arbeit über die optimale Gestaltung der täglichen Arbeitszeit im Industriebetrieb. Schon in dieser Arbeit entwickelte er Techniken der mathematischen Programmierung, um die Steuerung verschiedenster Leistungsdeterminanten zu optimieren.

Während eines Forschungsaufenthalts am Computer Science Department and Business School der Stanfort University im Silicon Valley "konvertierte" Reinermann nach eigener Aussage zur Verwaltungswissenschaft und richtete sein wissenschaftliches Interesse auf quantitative Methoden, automatisierte Datenverarbeitung und Programmierung im Bereich der öffentlichen Verwaltung. Reinermann gehört somit zu den Pionieren der Verwaltungsinformatik in Deutschland. 1973 wurde er in Mannheim mit einer bahnbrechenden Arbeit über die Grenzen und Möglichkeiten formaler Entscheidungssysteme für die Exekutive von Bund und Ländern habilitiert. Im gleichen Jahr schlug er einen Ruf an die Universität der Bundeswehr nach Hamburg aus und nahm statt dessen den Ruf an die DHV Speyer auf den Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaft und Verwaltungsinformatik an. Trotz verschiedener an ihn ergangener Rufe der Universität der Bundeswehr in München, der Universität Linz in Österreich und der Universität Konstanz hielt er der Speyerer Hochschule bis heute die Treue.

Neben seinem umfangreichen eigenen wissenschaftlichen Schaffen, das sich in weit über 300 Publikationen, darunter 35 Bücher und über 260 Aufsatzpublikationen widerspiegelt, übernahm Reinermann die Rolle eines Nestors der deutschen Verwaltungsinformatik. Beispielhaft hierfür sind seine Funktionen als Sprecher der Sektion "Informatik in Recht und öffentlicher Verwaltung" der Gesellschaft für Informatik, seine Vorstandstätigkeit bei der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung e. V. und seine Herausgebertätigkeiten für die Zeitschrift "Verwaltung und Management" und die Schriftenreihe "Verwaltungsinformatik".

Entscheidenden Anteil an der Entwicklung der Hochschule konnte Reinermann in seinen genau 60 "Speyer-Semestern" u. a. beim Aufbau des Verwaltungswissenschaftlichen Aufbaustudiums, als Leiter des 1978 von ihm gegründeten Hochschulrechenzentrums und in der Zeit von 1990 bis 1994 als Rektor und Prorektor der Hochschule nehmen. Aber auch international gelang es Reinermann, den Ruf der Hochschule als Zentrum der Verwaltungswissenschaften zu mehren. So trug er beispielsweise durch seine Hilfe beim Aufbau der verwaltungswissenschaftlichen Ausbildung in Slowenien, die ihm 1999 durch eine besondere Ehrung durch die Universität Ljubljana gedankt wurde, an wichtiger Stelle zum Modernisierungsprozess in Ostmitteleuropa bei. Sein Expertenwissen ist derzeit auch im China-Euopean-Public-Administration Programm gefragt, bei dem es um die Modernisierung der Verwaltungsausbildung in der VR China geht. Darüber hinaus ist er Mitglied des Center for Research on Information Technology and Organizations (CRITO) der Universität von Kalifornien Irvine (USA). Darüber hinaus entwickelte er seine regelmäßig stattfindenden "Speyerer Seminare für Büro- und Informationstechnologie in der öffentlichen Verwaltung" (SpeBit) zu einem Forum für den internationalen Meinungsaustausch über die neuesten verwaltungswissenschaftlichen Entwicklungen im IT-Bereich.

Reinermann, der sich selbst als "begeisterter Speyerer" bezeichnet, ist für sein eher kameradschaftliches Verhältnis zu seinen Studenten bekannt. Dies ausgezeichnete Verhältnis belegt folgende Aussage: "Ich habe keine Sprechstunden. Bei mir kann jeder reinkommen, denn ich bin ein Speyerer Professor, und die sind zum Anfassen". Kein Wunder also, dass Reinermanns stets hochaktuelle Seminare immer voll waren und dass die DHV Speyer hofft, auch nach seiner Emeritierung auf sein wertvolles Expertenwissen zurückgreifen zu können.

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