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Heidelberger "Tag der Artenvielfalt" am kommenden Samstag

05.06.2002 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Von den Tieren der Unterwelt und dem Leben im Wassertropfen - Bürgerinnen und Bürger der Region sind sehr herzlich zum Besuch des Zoologischen und des Botanischen Instituts der Universität Heidelberg eingeladen

Während sich inzwischen zu Exkursionen weit über 400 Personen angemeldet haben, so dass keine weiteren Anmeldungen mehr möglich sind, möchten die Initiatoren des Heidelberger Tages der Artenvielfalt alle Interessierten herzlich zum Besuch am Zoologischen und Botanischen Institut einladen. Am Samstag, 8. Juni 2002, können Besucher am Zoologischen Institut (Im Neuenheimer Feld 230, 69120 Heidelberg) und am Botanischen Institut (INF 360) von 9-17 Uhr erfahren, wie anschaulich und vielfältig Biodiversität sein kann.

Warum haben eigentlich Algen einen schlechten Ruf? Nun, jeder Gartenteichbesitzer hat sich wohl schon über die Algenwatten in seinem Teich geärgert. In jedem Jahr gibt es weltweit Todesfälle durch Giftalgen bei Mensch und Haustieren. Oft sind dafür die Dinoflagellaten verantwortlich. Sie werden von Muscheln gefressen und reichern sich in diesen an. Muscheln dürfen nur geerntet werden, wenn diese Algen nicht in Massen vorkommen. Ohne Algen gäbe es aber auch den Menschen nicht. Es waren Blaualgen, die vor drei Milliarden Jahren die Photosynthese entwickelten, also den Prozess, bei dem Sauerstoff als Abfallprodukt entsteht und uns die Atmung ermöglicht. Das ist Vergangenheit, aber auch heute wird noch jedes zweites Sauerstoffmolekül von Algen erzeugt. Schon morgens beim Zähneputzen nehmen wir mit der Zahnpasta Alginate, Produkte mariner Algen, in den Mund. Wir verzehren diese aber auch, wenn wir ein Eis lutschen, einen Pudding essen, einen Gummibären kauen.

"Schauen Sie sich selbst im Mikroskop oder mit über 10000facher Vergrößerung auf einer Wandprojektion die Algen und Tiere aus Ihrem Gartenteich an", werben die Organisatoren des Tages der Artenvielfalt mit Blick auf die Öffentlichkeit. "Bringen Sie Proben aus Ihrem Teich, aus Brunnen und Bächen, aus dem Neckar, und entdecken Sie unter Anleitung von Herrn Prof. Dr. E. Schnepf und einem Dutzend Experten eine faszinierende Welt verborgener Schönheit - im Kursraum des Botanischen Institutes, Im Neuenheimer Feld 360, Erdgeschoss."

Aber nicht jede Form der Artenvielfalt ist vom Menschen erwünscht. Vor allem bei Spaziergängen in den Rheinauen trifft dies für Stechmücken zu, die bei uns überwiegend lästig sind, in den Tropen aber als Überträger wichtiger Infektionskrankheiten wie etwa der Malaria fungieren. Dr. Norbert Becker und Mitarbeiter der KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V.) zeigen am Zoologischen Institut, wie durch biologische Stechmückenbekämpfung den kleinen Plagegeistern das Leben schwer gemacht werden kann. Während früher oftmals chemische Insektizide und Oberflächenfilme mit all ihren negativen Konsequenzen für andere Organismen eingesetzt wurden, dient heute das Toxin von Bacillus thuringiensis israelensis (B.t.i.) zur selektiven Bekämpfung der Mückenlarven.

Herr Prof. Dr. Ruppel und Mitarbeiter geben im Zoologischen Institut eine Antwort auf die Frage "Parasitische Würmer in Heidelberg: gibt es die denn?" Um es schon kurz vorwegzunehmen: Ja, aber nur noch selten. Und bis auf die Ausnahme des Fuchsbandwurmes stellen sie in unseren Breiten auch kein relevantes medizinisches Problem dar. Der bei uns häufigste Wurm ist der Madenwurm Enterobius vermicularis, mit dem sich insbesondere Kinder im Kindergartenalter häufig infizieren. Medizinisch sind die Madenwürmer aber von geringerer Bedeutung, da sie sich medikamentös gut behandeln lassen. Bei der Demonstration werden auch solche Parasiten vorgestellt, die in globaler Sichtweise bedeutend sind und die man von Urlaubsreisen in den Tropen "mitbringen" kann. Auch über Gefahren, die von Zecken ausgehen, können sich die Besucher informieren.

Beim "Tag der Artenvielfalt" sollen aber auch erfreulichere und ökologisch wichtige Tiere vorgestellt werden: "Lernen Sie etwa in einer Demonstration von Dr. Russell die Tiere aus der Unterwelt kennen." Diese Mikroarthropoden besitzen im Boden eine zentrale Funktion bei der Bereitstellung von pflanzenverfügbaren Nährstoffen. Sie können in den obersten 10 cm Boden Individuendichten von bis zu 1,5 Millionen Individuen pro m² und weit über 100 Arten pro m² erreichen.

Die Tiere der Unterwelt haben aber auch andere Biotope erfolgreich besiedelt. Mit dem Mikroskop können Besucher überprüfen lassen, ob sie zu dem (gar nicht kleinen!) Teil der Bevölkerung zählen, die die ungefährliche Haarbalgmilbe Demodex folliculorum in den Talgdrüsen ihrer Haut beherbergen.

Weiterhin werden am Zoologischen Institut folgende
Veranstaltungen angeboten:

Stadt Heidelberg & Zoologisches Institut: Ausstellung der Beiträge zum Plakatwettbewerb anlässlich des Tages der Artenvielfalt.

S. Sparing (Zoologisches Institut): Führungen im Zoologischen Museum

D. Matzke & A. Fuchs (Universität Landau-Koblenz): Was lebt in unserer Kaffeetasse? - Lebensraum Grundwasser, Tiere und Sammelmethode

Prof. Dr. P. Schneider (Zoologisches Institut) : Filme zu Kugel- und Krabbenspinnen

Stadt Heidelberg: Artenschutz in der Stadt Heidelberg. Infostand

Stände des NABU und BUND zu Aktivitäten in Heidelberg

C. Wein (GefaÖ, Nußloch): Regenwürmer - Leben im Boden. Demonstration des Regenwurmfangs und Vorführung der Lebendbestimmung (14.00-16.00 Uhr).

Rückfragen bitte an:

Dr. Henner Hollert
Tel. 06221 545650, Fax 546162
Henner.Hollert@urz.uni-heidelberg.de
http://www.artenvielfaltstag.de

allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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