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MPIWG-Direktor veroffentlicht Forschungsergebnisse zur Geschichte physikalischer Grundbegriffe

15.02.2012 - (idw) Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte

Am Max-Planck-Institut fur Wissenschaftsgeschichte wird in einem mehrjahrigen Projekt die Langzeitentwicklung mechanischen Wissens erforscht. Jurgen Renn hat gemeinsam mit Peter Damerow die Kontroverse zwischen zwei zentralen Wissenschaftler-Ingenieuren der Renaissance untersucht, die eine neue Perspektive auf die Frage erlaubt, wie die historische Entwicklung der Physik mit einem Begriffswandel einhergeht und wie physikalische Grundbegriffe wie ,Kraft, ,Gewicht oder ,Schwerpunkt sich zu Beginn der fruhen Neuzeit gewandelt haben. Ausgangspunkt fur diese wissenshistorische Forschung waren zwei Bucher zur Gleichgewichtskontroverse, in denen sich handschriftliche Anmerkungen von Guidobaldo del Monte befinden, eines von Giovanni Battista Benedetti und eines von Jordanus de Nemore. Die Wissenschaftshistoriker Renn und Damerow haben diese Anmerkungen entschlusselt und prasentieren sie nun in einer Open-Access Publikation.

Die Gleichgewichtskontroverse beschaftigte sich mit der Frage, ob eine einmal ausgelenkte Waage wieder in ihren Gleichgewichtszustand zuruckkehrt. Diese scheinbar triviale Frage hat seit der griechischen Antike Philosophen und Wissenschaftler zum Nachdenken angeregt. Nach nahezu zwei Jahrtausenden wurde sie schließlich im 16. Jahrhundert zum zentralen Gegenstand der Werke von Wissenschaftlern wie Guidobaldo del Monte und Giovanni Battista Benedetti. Als Ergebnis einer langfristigen Wissensentwicklung kristallisierte sich schließlich eine zentrale Einsicht mechanischen Wissens heraus das Verstandnis der lagebedingten Wirkung eines Gewichts oder einer Kraft. Moderne Begriffe wie Drehmoment oder potentielle Energie haben ihren Ursprung in dieser Entwicklung, die bis in die Antike zuruckreicht und ihren Hohepunkt in der Gleichgewichtskontroverse der Renaissance fand. Jurgen Renn und Peter Damerow argumentieren, dass diese Frage eine grundsatzliche Bedeutung fur den Fortschritt der Physik besaß. Aus der Sicht einer historischen Epistemologie wissenschaftlichen Wissens spielen einfache physikalische Probleme, wie sie im Rahmen der Gleichgewichtskontroverse aufgetreten sind, eine Schlusselrolle fur diesen begrifflichen Wandel. Daruber hinaus zeigt sich, dass diese Veranderung kein linearer und isolierter Prozess war. Er war vielmehr von umfassenden Neustrukturierungen ganzer Wissenssysteme begleitet.

Diese Kontroverse wird von Peter Damerow und Jurgen Renn in einer gerade erschienenen Publikation untersucht (The Equilibrium Controversy:
Guidobaldo del Montes Critical Notes on the Mechanics of Jordanus and Benedetti and their Historical and Conceptual Background (2012). Sie erscheint in einer ausfuhrlich kommentierten Quellenausgabe als Band 2 in der Reihe Sources der Max-Planck Research Library for the History and Development of Knowledge. jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });
Weitere Informationen: http://www.mpiwg-berlin.mpg.de - Das aktuelle Forschungsthema informiert uber dieses Projekt
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