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Armutsbekämpfung & Ressourcenschutz: Lösungen für Menschheitsprobleme sind komplex aber möglich

16.04.2012 - (idw) Universität Hohenheim

12 Jahre forschte die Universität Hohenheim am Teufelskreis aus Armut und Umweltzerstörung in Südostasien mit praxistauglichen Ergebnissen.
Internationale Konferenz zum Sonderforschungsbereich 564 eröffnet heute an der Universität Hohenheim, Schloss Hohenheim 70599 Stuttgart Der Boden ist bereitet: In den kommenden zwei Tagen werden 200 Forscher zwölf Jahre intensiver Problemanalyse, Innovationsentwicklung und Beiträgen für eine nachhaltige Entwicklung offiziell beschließen. Doch zeitgleich mit dem Abschluss des Sonderforschungsbereiches (SFB) läuft bereits der Transfer von der Wissenschaft in die Praxis. So initiierte der SFB derzeit sechs Transferprojekte, um den Teufelskreis von Armut und Zerstörung empfindlicher Ökosysteme zu durchbrechen. Entwickelt wurden die Projekte in den Bergregionen von Thailand und Vietnam. Es ist ein Gebiet, in dem sich viele Menschheitsprobleme wie unter einem Brennglas bündeln weshalb es Modellcharakter für viele Regionen der Welt hat. Mehr Infos zum SFB: http://sfb564.uni-hohenheim.de

Komplexer kann die Ausgangssituation kaum sein: In den Bergregionen Thailands und Vietnams treffen fragile Umweltbedingungen und gesellschaftliche und wirtschaftliche Problemlagen unmittelbar aufeinander.
Bevölkerungswachstum und Umsiedlungen zwingen Teile der Gesellschaft selbst karge Berghänge intensiv zu beackern. Es sind vor allem die Menschen, die nicht in den wirtschaftlichen Boomregionen leben und die wenig Zugang zu Bildung, Finanzen und politischer Beteiligung haben.
Zu viele Menschen, Politikwechsel und auch die Globalisierung führen zum Bruch mit angepasster Landwirtschaft. Die Erosion erreicht dramatische Ausmaße. Neue Produkte wie Mais und Gemüse erhöhen Dünger- und Pestizideinsatz.
Die Folgen erreichen auch das Flachland. Die abgeschwemmte Erde zerstört Fischteiche und verkürzt die Laufzeit von Wasserkraftwerken. Pestizide sammeln sich in Reisfeldern und im Grundwasser des Flachlandes.
Ein Teufelskreis, wie er sich in vielen Regionen der Welt darbietet. Die entscheidende Herausforderung für diese Entwicklungen ist die Balance zwischen der Verbesserung der Lebensgrundlagen der Bergvölker bei gleichzeitigem Schutz der natürlichen Umweltressourcen.

Detaillierte Analyse statt schneller Patentrezepte
Es ist ein Dilemma, das sich einfachen Lösungen verweigert. Vor 12 Jahren startete die Universität Hohenheim deshalb den Sonderforschungsbereich Nachhaltige Landnutzung und ländliche Entwicklung in den Bergregionen Südostasiens (SFB 564).
Seither schuf sie ein multinationales Netzwerk. Dazu gehören über 130 Forscher von sieben Wissenschaftseinrichtungen aus Deutschland, Vietnam und Thailand. Das Projekt vereint Bodenkundler, Agrar-, Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftler mit Ökonomen, Sozialwissenschaftlern und Computermodellierern.
Zusammen bildeten sie über 90 Nachwuchswissenschaftler aus und behandelten Detailprobleme in mehr als 180 internationalen Publikationen. Mehrere Universitätspartnerschaften und gemeinsame Studienangebote sind die Folge. Wegen des großen Erfolges verlängerte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mehrfach bis zur maximalen Förderdauer.

Modellcharakter für viele Länder
Auf der wissenschaftlichen Abschlusskonferenz erwartet die Universität Hohenheim aber auch politische Entscheider aller beteiligten Länder und Wirtschaftsvertreter.
Dazu kommen Wissenschaftler mit Arbeitsgebieten in China, Lateinamerika und Afrika, um sich über die Erfahrungen in unterschiedlichen Arbeitsregionen auszutauschen. Denn zwei Dinge standen von Anfang an im Zentrum der Forschung: Die Beteiligung der Lokalbevölkerung und der globale Blickwinkel.

Abschluss als Auftakt: Wissenschaft übergibt an die Praxis
Der Boden ist bereitet: Begleitend zur Forschung haben wir von Anfang an Wissens- und Innovationstransfer betrieben. Jetzt ist es an der Zeit, mit aller Kraft die praktische Umsetzung zur forcieren, erklärt der Sprecher des SFBs, Prof. Dr. Karl Stahr im Vorfeld der Konferenz.
Eine Einschätzung, der sich auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft anschließt. Bis 2014 unterstützt sie deshalb mehrere sogenannte Transferprojekte. Deren Ziel ist es, Lösungen aus der Forschung für den praktischen Einsatz vorzubereiten.
Drei Beispiele können den umfassenden Ansatz besonders anschaulich illustrieren: Der Schritt vom Obstbauer zum verarbeitenden Unternehmer, der Marktdurchbruch von traditionellen und besonders angepassten Schweinerassen in der kleinbäuerlichen Fleischproduktion sowie neue Computermodelle, mit denen die Forscher die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen von Innovationen studieren können, die sie im SFB entwickelt haben.

Beispiel für Transfer 1: vom Obstbauer zum Unternehmer
Bislang litten sie unter der kurzen Saison, Preiseinbrüchen durch Importe und saisonale Überproduktion oder unter Ernte- und Transport ihrer empfindlichen Ware: die Obstbauern Thailands. Speziell Litschi-Bäume mussten zunehmend Gemüsefeldern weichen auf denen Erosion und Pestizideinsatz um ein Vielfaches anstiegen.
Im interdisziplinären Ansatz entwickelte der SFB eigene Qualitätsuntersuchungen von Litchies, erforschte Methoden, auch außerhalb der Hauptsaison zu ernten und führte Marktstudien zu Verbraucher-Präferenzen, den Absatzchancen für Premium-Früchte ohne Pestizide und Exportmöglichkeiten von zertifizierten Früchten in die EU durch.
Angepasste Technik ermöglicht den Landwirten sparsamen Wasserverbrauch und zusätzliche Wertschöpfung durch Trockenfrucht- und Marmeladeproduktion. Gemeinsam mit Modelldörfern entstanden die ersten genossenschaftlichen Produktionssysteme mit einer autarken Vermarktung direkt an die besser zahlenden Großhändler.

Beispiel für Transfer 2: traditionelle Bergschweine als Verkaufsschlager
Das Qualitätsbewusstsein ist hoch bei den Verbrauchern Vietnams, der Appetit nach Schweinefleisch allerdings auch. In den vergangenen Jahren hat sich das Land vom Fleischexporteur zum Importeur entwickelt. Doch gerade dies bietet neue Chancen für Kleinbauern und deren traditionellen Rassen. Denn deren Schweine sind nicht nur genügsam im Unterhalt, sie produzieren auch eine spezifische und sehr gefragte Fleischqualität.
Unterstützt von eigenen Marktstudien entwickelte der SFB zusammen mit lokalen Landwirten ein Zuchtprogramm, das die alten Rassen erhält. In Gruppendiskussionen entwickelten sie neue Vermarktungsstrategien, die die Produktionskette von Kleinbauern in kleinen Kooperativen über zertifizierte Produktion bis in die Schlachthäuser und Städte umfasst.
Ein Vorbild der Initiative: die Produktionsgenossenschaft um das Schwäbisch-Hällische-Landschwein.

Beispiel für Transfer 3: Computermodell erlaubt Folgenabschätzung
Besonderer Stolz der Forscher ist jedoch ein Verbund von Computermodellen, die eine Art virtuelles Abbild der Bergregion schaffen. Das Modell berücksichtigt die natürlichen Gegebenheiten sowie das Pflanzenwachstum und verknüpft diese mit dem Faktor Mensch. Ziel des Modells sind Abschätzungen, welche Folgen Innovationen und politische Maßnahmen auf die Einkommenssituation der Bergvölker und die natürlichen Ressourcen der Bergregionen haben.
Konkret umfasst das Modell zum Beispiel Bodenart, Bodenfruchtbarkeit, Topographie und Wettergeschehen. Diese Grundlage ergänzt das Modell mit verschiedenen Pflanzenarten und ihrem Wachstum in Abhängigkeit von den natürlichen Faktoren.

Wie sich der Mensch verhält haben Sozialforscher in ungezählten Interviews und Beobachtungen zusammengefasst. Das Computermodell integriert auch diese Ergebnisse. Dadurch kann es beschreiben, wie Natur und unternehmerisches Handeln interagieren.
Das Modell erlaubt zum Beispiel Aussagen darüber, wie Landwirte ihr Land, Arbeitskraft, Nutztiere und Finanzen einsetzen etwa, wie sie abhängig von wirtschaftlichen Überlegungen ihr Land durch Brache pflegen oder pflügen, die Erntereste abbrennen, düngen oder Bodenschutzmaßnahmen anwenden.
Als Rahmenbedingungen lassen si
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