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Japan: Verunsicherung und Vertrauensverlust nach dem 11. März 2011

27.02.2012 - (idw) Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland

Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokio Auch mehrere Monate nach der Katastrophe sitzt der Schreck tief. Die japanische Bevölkerung ist verunsichert, das Vertrauen in Regierung und Medien niedrig. Dies zeigen Ergebnisse einer DIJ-Studie vom September 2011, in der 1632 Personen im Nordosten Japans und in der Region Tokio befragt wurden.
Sorge und Verunsicherung setzen sich dabei aus mehreren Aspekten zusammen: Im Vordergrund steht die Angst vor einem weiteren großen Erdbeben. Davor fürchten sich 82 Prozent. Ähnlich hoch (81 Prozent) ist in der Region Tôhoku die Angst vor radioaktiver Strahlung. Auch unter den in der Region Tokio Befragten quält sie 69 Prozent. 46 Prozent in Tôhoku, 33 Prozent in Kantô wissen aus Angst vor verstrahlten Lebensmitteln nicht mehr, was sie essen sollen und was nicht.

Kein Vertrauen in Experten
Was fehlt, ist Vertrauen in Instanzen, die mit Expertenwissen helfen, Risiken einzuschätzen. Regierung und Medien, die diese Rolle übernehmen sollten, wird in nur sehr geringem Maße Vertrauen geschenkt: Nur 6 Prozent geben an, den Informationen zu vertrauen, die die Regierung zum Atomunfall veröffentlicht. Der Anteil ist ähnlich niedrig wie bei Informationen, die TEPCO veröffentlicht (5 Prozent). Die Befragten scheinen kaum zwischen der Regierung und dem Atomkraftwerkbetreiber zu differenzieren. Auch das Vertrauen in die Medien hat gelitten: Nur 13 Prozent vertrauen auf eine objektive und umfassende Berichterstattung. 2009 waren es noch 24 Prozent.

Persönlich betroffen
"Eine besondere Rolle spielt die persönliche Betroffenheit", erklärt Carola Hommerich, die für die Studie verantwortliche Soziologin am DIJ: "Bei Befragten, die direkt von der Katastrophe betroffen sind, ist das Vertrauen in Regierung und Medien signifikant niedriger. Dieser Effekt ist insbesondere bei älteren Menschen zu beobachten, deren Vertrauen in staatliche Institutionen und die Medien bislang weit über dem Durchschnitt lag. Bei persönlicher Betroffenheit ist ihr Vertrauen jetzt weit schwächer als der Durchschnitt. Das Gefühl von Institutionen enttäuscht worden zu sein, denen man viele Jahre lang blind vertraut hat, schlägt hier in Misstrauen um."
Überdurchschnittlich hoch ist bei persönlicher Betroffenheit dagegen aber das Vertrauen in Familie, Freunde und die Ortsgemeinschaft. Gerade junge Japaner, die durch die Katastrophe einen persönlichen Verlust erlitten haben, zeigen veränderte Einstellungen: War die Jugend bislang eher durch geringes Engagement für lokale Interessen aufgefallen, so sind persönlich betroffene junge Menschen überdurchschnittlich hoch motiviert, sich für die lokale Gemeinschaft einzusetzen.

Kontakt:
Bei Rückfragen zur Studie und für weitere Daten wenden Sie sich bitte direkt an Carola Hommerich.
Vom 1.-11. März ist Frau Hommerich in Deutschland, in dieser Zeit aber per Email zu erreichen:

Dr. Carola Hommerich
Deutsches Institut für Japanstudien (DIJ), Tokyo
Jochi Kioizaka Bldg. 2F, 7-1 Kioicho, Chiyoda-ku, Tokyo 102-0094, Japan
Tel.: +81 (0)3 3222-5077
Email: hommerich@dijtokyo.org
www.dijtokyo.org
Dr. Carola Hommerich, Soziologin am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) im Forschungsschwerpunkt "Glück und Unglück in Japan", ist verantwortlich für Konzeption, Durchführung und Analyse der zitierten Befragung. Sie arbeitet zu objektiver Prekarität, Abstiegsängsten, sozialem Zusammenhalt und Glück in Japan. Insbesondere interessiert sie in diesem Zusammenhang die Funktion von Vertrauen.

Weitere Informationen:

Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (DGIA)
Gesche Schifferdecker
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

Rheinallee 6
53173 Bonn
Tel.: +49 (0)228 377 86 16
Fax: +49 (0)228 377 86 19
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Weitere Informationen: http://www.dijtokyo.org/ Anhang
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