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Fukushima schon vergessen? Psychologen der KU befragten Bevölkerung zur Atomkraft

08.03.2012 - (idw) Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Bereits wenige Tage nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima starteten Psychologen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) im vergangenen Jahr eine repräsentative Befragung in der deutschen Bevölkerung zum Thema Atomkraft. Um zu untersuchen, ob und wie sich das subjektive Erleben mit zeitlichem Abstand zur Katastrophe sowie dem danach beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie veränderte, wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Sommer 2011 erneut befragt. Durchgeführt wurde die Studie von Prof. Dr. Elisabeth Kals (Professur für Sozial- und Organisationspsychologie) und ihrer Mitarbeiterin Dipl.-Psych. Manuela Sirrenberg; die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zwischen 14 und 74 Jahre alt. Die Wissenschaftlerinnen konnten auf ihre umfangreiche gerechtigkeitspsychologische Forschung im Umweltbereich zurückgreifen; es existierten daher auch bereits validierte Messinstrumente, die kurzfristig an die damalige Situation angepasst werden konnten.

Untersucht wurden drei Fragekomplexe: Wie sind Gefahrenbewusstsein, Gerechtigkeitsurteile, Emotionen (wie Ängste und Empathie) sowie Bereitschaften im Zusammenhang mit der Atomenergie in der allgemeinen Bevölkerung direkt nach dem Reaktorunfall ausgeprägt? In welchem Ausmaß besteht die Bereitschaft, sich für den Ausstieg aus der Atomkraft bzw. deren Beibehaltung ? Welche Motivstrukturen liegen hierfür zugrunde? Es zeigte sich, dass bei den 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten Befragungsrunde direkt nach dem Reaktorunfall eine hohe Bereitschaft bestand, sich für den Ausstieg zu engagieren, sei es durch die Teilnahme an öffentlichen Kundgebungen, durch Verzicht oder auch durch Investitionen im privaten Energiebereich. Entgegen der öffentlichen Annahme entsprangen die zu diesem Zeitpunkt geäußerten Engagements nicht Ängsten und Sorgen um die eigene Gesundheit, sondern waren in erster Linie Ausdruck des (Un-)Gerechtigkeitserlebens der Bürgerinnen und Bürger, erklären Kals und Sirrenberg. Während Ängste und Sorgen unmittelbar nach dem Reaktorunglück moderat ausgeprägt gewesen seien, habe ein hoch ausgeprägtes Ungerechtigkeitserleben gegenüber der Atomkraft bestanden.

Die Ergebnisse einer zweiten Befragung, die ein halbes Jahr später bei über 200 Teilnehmern der ersten Erhebung durchgeführt wurde, belegten die Stabilität der Befunde: Das Verhalten zur Unterstützung des Atomausstiegs stünde auch weiterhin in engem Zusammenhang mit dem (Un-)Gerechtigkeitserleben in der Bevölkerung. Interessanterweise haben das Interesse und die Engagements im Bereich Atomkraft mit dem zeitlichen Abstand nur in sehr geringem Maße abgenommen. Hingegen sind die vormals eher moderaten Ängste und Sorgen um die eigene Gesundheit sogar gestiegen, obgleich die möglichen Gefahren in Deutschland, auch durch den zeitlichen Abstand zu Fukushima, objektiv eher gesunken sind, so die beiden Wissenschaftlerinnen. Gaben in der ersten Studie 67 Prozent der Befragten an, keine Ängste und Sorgen bezüglich der eigenen Gesundheit aufgrund von Atomkraft zu empfinden, waren es in der Folgebefragung nur noch 46 Prozent. Das stete Interesse und die gestiegenen Ängste sprächen dafür, dass die Atomenergie und die Energiegewinnung nach wie vor auch jenseits des politischen Tagesgeschehens und des einseitigen deutschen Atomausstiegs für die deutsche Bevölkerung ein wichtiges Thema seien, zu dem die Bürgerinnen und Bürger differenzierte Gerechtigkeitsurteile fällten.


Hinweis an Medienvertreter: Für Nachfragen zu dieser Studie wenden Sie sich bitte an Dipl.-Psych. Manuela Sirrenberg (manuela.sirrenberg@ku.de). jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });

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