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"Fragen Sie Ihren Patienten!"

09.10.2003 - (idw) Universität Hannover

Institut für Erwachsenenbildung untersucht Lebensqualität von Multiple Sklerose Patienten

Wie lassen sich die heilsamen Kräfte von medizinischen Behandlungen messen? Klassischerweise anhand objektiver messbarer Kriterien, einem gesunkenen Blutdruck oder ein verbesserter Cholesterinspiegel. Doch was ist mit dem subjektiven Empfinden eines Patienten? Können nicht an sich wirksame Therapien trotzdem die Lebensqualität einschränken?

Antwort auf diese Fragen bietet eine neue Studie des Institutes für Erwachsenenbildung der Universität Hannover, die Lebensqualität von Multiple Sklerose Patienten unter einer der neuen Therapien untersucht. "Unsere Methode ist in sofern neu, als dass wir mit sozialwissenschaftlichen Fragestellungen vorgegangen sind", sagt Professor Lothar Schäffner, unter dessen Leitung die Studie entstand. Interessant war vor allem das subjektive Empfinden der Kranken - die sich für Experten erstaunlich positiv äußern.

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen 200 Patienten einer neurologischen Praxis, die sich einer Chemotherapie oder einer immunmodulatorischen Therapie unterziehen. "Während einer solchen Therapie kann es den Patienten durchaus sehr schlecht gehen", erläutert der Leiter dieser neurologischen Praxis und Experte für Multiple Sklerose. Umso erstaunlicher, dass sich die überwiegende Zahl der Patienten in den Interviews positiv äußerte. 44 Prozent gaben an, dass sich ihr psychischen Empfinden verbessert habe, genauso viele sprachen von körperlichen Verbesserungen.

"Multiple Sklerose ist eine Krankheit, die in Schüben verläuft", erläutert der Neurologe. Das bedeutet für den Erkrankten, dass er oder sie über Nacht gelähmt oder blind werden kann. "Diese Schübe hängen wie ein Damokles-Schwert über den Patienten und schränken die Planungshoheit, auch über die eigene Lebenslinie, massiv ein. Eine Therapie, die die Anzahl der Schübe reduziert, wird daher von den Patienten als enorme Verbesserung ihrer Lebensqualität empfunden", erläutert Professor Schäffner ein weiteres Ergebnis.

Ziel der Studie war nicht, die Wirksamkeit eines bestimmten Medikamentes zu testen. Ohnehin stellte sich heraus, dass es "das Medikament" nicht gibt, sondern die Patienten Medikamente und Therapieformen suchen, die "zu ihnen passen". Professor Schäffner ist daher überzeugt, dass sich seine Methode auch auf andere Therapien und Patientengruppen anwenden lassen.


WAS IST MULTIPLE SKLEROSE?

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Sie kann unterschiedlich verlaufen und beginnt meist im frühen Erwachsenenalter. Das körpereigene Nervengewebe wird vom Immunsystem der von dieser Krankheit befallenen Menschen als "Fremdkörper registriert". Der Körper entwickelt jetzt Abwehrmechanismen gegen sein eigenes Nervensystem und zerstört es. Dies führt zur Zerstörung von Nerven und schließlich zum Siechtum, da auch die Muskulatur ohne ein funktionierendes Nervensystem nicht mehr arbeiten kann. Der Mensch verliert die Fähigkeit zu laufen, zu sehen und zuletzt auch zu atmen...

URSACHE DER MS

Die Ursache der MS ist nicht geklärt. Fest steht, dass bei einer MS ein Teilbereich des körperlichen Immunsystems falsch programmiert ist, wodurch es sich gegen den eigenen gesunden Körper wendet. Es gibt etwa 80 - 140 Erkrankte pro 100.000 Einwohner (regional unterschiedlich), dabei sind nahezu doppelt so viele Frauen wie Männer betroffen.

SYMPTOME

Sehstörungen, Koordinationsprobleme, Verkrampfungen der Muskeln, Empfindungsstörungen, Schmerzen, Sprachstörungen, Blasen- und Darmstörungen, kognitive und emotionale Einschränkungen. Die meisten Betroffenen leiden unter mehreren dieser Symptome, aber nie gleichzeitig unter allen.


KRANKHEITSVERLAUF

Das Auftreten von einem oder mehreren (multiplen) Entzündungsherden mit entsprechenden körperlichen Störungen wird als Schub bezeichnet. Ein solcher Schub entwickelt sich meist innerhalb von Tagen und klingt in der Anfangsphase der Krankheit nach einiger Zeit wieder ab. Danach kann eine Rückkehr zur normalen Funktion eintreten oder das entzündete Nervengewebe vernarbt (sklerosiert). Da der Verlauf von MS bei den einzelnen MS-Kranken sehr unterschiedlich erfolgt, ist es praktisch unmöglich, Voraussagen über ihn zu treffen.

THERAPIE DER MS

Zur Zeit gibt es noch keine allgemeingültige Therapie die mit Sicherheit auf Heilung der MS wirkt. Es gibt jedoch eine Vielfalt von etablierten Behandlungen, die die Symptome der MS günstig beeinflussen können. Während der akuten MS-Schübe wird vielfach Kortison als entzündungshemmendes Medikament eingesetzt. Allerdings gibt dieses Medikament keine feste Garantie für eine folgenlose Rückbildung der Beschwerden, außerdem ist eine Langzeiteinnahme von Kortison aufgrund der Fülle seiner Nebenwirkungen nicht zu empfehlen. Andere Medikamente (z. B. Interferone, Copolymer-1 usw.) greifen regulierend oder unterdrückend in das Immunsystem ein. Dadurch kann das Fortschreiten der Erkrankung bei einer Vielzahl von Betroffenen das deutlich verlangsamt werden.

Um die bestehenden unterschiedlichen neurologischen Ausfälle zu vermindern, wird eine Reihe von Medikamenten eingesetzt.

In der Hand des Experten dient der gezielte Einsatz solcher Substanzen der Linderung vieler Alltagsbeschwerden durch die Erkrankung. Regelmäßige Krankengymnastik, Unterwasserbewegungstherapie und sportliche Aktivität sind wichtige unterstützende Maßnahmen. Daneben gibt es Behandlungsmethoden, die das biologische Gleichgewicht des Betroffenen verbessern. Dazu zählen Diäten, Entspannungstechniken und Psychotherapien.

Hinweis an die Redaktion:
Für nähere Informationen stehen Ihnen Professor Lothar Schäffner unter 0511/762-8514 und Dr. Elmar Straube unter 05105/4006 unter gern zur Verfügung.
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