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Krebs-Patienten bestmöglich versorgen

23.02.2012 - (idw) Deutsche Krebshilfe e. V.

Deutsche Krebshilfe: Leitlinien sichern ärztliche Qualität Bonn (jft) Wenn Menschen an Krebs erkranken, verändert sich schlagartig das Leben der Betroffenen. In dieser von Unsicherheit und Angst geprägten Situation müssen die Patienten die Gewissheit haben, dass sie nach dem besten derzeit verfügbaren medizinischen Wissen therapiert werden. Systematisch entwickelte Leitlinien, wissenschaftlich begründet und praktikabel, sind Ärzten und Patienten dabei eine große Orientierungs- und Entscheidungshilfe. Die Deutsche Krebshilfe hat daher vor vier Jahren gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) das Leitlinienprogramm Onkologie aufgelegt. Anlässlich des 30. Deutschen Krebskongresses in Berlin machten der Lenkungsausschuss des Leitlinienprogramms sowie Patientenvertreter heute, am 23. Februar 2012, deutlich, wie wichtig Leitlinien als Handlungsempfehlungen für Ärzte und allgemein verständliche Patientenratgeber für Betroffene sind.

Qualitätssicherung muss bei ärztlichen Entscheidungen oberste Priorität haben, sagt Professor Dr. Walter Jonat, Mitglied der Deutschen Krebshilfe. Denn im Mittelpunkt des ärztlichen Handelns steht der kranke Mensch. Und dieser hat unabhängig davon, ob er im Süden oder Norden, Westen oder Osten Deutschlands wohnt, ob in einer Großstadt oder in einer ländlichen Region Anspruch darauf, nach den modernsten medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen behandelt zu werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Krebsgesellschaft und die AWMF das Leitlinienprogramm Onkologie im Januar 2008 ins Leben gerufen. Das Programm sorgt dafür, dass evidenzba-sierte, interdisziplinäre onkologische Leitlinien auf dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens entstehen, regelmäßig überprüft und fortgeschrieben werden. Die Deutsche Krebshilfe förderte das Programm mit bisher insgesamt 3,8 Millionen Euro. Seit 2008 werden im Rahmen des Leitlinienprogramms 16 Expertengruppen finanziell bei der Erstellung und Aktualisierung von ärztlichen Leitlinien unterstützt.

Wir haben es uns gemeinsam zur Aufgabe gemacht, diese Leitlinien flächendeckend in Deutschland einzuführen, um so zu einer wesentlichen Verbesserung der Qualität in der Behandlung von Krebserkrankungen beizutragen, sagt Professor Dr. Michael Bamberg von der Deutschen Krebsgesellschaft. Es kommt dem Patienten zu Gute, dass seine Krankheit nicht einseitig aus der Sicht einer einzelnen Fachrichtung betrachtet wird, sondern dass er eine interdisziplinär erarbeitete Therapieempfehlung erhält.

Nur kurze Zeit nach Beginn des Leitlinienprogrammes haben die drei beteiligten Organisationen die Notwendigkeit erkannt, auf der Basis der ärztlichen Leitlinien auch allgemeinverständliche Patientenleitlinien zu entwickeln. Ratgeber, wie die auf dem Deutschen Krebskongress vorgestellte, neue Patientenleitlinie zur Prostatakrebs-Früherkennung, geben die wissenschaftlichen und medizinischen Inhalte der Leitlinien in allgemein verständlicher Sprache an die Patienten weiter. Das erleichtert den Umgang mit der Krankheit und den Ärzten, sagt Jens-Peter Zacharias, Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe. Dazu tragen auch die darin enthaltenen Fragenkataloge, Informationen über die Arztgespräche und Zweitmeinung bei sowie Hinweise für eine eigene individuelle Entscheidung. Auf diese Weise gelinge es, die Betroffenen zu beruhigen, ihnen Sicherheit zu geben, falsche Erwartungen zu vermeiden und das Informationsgefälle zwischen Arzt und Patient zu reduzieren. An dieser Aufgabe waren wir maßgeblich beteiligt und haben die Interessen der Patienten vertreten, so Zacharias weiter.

Hintergrund: Onkologische Leitlinien

Leitlinien sind systematisch entwickelte Empfehlungen, um Ärzten und Patienten die Entscheidung über Maßnahmen der Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge einer Krebskrankheit zu erleichtern. Sie stellen ein wesentliches Instrument zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar. Die Handlungsempfehlungen beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, in der Praxis bewährten Verfahren und systematisch in Studien gewonnenen Erkenntnissen. So sorgen die Leitlinien für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Leitlinien werden in drei Stufen eingeteilt. Stufe 3 ist die höchste Stufe. Im Rahmen des Leitlinienprogramm Onkologie ist bisher die S3-Leitlinie Magenkrebs erschienen. Zurzeit werden Leitlinien zu Prostata- und Brustkrebs, zum Zervixkarzinom, zu Ovarialtumoren, zu Speiseröhrenkrebs, zu Darm- und Bauchspeicheldrüsentumoren, zu Leber- und Hautkrebs, zum Mundhöhlenkarzinom, zum Hodgkin-Lymphom, zur Palliativmedizin sowie zur psychoonkologischen Behandlung von Krebs-Patienten erstellt beziehungsweise aktualisiert.


Patienten-Leitlinien zur Früherkennung und Behandlung von Prostatakrebs und zur Früherkennung und Behandlung von Brustkrebs sind bereits erschienen.

Interviewpartner auf Anfrage!

Bonn, 23. Februar 2012

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