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Jenaer Menschenrechtspreis für Dr. Shirin Ebadi

03.05.2012 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Iranische Friedensnobelpreisträgerin wird am 8. Mai an der Universität Jena mit dem Preis der Ulrich-Zwiener-Stiftung für Internationale Verständigung und Menschenrechte geehrt Lassen sich Demokratie und Menschenrechte mit dem Islam vereinbaren? Diese Frage stellen sich angesichts der aktuell bekanntgewordenen Aktivitäten radikaler Salafisten in Deutschland oder der nach wie vor verbreiteten Praxis der Zwangsverheiratung junger Muslime wohl viele Menschen. Für die iranische Juristin und Menschenrechtsaktivistin Dr. Shirin Ebadi besteht dagegen an der Vereinbarkeit ihrer Religion und Demokratie kein Zweifel: Die Wahrheit ist, dass man durch eine richtige und dynamische Auslegung des Islam sowohl Muslim sein kann als auch die Menschenrechte respektieren und einhalten kann, formulierte sie z. B. 2005 in ihrer Rede zum Beitrag des Islam zu einem Weltethos. Als erste Frau der muslimischen Welt wurde sie 2003 für ihre Bemühungen um die Demokratie und Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Am kommenden Dienstag (8. Mai) ist Shirin Ebadi zu Gast an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. An diesem Tag wird sie mit dem Preis für Internationale Verständigung und Menschenrechte der Ulrich-Zwiener-Stiftung ausgezeichnet. Die feierliche Preisverleihung beginnt um 16 Uhr in der Aula der Friedrich-Schiller-Universität (Fürstengraben 1). Die Öffentlichkeit ist zu dieser Festveranstaltung herzlich eingeladen.

Shirin Ebadi engagiert sich seit mehr als 30 Jahren für die Menschenrechte in ihrem Heimatland, insbesondere für die Rechte von Frauen und Kindern, begründet Dr. Claudia Zwiener die Preisvergabe an die Iranerin. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz als Juristin und der Konsequenz, mit der sie ihre Überzeugungen vertritt trotz massiver Sanktionen wie Hausarrest, Haft und Exil steht sie beispielhaft für die Grundidee der Stiftung, so die Ehefrau des 2004 verstorbenen Stiftungsgründers Prof. Dr. Dr. Ulrich Zwiener. Der Preis für Internationale Verständigung und Menschenrechte wird seit 1996 gemeinsam von der Ulrich-Zwiener-Stiftung, dem Collegium Europaeum Jenense (CEJ) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena verliehen. Er würdigt herausragende Persönlichkeiten, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen und für Toleranz gegenüber Andersdenkenden in besonderer Weise stark machen. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Mit Dr. Shirin Ebadi wird eine mutige und im besten Sinne des Wortes eigensinnige Frau geehrt, die konsequent vorlebt, wie modernes, aufgeklärtes Denken und eine feste Verankerung im islamischen Glauben zu vereinbaren sind und daraus die Kraft für ihr Engagement für die Menschen im Iran schöpft. Zugleich ist sie überzeugt, dass der Wandel im Iran nur auf absolut friedliche Weise und aus dem Land selbst heraus entwickelt werden kann. Angesichts des Arabischen Frühlings kann man diese Haltung nur unterstützen, sagt der Rektor der Universität Jena, Prof. Dr. Klaus Dicke, der den Festakt zur Preisverleihung eröffnen wird. Die Laudatio hält Prof. Dr. Katajun Amirpur. Die Professorin für Islamische Studien und Islamische Theologie der Universität Hamburg hat Shirin Ebadi und ihrem Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im iranischen Gottesstaat ihr Buch Gott ist mit den Furchtlosen gewidmet.

Im Anschluss an die Preisverleihung diskutieren Shirin Ebadi und Katajun Amirpur auf dem Podium mit Wissenschaftlern der Universität Jena zum Thema Demokratie und Menschenrechte mit dem Islam zu vereinen?. Teilnehmer sind Prof. Dr. Tilman Seidensticker (Professur für Islamwissenschaft) und Prof. Dr. Rafael Biermann (Lehrstuhl für Internationale Beziehungen). Die Moderation übernimmt Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke.

Hinweis für die Medien:

Vor der Preisverleihung stehen Vertreter der Ulrich-Zwiener-Stiftung und die Preisträgerin Dr. Shirin Ebadi für ein Pressegespräch mit Fototermin zur Verfügung.
Dieses findet statt
am 8. Mai um 14 Uhr im Senatssaal (Universitätshauptgebäude, 1. OG).
Vertreterinnen und Vertreter der Medien, die daran teilnehmen möchten, melden sich bitte bis spätestens 7. Mai per E-Mail an presse[at]uni-jena.de an.

Biographische Angaben zu Dr. Shirin Ebadi

Shirin Ebadi wurde 1947 in Hamedan im Nordwest-Iran geboren. Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter. Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften gehörte sie ab 1969 zur ersten Generation von Frauen im Iran, die ein Richteramt ausübten, und saß ab 1975 als erste Frau einem Senat des Teheraner Stadtgerichts vor. Nach der Islamischen Revolution von 1979 wurde sie ihres Amtes enthoben und wurde u. a. zur Assistentin desjenigen Gerichtes degradiert, das sie zuvor leitete.
1984 verlässt sie den Staatsdienst. Da ihr eine Anwaltslizenz zunächst verweigert wird, arbeitet sie unter anderem als Publizistin. 1992 erhält sie die Zulassung als Rechtsanwältin und übernimmt seither die Verteidigung von Liberalen und Dissidenten und setzt sich für den Schutz von Kindern ein. Shirin Ebadi wird auch Dozentin für Rechtswissenschaft an der Universität Teheran.
1995 ist sie Mitgründerin der Association for Support of Childrens Rights. 2000 wird sie inhaftiert und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Außerdem erhält sie ein zeitlich begrenztes Berufsverbot. 2002 ist sie Mitgründerin des Human Rights Defence Centres. 2003 erhält sie den Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen um Demokratie und Menschenrechte. Das Nobelkomitee hebt besonders ihren Einsatz für die Rechte von Frauen und Kindern hervor. 2006 wird die Nobelpreisträgerin nach der Teilnahme an einer Demonstration erneut verhaftet. Seit der Wiederwahl des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im Jahr 2009 lebt Shirin Ebadi im Exil in Großbritannien.


Kontakt:
Daniela Siebe
Stabsstelle Kommunikation / Marketing, Alumni, Veranstaltungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Zwätzengasse 4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 931008
E-Mail: daniela.siebe[at]uni-jena.de jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });
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